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Wiener Morgenzeitung · 1919-01-22 · Heft 4 (22.1.1919) · p. Seite 3

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 4 (22.1.1919)
Date
1919-01-22
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Sir. 4 Me«, BUttwoch Immer noch eine sa unerschütterliche, daß an einen Sieg ^vvn Ideen, die er nicht billigt, schwer zu denken ist. jUebetdieS scheine» euch die andere» Mächte durchaus istnehr auf He« Seite- Clsmenceaus zu stehen,, als auf .der beS Präsidenten Wilson. Trotz aller wunderschönen Reden und Gegenreden, die anläßlich der - Reise SSifa fottS durch England, Frankreich Und Italien Malten worden sind, drängen sich die maßlosesten Krikgszielst»rderungen ln den Vordergrund der Versailler Beratungen. Italien, das sich von Kriegsausbruch an zum -„Sacro fcfcoismo“ bekannt hat, und das seine Eroüe- 'rungSwÜnsche nie hinter Menschheitsphrasen verbarg, chietet kerne Ueberraschung, wenn es nach deutschöster-« «richischen Gebieten strebt und wenn es um des rechten jUdriauferS willen gegen Jugoslawien erneut mit der ,Waffe droht. Was England anlangt, so hat dieses «8 stets verstanden, seine eigennützigen dlbsichten in eine Form zu Illeiben, welche auch dem jeweiligen Härtner gefällig ist. Und da seine Aspirationen nur |öuf die afrikanischen Territorien und die unentwickelten 'Lander der besiegten Türkei hinzielen, ist es ihm laicht jene Geste der Rachsucht und der Vergewaltigung zu vermeiden, welche die gegenwärtige französische Politik t» den schärfsten Gegensatz zu Wilson bringen muß. Die Türkei bildet eines der hauptsächlichsten und RuSgiebigsten Entschädigungsobjekte für die Entente. 'Ihre Aufteilung ist unvermeidlich. Wenn Deutschland Uoch so geschwächt, gedemütigt und verarmt, vielleicht auch mancher deutschen Provinz beraubt aus. diesem Kriege hervorgehen wirb, sv bleibt es doch letzten. Endes ungeteilt und findet vielleicht über kurz oder lang in einem Anschluß Deutschösterreichs eine, wenn auch fragwürdige Ergänzung. Auch Oesterreich- Ungarn ist nicht aufgrtcilt worben, sondern es %tt* «fällt in seine Bestandteile. &ie Türkei aber dürfte zur Entschädigung solcher Völker herangezogen werden, die uur von außen her, nicht von innen hinaus mit ihrem ^Schicksal verknüpft sind» Mesopotamien wird zur '«englischen Machtsphäre. Und um sie zu sichern, muß bis zu ihr eine Ländrrbrücke autonomer, dem englischen Protektorats' unterworfene« Staaten arabischen,' Mischen, syrischen Charakters hergestellt werben. Die Äagdadbahn, die nicht bis KonstantinopTl, sondern bis Hür KÜstenftadt Mexandrette, dem nördlichsten Hafen Syriens, geführt werden soll, wird im Zusammenhang Mit der von Aleppo abzweigettden Linie quer durch Palästina (Damaskus—Jerusalem—Kairo) bas Gerippe dieses neuen weltwirtschaftlichen Verkehrs system darstellen. In Syrien selbst wird. Frankreich eine Ergänzung seiner kolonialen Interessen finden. Für dir Äeinasiatische Küste und insbesondere für das Vilajet Smyrna melden die Griechen ihre Ansprüche an. lieber den verbleibenden Rest dürftentm Wesentlichen jbie Armenier bas ÄerfügungSrecht erhalten, die >ir^ einem der Friedenskonferenz vorgelegten Entwurf die ^Herstellung eines autonomen armenischen Staatßwesens ,doiy Schwarzen Meere bis zum Mittelmeer fordern. Die ungefähren Grenzen dieses Reiches sotten von Samsun-Trapezunt am Schwarzen Meer Über KarssEriwan (ehemaliges russisch-kaukasisches Gebiet) südlich an der persischen Grenze entlang bis Kurdistan, sodann ^westlich Über Diarbekr bis zu Alexaridrette am Mittel-, «teer laufen, von wo, unter möglichster Einbeziehung der kleinasiatischen Küstenprovinz Eylieien, in nördlicher Richtung die Verbindung mit Trapezunt herge- 'stellt werden soll. Die armenischen Ansprüche gehen vlso recht weit, und im Falle ihrer Verwirklichung wurde