Wiener Morgenzeitung
- Journal
- Wiener Morgenzeitung
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 1 (19.1.1919)
- Date
- 1919-01-19
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2979076-2979077-2979078--00008-2985250- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
-.. Wren, ^ronniag .i—THrrrTmi iin> nrcn*a«irirfaEi MelM MSkUeKMmrrs^ r^i^.ff^i.iwnyTTtsn'iMiiiifc-'a-aifc.i w.:ymm ms .n<iflimaArar!'^Tm*^««o^» /fc-r j Daß aber zu wenig und gy teure Ferttgware vorhanden ist, hängt damit zusammen, daß die Fabrikanten' und Schuster ihre Erzeugung wesentlich reduzieren, weil sie es vorteilhafter finden, zirka SO Prozent 'Ser ihnen auf Bezugschein zugewiesenen LedersorLen an ausländische Händler zu Dorrenden Preisen zu verkaufen. Nur';10 Prozent des zugewiesenen Quantums wird verarbeitet und mit mehr als lOOprozenttgem Nutzen in den Handel gebracht. F Ermöglicht wird das Treiben dadurch, daß seitens jber Amtsstelle für Lederverteilung die Produktion 'des den Fabrikanten und Schustern zugewiesenen Leders ^icht kontrolliert wird. Man kontrolliert den tLederhändlrr, aber nicht den Led erv ererbe üter, womit letzterem zu den wüstesten Schiebungen Tür und Tor geöffnet wird. Statt das ihnen Zugewiesene Lederquantum mit bürgerlichem putzen zur Gänze zu verarbeiten, haben die Fabriken Kroße Arbeiterentlassungen vorgenommen, foeü sie mit dem wirklich verarbeiteten Material, das nur einen kleinen Teil der Fassung ausmacht, den Hollen Betrieb nicht aufrecht erhalten können.! Ein Umschwung Zum Besseren könnte mit dann jherbeigesührt werden, wenn die Schuhwarenerzeuger mter Kontrolle gestellt und die gänzliche Verarbeitung rer zugewiesenen Quantitäten gesichert würde. Dies Ware bei den großen Fabriken durch Vertrauensrersonen leicht durchzusühren. Die volle Produktton zvürde einen rapiden Preissturz herbeiführen, der auch stuf das Treiben der Zahlreichen kleinen und schwer kontrollierbaren Erzeuger regulierend wirken würde." _ Fgm. . Letzte RächrichteN. ■ Günstige Aussichten der VöLkerliga. Paris, 18. Januar. (Meldung der Agenee ^anas.) Präsident Wilson hat gekabelt, patz die Aussichten für eine Einigung über pie Errichtung eines Bölkerbundes zurzeit Lutz erst günstig seien. Ein englisch-deutscher Notenwechsel. Berlin, 13. Januar. Das Wölfische Bureau meldet: Die englische Negierung ließ der deutschen Negierung eine Note überreichen, in der sie die leutsche 'Negierung auffördert, .Künftighin jede erausforderung der polnischen Beöl.kerung in Ost- und Westpreußen, osen und Schlesien zu unterlassen. Sie verweist ferner daraus, daß die Zukunst der deutschen Dstgrenze von den Entscheidungen der Friedenskonferenz abhängen werde und daß ’ ic Mächte bei der Beurteilung der Frage notendigerweife beeinflußt würden durch die Fähigkeit der Unfähigkeit der Deutschen, Gebiete mit polnischer Zevölkerung Zu verwalten. ' Ein deutscher Aeichspräfideut. Berlin, 18. Januar. Wie die Tägliche Rundschau zuverlässig aus München erfährt, werden bei der inneren Neugestaltung, des Reiches die EinzelftaaLen keinen eig enen Präsidenten auf st eilen. Die süddeutschen Bundesstaaten sind übereingekommen, als SLaatsspitze lediglich ein Regieruugskollegium vorzuschlagen, so daß stur die Gesamtheit der deutschen Bundesstaaten girren Neichspräsidenten als Spitze erhalten wird. Die Gefährdung Schlesiens durch Tschechen und Polen. Breslau, 18. Januar. Im Breslauer Rathaus and heute eine Beratung von Vertretern der Behörden, rer Presse sowie der Arbeitgeber und der Arbeiterührer statt, in bereu Verlauf der Chef des Stahes res 6. aktiven Armeekorps in nachdrücklicher Weife puf die schwere Gefährdung Schlesiens binwies und erklärte, die Tschechen hätten eine priegserprobte, schlacisirtige Armee von 600.000 Mann jntt