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Wiener Morgenzeitung · 1919-01-22 · Heft 4 (22.1.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 4 (22.1.1919)
Date
1919-01-22
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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SN« 4 Wien, Mittwoch V..-.-... «Ttl.l.—---- ....II man in Mahlzeiten, daß man sich ein Parlament ohne Ofner nicht denken könne, die Kreise, denen der' Turf rbenfs nahesteht, wie die Politik, nennen ihn sinnig „eine Klasse für sich" rmd in gewissen asthetifierenden Zirkeln heißt er gar, recht schmatzig, ,chaS Gewissen des Parlaments". Wir aber müssen seit dem Tage seine Krwissenhaftigkeit bezweifeln, da er in einem großen dsrbereitetem Dortrage zu Teplitz anno 1909 den Zionismus „Neichsfremdheit" vorwarf, und ihn gar sK „klerikale Bewegung vernaderts — Aeußerungen, die dieser sowohl informierte, grundgescheite Mann nur. Fegen bessere Ueberzrugung tun Hvnnte. Dr. Julius Ofner ist seiner Gesinnung nach ein bewußtrr streitbarer Deutscher — und bas geht nicht uns dir irationalen Juden, sondern wie wir verweisenwolle?, auch feine jüdischen Mandanten an. Cr begnügt sich nicht damit, in alter Burschenherrlich^it deutschsüdischLN KonErsr» zu präsidieren und die Blüte der Kstisrr aü? den Prsßnitzer, Nikolsburger und BoSkowitzsr JL-drngas'en, sowie vom Kai zu unentwegter .Zslkischr^ KufLurarbrit aufzusordern: Er hat auch dir zweisprachige Provinz bereist, auf dem heißunstrititnzn Boden Böhmens Reden gehalten, wie sie ihm sein deutsüjNaLivnaleS Herz diktiert, das er sich nicht suS tzeur, Leibereißen läß^ und sein national-Heutschrs-BÄLuutttiS mit allen Akzenten beS Eiferers für die hrilie vökische Sache lerrgtwicket. Mer da weiß, was das Work „österreichischer??ar-'onLlnütenl:rmp^ bis nun bedeutete, mag ermessen, rvatz derartiges Gebaren nnd derartige Reden aus dem Munde eines jüdischen Führers zur Folge hatte. Die -national-deutsch? Geste der Ofner und Kuranda, der gelauftru'Juben Licht und Nrumann erzeugten ein Fernsehen, das draußen im tschechischen Flachlande die kleinen jüdischen Existenzen erschütterte und manchem, ssm Boykott bedrängten Dorfjuden den entscheidenden Streich versetzte.! Dann hieß eß,' die Scholle verlassen, nach Wien wandern, den Hausierkastrn umschnallen — und sich von Dr. Julius Ofner retten lassen. Welch bittere Ironie: Gestrandete Juden, welche nicht zuletzt durch die national-deutsche Politik assimilatorischer Aührrr vsn der Scholl« verjagt und deklassiert wurden, suchen Rettung bei einem von jenen, die sie entwurzelten. Welch trauriges Bild jüdischer Z erfahrenheit und Dsssrientierung: Der Mann, den sie den „Dater der Hausierer" nennen,' hat durch seine Politik selb st jüdij ch z Hau sie rer fa br i z i e r t! . D'ieZ ist das unfehlbare Merkmal der assimilatorischen Pslitik: uns Juden bringt sie an den Abgrund — sie ruiniert aber auch den führenden Mann, der sie drrkörpert. ' Wer daö politische Leben in den letzten Jahren vor dam Kriege beobachtet hat, weiß, daß Herrn Dr. Ofner seine Politik stark hernahm und daß der früher.untadelige Mensch nicht mehr zu erkennen war. Cr lirß' sich von'einem Klüngel am Gängelband führen, der ti?f unter ihm 'stand, und alljährlich eine neue Flagge susftecktr. Dr. Ofner war heute Kronjurist der ^szialdemskratie t- und sprach morgen im Hotel Esutirrental einem Parterre-von Börseanern zu Gefallen. Er bewegt: sich eben «sch im Vorhof ‘ des deutschen Ratioualverbandes (in den Klub selbst durste der Jude Ofrrrr nicht hinein) — um in der nächsten Stunde in einer „Klaus": für sich zu agitieren, er arbeitet heute für deutsche Hochziele — und afsichiert morgen' Jargon- Plakate.