Litt wirtschaftlich außerordentlich entwicklungsfähiges Gebilde entstehen, welches auch an daS neue Bahnshstem Kairo—Alexanbrette—Bagdad Anschluß finden würbe.. jtat Auslands ziveäV Einführünz und Bergrößerunz der Modells und der Technik im Lande. Auch in den jüdischen Kolonie« zeigt sich letzthin eSgeS Lesen. Die Korbeeeitunzett zu der Grttndunzsveksammlung beanspruchen alle aktiven Kräfte. Außerdem sind eS wirtschaftliche Fragen, die die jüdischen Kowniften interessiere«. Sofort nach der Befrelüng GaliläaS fand eine ,Beratung der Kolonisten und der anderen landtvirtschasd- .lichen Elemente aus Galiäa und Emek-Jsrael statt. Eine 'Reihe von Beschlüssen befaßte sich mit der Frage de« Be- .schaffüng von landwi rtfchaftlichen Maschine«, des «kaufes von t eben dem Jnvevkat, der Vergrößerung S& Kredites, mit der Gründung von medizinische« ilfSstätte« in den Kolonie«.' Ferner beschlossen die 'Kolonisten, baß auch bei den Wahlen in den Kolonien den Irauen daS gleiche Wahlrecht wie de« Männern erteilt werde. | In weiteren Resolutionen verpflichten sich die Soloniste«, die Rückkehr brr Flüchtlinge auö den befreite» Ge- 'bieten mit allen Mitteln zu fördern. Eine DankSui& Nesrü-ungSresvlution an die jüdischen Legivnür-« würbe begeistert angenommen^ , Der Frage der y e m e u t t t s ch e« Juden wird in letzter Zeit besonderes Interesse gewidmet. Dank der kulturelle« Hufklärungstätigkeit der Irktellektuellen im Lande hat sich Hie Lage der yemenitischen Inden tm Bettmls her letzten Jahre sowohl in kultureller als auch in sozialer Beziehung bedeutend gebessert. Die Versuche, die yementtischen Juden dev Landwirtschaft zuzusühren, dürfen als gelungen bezeichnet werde«. 'Diese haben es auch verstechen, sich in gewissen Zisrigen der Landwirtschaft zu spezialisieren, so zun» Beispiel in der Honigprodnkttvn. Im Jahre ISIS gab es t« ber",)emettitischen Kolonie in Aachlirl DtMKistLi«, bis tzruiLtritlsitztu' Juden, «chSrta», 4m nächst«« Jayra war ihre Kahl Si, im Jahre ’&tt bewu« sis i$i Und iw Jstzrs 1si8 war sie auf M -chiegvt.. Das yalSstinarmt ist ii&Mtäb bü*ill uDWot» ifltoflj(*>'>; tztttdurch Hu» ütnivLitischstt Wiener Morgeuzerturrg . Mit diesen Problemen ist die Zahl der von der Friedenskonferenz zu lösenden territorialen Berwicklunlungen beiweitem noch nicht erschöpft. Denn man auch Zenttalrußland infolge seiner chaotischen Zustände zunächst seinem. Schicksal überläßt, sv treten doch auö dem ehemaligen russischen Gebiet zwei.Gebilde hervor, die ihre Ansprüche bereits ganz konkret verstechten: Polen Und die Ukraine. Beide Komplexe gehören schon deshalb zu den schwierigsten/ weil dsn Außenstehenden, somit' auch allen in Versailles entscheid?!->ett Instanzen jegliche Uebersicht unmöglich ist. v Die Territorien mit ihrer Bevölkerung und ihren nationalen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen sind statistisch noch nicht erfaßt. Ms an Statisten besteht, ist teils unentwickelt, teils gefälscht, teils überholt Das ukrainische Volk verfügt Überdies auch nicht annähernd in gleichem Maß« wie die Polen Über die. in der Jetztzeit erforderlichen HHilfSmittel der Kultur über geschickte PrrßbureauS und eine verbreitete Organisation zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Darum war es den Polen leicht, die Entente für sie einzunehmen und Über die ukrainischen Ansprüche die schauerlichsten Märchen zu verbreiten. Insbesondere sobald sie erkannt - hatten, wie gläubig jedes Argument Aufnahme .fand, welches den Deutschen Böses nachsagte, stellten sie das Problem sv dar, als ob hinter ettugeu wenigen irregeleiteten Ukru'.t'»rn, lEndes Deutschland stünde. Dasselbe Mittel wandten sie bei den Pogromen an, indem sie behaupteten, daß die von den jüdischen Preßbureaüs verbreiteten Aachrichtrn über die Pogrome lediglich eine Mache der deutschen Regierung