reichlichen Geschützen und bedrohten vvn Braunau stus die Grafschaft Glatz. Die Polen besäßen 18 Divisionen, die jeden Augenblick von Lemberg dus in Oberfchlefien einsallen könnten. Es sei daher der dringendste Forderung zum Schutze der Heimat, ein schlesisches Freiwilligenkorps zu bilden, dem aus Heimatliebe alle waffenfähigen Männer beitreten sollten., Die deutsche IHcd'wnalmrfmumlung nvM in Berlin. Berlin, 18. Januar. Wie der Lokalanzeiger erfährt, hat' sich die Regierung entschlossen, die Nationalversammlung nicht nach Berlin zu berufen. Maßgebend für diese Entscheidung dürsten in erster Linie die von den süddeutschen Staaten geäußerten Wünsche gewesen sein, die darauf hinausgingen, die Konstituante 'unnewemMano Zu rvayten yaven. wwcyewung dürfte gleichzeitig den Vorteil habm, daß die Nationa!- verfamnüung frei vmi Störungen wird arbeiten können. OrientpölMk. Von Heinrich Margrrlies. Als Lord Beaeonsfield, der jüdische Begründer englischer Weltmachtstellung, seine königliche Herrin zur Kaiserin von Indien erhob, wies er der englischen Politik neue und verantwortungsvolle' Wege. Sollte dieser feierliche Akt mehr als eine theatralische Geste bleiben, so mußte das Erworbene auch gesichert werden. . Diese Sicherung aber blieb stets gefährdet, so lange es feindlichen Mächten noch, möglich war, zwischen England und Indien Barrieren zu errichten. Ein isoliertes, weit enttegenes Indien hätte auch Abfallssirömungen auf die Dauer schwer widerstehen können. So ergab sich eine Angliederung an ein unmittelbares englisches Wirtschaftsgebiet und die territoriale VerknüpfunAmit einem näher gelegenen englischen Stützpunkt, das heißt die Schaffung einer! englischen Landbrücke von Aegypten nach Indien als politisch und strategisch gleich wichtige Aufgabe. Diese zu erfüllen, setzte England in unbeirrter Konsequenz seine ganzen Kräfte ein. . So ergab sich, daß England an einer schwachen Türkei ein Interesse bekam. Es ergab sich aber auch, daß England alles überrennen mußte, was sich ihm in den Weg stellte. And als das aufstrebende Deutschland nicht nur überall am Weltmarkt ftöreub in die englischen Interessen einzugreisen begann, sondern auch bitrdj den Bau der Bagdad-Bahn sich auf eine Stoßlinie Berlin- Bagdad festlegte, wurde der Zusammenprall mit der englischen Stoßlinie unvermeidlich. Lord Beaeonsfield hatte noch schwer mit der Verständnislosigkeit seiner Zeitgenossen zu Kämpfen. Als er die in französischem Besitz befindlichen Aktien der Suez-Kanal-Gesellschaft für England erwerben wollte, blieb er auf seine eigene private Initiative angewiesen. Heute offenbart sich die Genialität seiner Voraussicht; Heute hat England sein Ziel, das - Ziel Disraelis erreicht. Deutschland ist überwunden, dem Sieger stehen die Wege, steht der Landweg nach Indien offen. Damit ist strategisch die Aufgabe vollbracht — nun gilt es, auch politisch die rechte Form zu finden. Denn die Form der einfachen Annexion entspricht weder dem politischen Sinn der Engländer selbst, noch ließe sie sich mit jenen Grundsätzen vereinen, von welchen der Friedenskongreß beherrscht werden wird. Auch würde die Einwilligung anderer Mächte schwerlich hierfür zu finden sein. Bekanntlich war Deutschland in Kleinasien nicht der einzige Rivale Englands. Frankreich hat in Syrien starke Interessen zu vertreten. Seit Jahren befolgt es dort eine kulturelle Kolonisaüonspolittk, es hat ein großzügiges Schulwerk errichtet und 40.000 Kinder in französischer Sprache und französischer Sitte erzogen.. Wie groß seine wirtschaftlichen Interessen in Syrien sind, hat auch der'Verlauf des von der Handelskammer in Marseille dieser Tage veranstalteten syrischen Kongresses - bewiesen. In tzen ursprünglichen Vereinbarungen der Entente, über die eventuell