- Eine Kkine Erinnerung: Als in Galizien im Jahre *1910 dir jüdjfchL Schanker brotlos - werden und nach Wien kamen, ihr Recht zu suchen, harrte ihrer am Aahnhofr eine Schar Ofrrerscher Wähler.. Tausend Fäden spinnen sich,.nämlich'uuS der Floßgasse und vom Dol- Lrtplätz nach dem fernsten Galizien und der Hieb, den dir Schlachta gegen die galizischen Juden führte, schlug auch im Wahlbezirke Ofners Wunden. Er aber war nicht zu sehen, hatte erklärt, sich um diese Sache — die wie gezeigt, auch seine Schutzbefohlenen betraf — unbedingt nicht kümmern zu wollen und manchem Ahnungslosen wurden damals die Augen geöffnet. Während des Krieges scheint sich Ofner noch weiter von den Osts «den „fortentwickrlt" zu haben. Celn VephsltLir im drutschöstrrreichischen Staatsrat ist — man muß derr harten Ausdruck gebrauchen — verdammenStvrrt gewesen. j Wie konnte der Sozialpolttiker und Jude Julius Ofner als Berichterstatter ein derart ausgesprochen antissmitisches Gesetz vertreten, wie eS dar Grundgesetz über!ste ^eutschösterreichifcha Staatsbürgerschaft ist? Ein Marin, der nach seiner Weltanschauung den Grundsatz der freie« Option vertreten müßte, hat im Plenum über ein Gesetz referiert, welcher just die Östlichen entrechtet und auch noch Gründe vor^ellracht, -welche die Ausschließung der «uZ Galizien stammenden Juden von der'.Staatsbürgerschaft rechtfertigen sollte. Wir aber meinen: Dr. Julius Ofner hätte tzeß Gtaatsbürgergesetz über die Staatsbürgerschaft iy der heutigen Fassung niemals vertreten dürfen. Sr hätte R es «rat nieder legen und vor der Oeffentlichkeit erkläre« müssen, daß er t;!a sslch.es Gesetz nicht vertrete» kann. J&an Gtulsv Ttnsq. Jetzt hat er gar noch ei:ior fischen Versammlung fretuAtig bsTunnr, daß insisa^e ^Psrl^ment^rr^er «m EstttK Willen darnach trachten Müssen zst tzyrhirchern,, daß eS, Jnden.dr-att^n gätze. ___Wiener Morgenzeitung Heißt daS nicht soviel alS: wir haben allen Grund zu schweigen und uns treten zu lassen? Betätigt so den mitunter jetzt noch die Burschenkappe tragende „alte Herr" einer bierehrlichen deutschen Studentenverbindung seinen Mannesmut und seine Manneswürde? So sieht der beste und fähigste Mann der assimilatorischen Judenschaft aus. Die Friedenskonfersuz. Wilson gegen Deutschland. ' Paris, 21. Jänner. (Meldung der Agenee Havas.) Beim Empfang des Präsidenten Wilson durch den Senat dankte der Präsident in seiner Antwort ans die Begrüßung von seiten des SenatSprLfidenteu Dnbofi für de« warmen Willkomm, der ihm in Frankreich bereitet worden fei. Der Präsident erklärte, Amerika habe die Gefahren recht wohl gekannt, denen Frankreich ansgesetzt war, das an der Grenze der Freiheit Schildwache stand. Während es in Ruhe sich der Arbeit hingab, wie das benachbarte Belgien, ballten sich in dem großen Lande, das von ihm durch eine schwache Grenzlinie geschieden ist, Wolken ungesunder Ehrbegierde und verbrecherischer Absichten zusammen. Frankreich hielt sich, wen« eS auch bereit stand, der Gefahr'die Stirn zu bieten, jeder Herausforderung ferne, und dies war wahrhaftig ein schönes Verhalten, wenn die Bedrohung von Bestand fein könnte, bliebe Frankreich zuerst dtr Gefahr ausgesetzt. Aber eS möge beruhigt