wären, welche darauf ausginge, das ententesreunbliche Polen 'zu verdächtigen. Tatsächlich ist es diesem Argument gelungen, die allgemeine Empörung, welche sich nach den galizischen Pogromen überallhin verbreitet hatte» in ein ungefährliches Bett abzuleiben und versickern zu lassen. Dennoch vermochten die Polen letzten EnbeS nicht, die für sie so günstige Situation entsprechend auSzünützen, da ihre stets in der Geschichte bewiesen« Unfähigkeit zur StaaLsbitdung ihre Position in den Augen der Ehtentd von neuemMeraus schwächte. Sir zersplitterten sich in zwei feindliche Lager. Die Regierung Pilsudski-MoraczewSki in Warschau schroff gegenüber und die französische Presse erklärte unverblümt, daß es nicht Sache der Entente sein könne, sich darüber Sorgen zu machen, welch« der beiden Parteien die eigentliche Negierung vertrete. * » 22. Immer 1918 SKte 'S > iiiwiHmh»ii i i , — , .—> ... » ... - .m»^, Die Wahlen. Die vom Zionistischen LandesLomitee für Deutschs st erreich einberufene Vertraueq«- männerversammlung vom 18. d. M. gab nach W-' - führung einer eingehenden Debatte dem Wunsch Ausdruck, daß es bet der Aufstellung eigener Kandidatenlisten im Wahlkreise Nord-Ost (H-, XX. und XXl. Bezirk) das Bewenden haben möge. In den übrigen Wahlkreisen ist für diejenigen Listen — mit Ausnahme der antisemitschen Listen — zu stimmen, deren Kandidaten sich verpflichten» für die' Anerkennung der jüdischen Nationalität in Deuischösterreich einzutreten. Anserr Kandidaten. * Wie wir bereits berichtet haben» wurde in der Vertrauensmännerversammlung des jüdischen Rationcrlverems vom 15. Jänner die an anderer Stelle veröffentlichte Kandidatenliste einstimmig genehnsigt. Die Vertrauensmänner wollten durch die Zusammenstellung dieser Liste zum Ausdruck bringen, daß im Kampf um die primären nationalen Forderungen alle Klaffen des jüdischen Volkes zusammenZugehen haben. Der Obmann des jüdischen Handlungsgehilfetrverbandes» Herr Karl Blume, verttitt in Wirtschaft* licher Hinsicht kein Mittelstands^rogramm» sondern - das proletarische Klasseninteresse feiner gewerkschaftlichen Organisation. Die gemeinschnen - Forderungen, die Herrn Blume mit dem rMtionaljüdischen 'Mittelstand verbinden, sind: die Forderung nach Anerkennung der jüdischen Nation in Deutschöftttreich sowie die klllturellett Fordenmgen de^s jüdischen Volkes. Juden und Wdimreu l Durch eine ungerechte WahlkreiseinteUung ist das . Proportionalwahlrecht verfälscht und sind die Juden Deutschösterreichs um. die ihnen gebührende Zahl von Vertretern in der Nationalversammlung gebracht worden. Nur im Wahlkreis Wien-Nord oft (Leopoldstadl, BrigiLteua«, Floridsdorf) können Vertreter des jüdischen Volkes im Wahl- Kampf Mandate erringen. Die jüdischen Abgeordnit«! dieses Wahlkreises werden daher nicht nur BeZirksintereffen In Rußland herrscht bffet Bolschewismus noch unentwegt, aber der Zusammenbruch scheint nicht mehr ferne. Das Geld ist um etwa 96 Prozent entwertet, die Papierüberslutungkennt keine Grenzen, die greinen Export, der allein dem^ Lanbe^ noch einen wirtschaftlichen Rückhalt geben könnte, ist nicht zu denken, da Zentralrußland an Getreide, dem hauptsächlichsten Exportartikel des früheren Rußland, selbst weniger produziert als es. braucht. ■ . * * WaS Deutschland und dis ehemattgen österreichisch-ungarischen Länder anbelangt, so ist noch nicht zu übersehen, waS davon als Ausland anzusehen ist." Der Gedanke des ÄnschlusfeS an Deutschland hat eins gewisse Popularität, den nationalen Instinkt und die sozialbemokratischs Jnteressenpolitik für sich, die Idee der Donau-Föderation lediglich Argumente der Zweckmäßigkeit. DaS ist für den Augenblick wenig genug, und brr Augenblick entscheidet „ ': i' »"■ , < Juden größere Anleihen für ihre landwirtschaftlichen Arbeiten vrrgeftreckt werden sollen. Rebe« diesen ernsten