vorzunehmende Austeilung der Türkei hat' daher auch ein französich- (Palästina) behielt sich England, im nördlichen (Syrien) Frankreich, die Geltendmachung seiner Ansprüche vor. Beiden Bestrebungen kommen die Wünsche der Bevölkerung entgegen. Die katholischen Araber Syriens wünschen anscheineird ein französisches Protektorat. Wenigstens sind die französischen Zeitungen voll von syrischen Sympathiekundgebungen und Adressen. Ähnlich wie zwischen Frankreich und Syrien, knipsen sich zwischen England und Palästtna stets engere Freundschaftsfäden. Die auf die Schaffung einer jüdischen Heimstätte in Palästtna gerichteten Bestrebungen rechnen damit, daß England als Mandatar des Völkerbundes die Sachwalterschaft über dieses Land übernimmt. Auf dieser Grundlage erfolgten die Verhandlungen des ziomstifcheu Akttonskomitees mit den verschiedenen Regierungen, und da die Verwirklichuyg dieser Bestrebungen sowohl den englischen, als auch den französischenJntereff en nützen können, führten sie zu den bekannten Erfolgen. Die Verhandlungen begannen in London. Zunächst gab am 20. April 1917 der französische Botschafter Cambon in London, der ihnen beiwohnte, die Erklärung ab, baß Frankreich die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästtna begünstige. Ein halbes Jahr später erfolgte die Balsom'sche Erklärung und am 1. Februar 1918 veröffentlichte der Temps die Note, welche die genauen upd formellen Versicherungen des Ministers Pichon an den Vertreter der zionistischen Organisation, Nahum Sokolow, enthielt. In emem Brief an Sokolow legte Pichon diese Zusicherungen nochmals, ausdrücklich fest. Die günstige Erledigung dieser Verhandlungen, denen sich auch die italienische Regiemng im gleichen Sinne anschloß, ließ darauf deuten, daß* die zwischen Frankreich und England getroffene Vereinbarung hinsichtlich einer eventuellen Abgrenzung zwischen dem englischen und französischen Interessengebiet zur beiderseitigen .Zufriedenheit und unter voller Berücksichtigung der jüdischen Ansprüche festgelegt war. Die Reden, die Pichon unlängst in der Kammer gehalten hat, zeigen allerdings, daß die endgültige Erledigung der Abgrenzungsangelegenheit noch aussteht. Differenzen hierüber sind zwischen England und Frankreich unmöglich. Auf ihre. Entscheidung haben die Inden schwerlich einen Einfluß. Auch in dieser Hinsicht bleiben sie von den Beschlüssen des Friedenskongresses abhängig. Daß ein jüdisches Palästina gej schaffen wird, scheint außer Zwesfel. Innerhalb' welcher territorialer Grenzen diese Verwirklichung erfolgen nrit&,| muß das jüdische Volk in Geduld abwarten. Auf dem Gebiete, das die Völker ihm Zuweisen werden, wird es in freier Entfaltung seiner produktiven Kräfte den friedlichen Wettkampf im Kreise der Kulturvölker aufnehmen. Daß es ihm gelingen wird, in kürzester Zeit das zu verwirklichen, was wir heute nur erhoffen,» können wir nicht bezweifeln, aber wir dürfen auch nicht verkennen, daß die weltpolitische Gestaltung des neuen Orients uns von neuem vor besonders schwierige. Aufgaben stellen wird. Palästtna hat in seiner früheren Geschichte stets darunter gelitten, daß es einen Pufferstaat bildete zwischen-zwei gegensätzlichen Territorien, so daß ss regelmäßig den Kriegsschauplatz bei allen weltpolittschen Auseinandersetzungen abgab. Ein ähnliches Geschick muß für die Zukunft, verhütet werden. Gerade darum hat das jüdische Volk, wenn es nach Palästina zurückkehrt, das allerdringendste Jntereffe daran, daß eine neue Konstellation der Völker kriegerische Verwicklungen für die Zukunft unmöglich macht und daß Gegensätze, die sich auf irgendwelchen Gebieten ergeben, durch friedliche und versöhnliche Aus-- gleiche überbrückt werden. Ganz gleich also, wie die! von Pichon angedeuteten Unsttmmigkeiten zwischen