fein, denn die Neuordnung vollzieht sich, und wenn Frankreich bedroht wird, wird es auch die gesamte Welt. Diejenigen, die für die Freiheit gekämpft haben, dürfen sich niemals von F r a nkreich trennen. Frankreich hat durch feine Opfer dis Freundschaft der ganze» Welt gewonnen. Die Gelegenheit, die sich ihm darbst, zu zeigen, wessen eS fähig und von welchem Schlage es fei, hat bewirkt, daß es allen jene«, die die Freiheit lieben, teuerer geworden ist als je. Ei» internationales Tribuna! für die Judenfrage. Stockholm, 20. Jänner. Der Londoner Korrespondent des Jüdischen Pretzbureans telegraphiert: Aus zuverlässiger Quelle erfahre ich, daß in den politischen Kreisen der Friedenskonferenz sehr ernst die Frage erwogen wird, wie und «ach welchen Prinzipie« die Judenfrage gelöst werden soll. Dabei wird auch die Form einer. Organisation diskutiert, welche die Beobachtung der von der Konferenz akzeptierten Formen und Prinzipien seitens der in Betracht kommenden Mächte und Volker zur Aufgabe hat. Dem Friedenskougretz wird ein Vorschlag unterbreitet werden, welcher die Schaffung eines internationalen Tribunals oder Rates znm Inhalt Hatz der jede Frage, die mit jüdischen Angelegenheiten in Verbindung steht, entscheiden soll. Dieses Tribunal soll dem Völkerbund angeschlossen werden und seiner Kontrolle unterstehe«. Die Schuld am Krieg. Paris, 21. Jänner. Mehrere Blätter beschäftigen sich eingehend mit der Frage der Verantwortung für die Kriegsverbrecher!. Der »Matin bemerkt, daß die verbrecherischen Tatbestände» sowett Frankreich in Betracht komme, durch eine ge» naue, seit Beginn der Feindseligketten geführte Untersuchung sestgestellt wurden. Die Untersuchung sei demnach fast vollständig sertig. Bourgeois und hervorragende Rechtsgelehrte, die berufen wurden» der französischen Regierung ihre Ansichten mitzuteilen, sind einstimnttg der Meinung, daß sich die Verfolgung wegen obgenannter verbrechen aus Artikel 53 der Haager Konvention über den Landkrieg stützen könnte. Dort seien die Anhaltspunkte für die Verantwortlichkeit Kaiser Wilhelms genau gegeben. Bourgeois und die erwähnten Juristen sind der Ansicht, daß jedenfalls die Urheber der gegebenen Befehle und nicht die untergeordneten ausführenden Organe bestraft werden müssen. Der Matin erinnert an einen amerikanischen Präzedenzfall, nämlich an die Verurteilung nnd Hinrichtung des Major» Wir- «m Ln.se mm v°V-Isi*n»kru-ge« rörgen rmnötigvn Gnmsamkett gegen Hefemtzeire tat Vefllngnta »on Andersen» iLe» __ 22. Jänner ^1910 Hk 4 Die Verantwortlichkeit Kaiser Wilhelms. Paris, 21. Jänner. Dem Journal zufolge bestehe tm Ministerpräsidium ein beratendes juristisches Komttee, dem die Ansichten der Delegierten der Friedenskonferenz über die Ä er a ntw o rtli ch ke it des gewesenen Kaiser Wilhelm unterbreitet werden würden. Dieses Komttee werde der Konferenz einen bestimmten Vorschlag unterbretten. Es fei eint regelrechte Untersuchung einaslettet werden, auf der sich in dem Fall, als die Konferenz dieser Ansicht sein sollte, ein mit überreichen Beweism ausgestatteter Anklageakt aufbauen würde, dessen Schlußfolgerung nicht die Forderung nach Auslieferung des Kaisers durch Deutschland, sondern seine Ue b ergäbe durch j ene Nationen wäre, die sich als Völkerbund konstituieren würden. Nach der Ansicht der hervorragendsten Rechtsgelehrten werde Holland» das dem Völkerbund angehören «erde, sich seiner Pflicht, den Kaiser den Bundesmttgliedern