Arbeite« 'finden Jaffa und Jerusalem auch Zeit für K u n st u n d Ät u s i k. Zahlreiche Konzerte werde« Vv« den englischen Militärbehörden in den verschiedene« «Vradtteilen veranstaltet. Fast jeden Abend finden musikalische Bcranstalwngen statt. Die hebräische Theatergesellschaft hat sich organisiert und ein reichhaltiges Neperwir ausgearbeitet. Auch die jüdischen Musikschulen sind reorganisiert und erweitert worden. DieS ist hauptsächlich darauf'zurückzuführe«, baß der bekannte jüdische Künstler, der aus Rußland stammende An tan Tschaikoff, die musikalische Leitung der Musikschule „Snlamith" übernommen hat. Tschaikoff kam aus London als Soldat der jüdischen Legion und ist auf, Bitten der Musikschule durch die Militärbehörde für diese« Zweck für mehrere Monate beurlaubt. Die Stimmung der Juden in Palästina ist zur Zeit recht optimistisch. Die zahlreichen Projekte über großzügige ländwirtschastliche Unternehmungen, über Rvtstanbearbeiten, Über die verschiedensten Zweige der Industrie, des Exportes und Importes, die zu» Teil schon auögeführt werden, geben Hoffnung, daß daZ Land einer schönen Blütezeit entgegengeht. ' ' : : Mitten iit dieser rmarkupMMn Stimmung traf im Januar die jstachricht Über baS^Uaffenstillstanböabkomme« ei«. Die Friedensbotschaft hat in Jerusalem große Freude herdorgernsen. I« de« Straßen versammelten sich große Menschenmassen, die begeisterte Demonstrationen veranstalteten. In allen Synagogen wurden DantgotteSdieüste adgehalten unter Rbfingüng beS HattetgrbeteS. Alle Gchülen wurden sofort geschlossen. Aus den Straßen wurden jüdische RoriünaltLuse vorgesührt. Im Ru wurde« alle Häuser mit jüdische» U«d englische« Fahne» üb««K weht«» Fahne»' mit *’ dem 'Psalmanwsrft „BirÄ ist de« Lag, dai Vslt geschaffe», wir wollen uns «n ihm freuen." sondern die It-iereffen a8er 3W.6H9 Inden Dentfchösterreichs vertreten müffen. Wenn die jüdischen Wähler dieses Wahlkreisen nicht ihre Pflicht erfüllen, zur Urne gehen und jiidisch wählerr, dann dleidm alle Inden ohne VertreLnng. Antisemiten und solche, denen euer Wohl und Wehe gleichgiltig ist, werden die Gesetze erlassen und den Staat verwalten. Die Juden, welche 'heute von Feinden ärger als je bedroht werden, find dann oiy.xi jeden Schutz. . Jüdische Wähler und Wählerinnen! Seid dessen eingedenk und wählet nur die Kandidaten welche durch ihr Programm verpflichtet sind, . offen und rückhaltlos für daÄ Jüdische Volk einzutrete«, nicht aber solche, die am Tage der Wahl jüdisch tun und nachher allen anderen dienen, nur nicht ihreiu, Volke. .. Wählet solche Kandidaten, die als volksbewußie, aufrechte Juden für die tatsächliche Gleichberechtigung unseres Volkes arbeiten. Wählet solche, die gegen den Abfall und für die Erhaltung des jüdischen Volkes arbeiten, und die für die Erziehung unserer Jugend in jüdischem Geist« sorgm wollen. Wählet die Kandidaten der Mischeu ÄsLisnalparLei! Der Jüdische Nationalverein siir Deutschösterreich. * * Kandidatenliste tzer Jüdischen Nationalpartei für den Wahlkreis Wien-Nordost. 1. Ingenieur Robert Stricker, SLaaLsbchnrat, 2. Dr. Leopold Plafchlles, Advokat, 9. .Erna Patak, Erholungsheim-Inhaberin, - 4. Jakob Piukss, Kaufmann, 6. Karl Vinme, Obmann des Jüdischen Handlungsv gehllfenverbandes» .. & Isidor Blast» Zahntechniker, \ 7. David Nederrzahl, Privatbeamter, 8. Ing. Fedor Ackermann, OberkommchÜr. —-- ■ - Kandidatenspiegel. . 1. Dr. Julius Ofner. Er ist der beste Mann der assimilatorischen Ju'. r - > schüft, von ausgezeichneter Bildung, ein schöpferischer Jurist. Und gerade an diesem Führer wollen wir . zeigen, welchen Händen die Vertretung der Jude« Üsnun rnvsrtraut war, was die assimilatorische Pslitik «US ihre« Vtzswm und «uihre« Vertretern gemacht lj«i Aln hex ^ruch.tbövfe und iw Kaffee Donau erklärt

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