ber französischen und englischen Regiemng gelöst werden, ganz gleich auch, in welcher Form sie etwa in späterer Zukunft wieder auftauchen sollten, wird es die Aufgabe der Juden in Palästina sein, in'jeder Hinsicht' ein friedliches, überbrückendes und versöhnliches Element darzustellen. Nur wenn ihm dies gelingt, wird die' Existenz Palästtnas m Zukunft gesichert sein. ' Sport. Das Spiel gegen die englifchsrr Soldaten abgesagt. Das schlechte Wetter hat uns vor dem Schauspiel bewahrt, ein Wiener Team, das beste, das aufzutreiben war, gegen eine englische DilettanLenmannschaft spielen zu sehen. Wir wollen nicht bestreiten, daß unter diesen Engländern auch.gute'Fußballspieler sind, auf jeden Fall war es aber verfehlt, einer solchen Elf die beste Auswahlmannschaft des Verbandes entgegenzustellen. Der Niederösterreichische Füßballverband hätte gerade in diesem Falle nicht von seinem Prinzip abweichen dürfen, sein Team nur einem solchen eines anderen Verbandes entgegenzustellen. Wiener WinLerspsrLleüLe in der Schrveiz. Zu den großen Wintersportkonkurrenzen, die Ende Jänner in Davos stattfinden, wurde auch eine Wiener. Skimannschaft entsendet. Obwohl kaum auf einen Erfolg der Wiener in diesem schweren internationalen Wettbewerb gerechnet.werden kann, steht. man ihren: Auftreten doch, mit großem Interesse entgegen da es sich hier zum erfteirmal in der Praxis Zeigen wird, ob die Entente-Spvrtverbände den Boykott der Mittelmächte wirklich in die Tat mttfetzen werdem Die Wiener Eishoctzeymeisterschast, die für sechs Sonntage ausgelost worden ist, ,rvird Heuer wohl ganz unterbleiben müssen, da jetzt, wo die Saison schon so weit vorgeschritten* ist, noch an keinem ein, zigen Sonntag eine Natureisbahn beizustetten war. GeneralversammLunn des Sportklubstzakoah, Wien. , ' Am letzten Sonntag fand nach fünfjähriger Pause! die ordentliche Generalversammlung der Hakoah statt. Der Krieg hat dem festen Bau des' Vereins nichts anhaben können; gestärkt und gefestigt steht er heute da. Mehr als 300 Mitglieder waren! Erschienen,- um den Rechenschaftsbericht des Kriegsausschusses zu hören und die Neuwahlen für die Klubleitung vorzunehmen. Außerdem stand noch als wichttgstee Punkt die Statutenänderung auf der Tagesordnung. Das neue Statut, das nach mehrstündiger Debatte einstimmig angenonnnen wurde, bringt in unzwei-! deuttger Weife zum Ausdruck, daß die Hakoah auf durchaus nattonaler und zionistischer Basis ftefyt Weiters wurde eine Neugliederung der Vereinsleitung voraenommen. Jede Sektion, es gibt gegenwärtig deren fünf in der Hakoah, hat ihren eigenen Ausschuß, der die rein sportlichen Angelegenheiten vollkommen autonom zu verwalten hat. Die oberste Instanz des Vereines, hie auch die Vertretung nach außen zubesorgen' hat»! bildet die Klubleitung, die sich aus sieben in der; Generalversammlung frei gewählten Mitgliedern und! je einem Vertreter der Sekttonsausschüsse zusammensetzt.! Nur Worte der Anerkennung und des Lobes' wurden dem scheidenden.^ Kriegsausschuß zuteil, der' nicht nur in sportlicher Hursicht den Ruf der Hakoah zu wahren gewußt hat, sondern auch in administrattver Beziehung Uebermenschliches geleistet hat. Während der langen Kriegsjahre hielt er ständig den Kontakt mit allen Mitgliedern auftecl)t-; allwöcheMch gingen die „Hakoahnachrichten" irrs Feld, die die in. der Feme Weilenden über alle wichtigen Ereignisse im Verein, über das Wohl und Wehe aller feiner Mitglieder benachrichttgten. Der Platzfonds, der heute bereits 20.000 K. erreicht hat, ist gleichfalls eine Schöpfung des Kriegsausschuffes. Pie besondere Ehrung, die seinem scheidendem Vorsitzenden Artur Baut Zuteil wmd<. da ihn die Generastzersannnlung Zum EhrenmiLMch ernannte, ist zugleich eine Ehrung aller feiner Mt». ", ’ .' '