zur Mmteilung auszuliefern, nicht entzichen können. Das russische Problem. Paris, 20. Jänner. Amtlich wird mttgeteA: Präsident Wllson, die Ministerpräsidenten und die Minister des Aeußem hielten unter Zuziehung der Vertteter Japans im Ministerium des Aeußeru eine Sitzung ab, die von 10^/, Uhr vormittags bis^nittags dauerte. Botschafter Noulens gab Aufklärungen Um die Lage in Rußland. In der nächsten Sitzung, dis Dienstag vormittags ftattsindet, werden die Darlegungen des dänischen Gesandten in Petersburg Seavenius entgegengenommen werden. Entente-JnterveMon^n Rußland. Paris, 20. Jänner. (Tel. der »Wr. Morgenztg.*) Der französische Gesandte in Rußland Nouleks hat bei den gesttigen Beratungen der Friedenskonferenz auf die unbedingte Notwendigkeit einer Intervention der Alliierten in Rußland gedrungen, um der dolschewisttsche» Anarchie ein Ende zu machen.. Anznfriedenheit der Neutralen. London, 21. Jänner. Der Sonderkorrespondent des Reuterfchen Bureaus auf der Friedenskonferenz in Paris meldet, daß der Beschluß der Friedens-- konse'renz, wonach die den Völkerbund betreffenden Satzungen nur von den kriegführenden Mächten erörtert und sestgelegt werden sollen, bei dm dortigen Vertretern der neutralen Staate» beträchtliche Unzufriedenheit erzeugt habe. Sie bemerken dazu, baß die Miertm beavsichtigm, einen Völkerbund zu bildm und dann zu ihnen zu kommen und zu sagm: Die Gesetze des Bundes sind die und dir. Ihr könnt dem Bund bei- Ireten oder auch nicht, wie es euch beliebt. Die Vertteter der neuttalen Länder find der Auffaffung, daß ein unter den deutschen Bedingungen stattfindender Beitritt'mit der Würpe. ihrer Länder nicht in Einklang zu bringen wäre. ' Permanente LeßensMMelLommWOn der Alliierte». London, 20. Jänner. (Meldung der Telegraphen- Kompagnie.) Amtlich wird gemeldet: Der oberste Lebmsmittelrat hat am 18. d. M. seine Tätigkett in Paris, wieder ausgenommen. Er hat das Ergebnis der früherm Unterhandlungm und die Lage im Zusammenhänge mit den neuen Berproviantterungen erhöhe«. Der Rat verfügt über Mitteilungen des Oberbefehlshabers der Alliierten in Osteuropa, über die dort vorhandenen Bedürfnisse und Hilfsquellen. Der oberste Lebensmittelrat erwägt die Schaffung einer permantep Kommission, bi* ihre Arbeiten am AX Jänner «chi nehmen sollte. Äie internaUonare Arbeitertronferenz. London, 20. Jänneu Die von Gvmper^ geführte Delegation de» amerikanische» Arbetterver^ bandes konferierte heute mtt der brittschm parlamentarischen Arbeiterpartei über die vorgeschlagene int es» nationale Arbeiterkonferenz. Dijt Amerikaner bestehen darauf, daß der intemattvnale» Arbeiterkonferenz eine alliierte Drbeiterkonserenz voraus» gehen solle, während die b r i t i s ch e n D e l t g ie r t e H oafür sind, daß gleich eine international e Konferenz abyehalten werde. Es wurde keine Einigung erzielt. Für morgen Peine neue Sitzunp anberaumt. Kramarsch Lei Pschon. Paris, 21. Jänner. Minister des Aeußem Pichon empsina da» Haupt der tjchecho-slowakijqeU Regierung Dr. Kramarsch. Lle auf der svzklkftifchett KriedeitÄduftvMßF^ Baß Jüdische Preßbuerau t» Stsckhol« «eldetr D«8 Bure«» de» Jüdtscheu soti«listische» ArdeiterverdaudeS Ps»le-Zt«u t» Gt-ckhol» erhielt kn Camille H » y » «« n «. de« ÄekrotLl der Jnternatt-nala, eine ClnIadrmH -ur de»«rstehrnd«r fcita* nattenalen s»gt«rtDschea id Qtßftnne, De!e»«tt»« der wird ««8 den HrrM.

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