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Wiener Morgenzeitung · 1919-01-19 · Heft 1 (19.1.1919) · p. Seite 4

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Journal
Wiener Morgenzeitung
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 1 (19.1.1919)
Date
1919-01-19
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Wm, LDrericr MsrHWsttu»§ ■19. Ml« isflp Aus der tschechÄ-slWrsMischsR Jilde:?rmmh-err «r Böhnken. ' W?NZ. Prngz 1?. J.nmap. Aus alfin größeren Ctiii: Böhmens kommen Meldungen über Aus ,schreitungen gegen jüdische Kaufleute. In ^Pilsen, K.laduv, Pi sek, Strato Nitz, Horuz- I£>o io itz', Ncit hau$ n.s. w. wurden jüdische Geschäft?- ' lüden von der Menge ausgeplündert. Der Schaden > ist noch nicht adznschä>'en. Die Behörden Zeigten überall das anerkennenswerte Bestreben, die Ruhe wieder b:rjznsiellen, doch ist dicö angesichts des Umsichgreifens j der bolschewistischen Bewegung in ganz Böhmen nLerans .sch .er. Auch aus der Slowakei werden Judep-!auöschreittmge'.l gemeldet. Sv haben sich in Skalitz 'vorgestern schönere Exzesse ereignet, denen das Militär!schließlichmit der Waffe ein Ende bereiten mußte.' 9- Plünderer wurden nach Preßburg abgesührt. > Die' Lenlstlstm Hschschnlerr m Böhurerr. '* ' DMZ. Prag, .1?. Januar. Der _Schulaussch'uß ' i rer tschechv-slowakischen Nationalversammlung berät } gegenwärtig cm Gesetz, betressmrb die Te i luu g der kPrager Universitäten im Jahre 1882. Der ' Ausschuß wird höchstwahrscheinlich den Antrag M a r e s ch 's annrhmen, es seien die deutschen Universitütsinstitute der tschechi'Mn Station zu übergeben. Die deutschen : Professoren und Studenten haben in Erkenntnis dieser! Sachlage die Lrrlegrmg der deutschen Hochschulen und ihrer Institute aus Prag nach Drutschböhmen beschlossen. Es kommen hwfür die Städchr Eger, Aussig oder Saaz j tk Betracht. j 2löfts«rpelmrg der öfterreichisch - Zmgsrische« ^NoLsrr nr der tfchechs-srsrvMischen ReprsbLiK? WMZ. BrrdapesL, 18. Januar. Wie das Budcwefter Abendblatt erfahrt, hat die Regierung des! t s ch e ch o - s l o w a k i s ch e n Staates beschlossen, die auf ihrem Gebiet in Umlauf befindlichen Noten der österreichisch-ungarischen Bank ebenso, wie dies in Jugoslawien geschehen ist, abzuiftempeln. Gleichzeitig wurden die Grenzen des 'tschecho-flowakischen Staates für die Einreise gesperrt, um einen weiteren Zustrom der Kronennoten zu verhindern. (Diese Nachricht geben wir mit aller Reserve .wieder.' Es ist wenig wahrscheinlich, daß sich die .Prager Regierung jetzt zu einer solchen Maßregel entschließt. Anm. d. Red.) DeAtschösteMich. . Bericht über Oesterreich an WiLfvrr. WMZi Wie«, 18. Januar. Der Vertreter ■ Amerikas in der interalliierten Wirtschaftskommission Herr St oval! begibt sich demnächst nach Parisi Er legt dem Präsidenten Wilson ein Memorandum vor, in welchem er eine eingehende Darstellung -der nationalen, geographischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Länder der ehemaligen Monarchie gibt. Angarn. Dr. Berinksy MrnisLerp Mid e;»t. Budapest, 18. Januar. Das Ung. Tel.-Korr.- .Bureau meldet: Präsident Karolyi hat' den Justtzmmister Dr. Bei in Key zum Ministerspräsidentendesigniert. I c, Deutschland. Die ReichSVevfasfuttg. . - ^.. 18. Januar. Wie die B. Z. am Miklüg! er führt, besteht der Entwurf der neuen .Reichsverfassung,! den die Regierung der Nationalversammlung vvrlegrn -wird, aus vier Abschnitten.! Die wichtigsten Besrimrrmngen kW ersten Ab- 'jsch'nittrS sind folgende: Das Deutsche Reich besteht j aus'seinen biSherigear Gliedstaaten sowie auk den Ge-! bieten, deren Bevölkerung kraft brS SelbstbestimmnngS-! rechtes die Aufnahme in baS Reisch begehrt und durch sein Reichsgesetz ausgenommen wird. Alle Staatsgewalt | liegt beim deutschen Volk. Das. Reich anerkennt das geltende Völkerrecht al§ einen Bestandteil seines eigenen j Rechts. Das Neichsrecht bricht, bas Landrrcht. Dem deutschen Volke steht 'es frei, ohne Rücksicht auf die bisherigen Lendesgreuzen . neue deutsche Freistaaten innerhalb des Reiches zu errichten, soweit die SLammetzart der Bevölkerung, die wirtschaftlicher: Verhältnisse und geschichtliche Beziehungen die Bildung solcher Staaten ucihelegen. Der zweite Abschnitt bestimmt, .baß alle Deutschen vor dem Gesetz gleichberechtigt und lalle Vorrechte oder Nachteile der Geburt, des Standes, Ibrs BernseS oder Glaubens beseitigt sind. WelterS »werden volle Glaubens- und GewissenSj f r e i he i t, Freiheit der religiösen U t h 11> rzeuguug und Ausübung der Ueberzeugung festgesetzt. Der Letzte. Abschnitt bestimmt? Folgendes: ' Der NrichSpräsidenk wird vom ganzen Volke tzki wählt. Wählbar ist, wer das SS. Lebensjahr vollendet »Hst und seit mindestens 10 Jahren Deutscher ist. ©e» »wählt erscheint, wer die Mehrheit aller im Deutschen! Reiche abgegebenen Stimmen erhalten hat. Gr gibt sich! tzine M.HMt, ein^ MexK Wahlbewerbern siattsiudrn, die die meisten Stimmen erhalten haben. Der Reichspräsident hat' das Reich: zu vertreten und verkündet die Gesetze. Kriegserkläruug und Frie&tnsschlnß trsolgen burch R e i ch s g e s e tz. Berträge mit fremden Staaten, die. sich auf Gegenstände dir.Reichsgesetzgebung beziehen, bedürfen der Zustimmüng des Reichstages. Sobald ein Völkerbund mit dem Ziele des Ausschlusses aller Geheimverträge geschlossen ist, bedürfen alle Verträge mit den im Völkerbünde vereinigten Staaten der Zuftirnpmng des Reichstages. Dem Reichspräsidenten steht die Exekutive zu. Das Amt des Reichspräsidenten dauert sieben Jahre. Seine Wiederwahl ist zulässig, Die ReichSregitrurrg besteht aus dem Reichskanzler und einer Anzahl vor: Reichsministrr«, die vom Reichspräsidenten ernannt werden und dem Reichstag gegenüber verantwortlich sind. - Berli« ivr WnhLKSMpf. Brrli«, IS. Januar. Seit heute früh steht Berlin vollkommen im Zeichen'brr am morgigen Tage'erfolgenden Wahlen in die Nationalversammlung. Das Liraßrnbild wird seit hcnie morgens gänzlich von der Wah lprop aganda beherrscht. Alle Parteien haben einen ries i gen Ag i t«Livnsa p parat'in Vewsgung gesetzt und Milivnen von Flugzetteln .werden an die...Passanten .verteilt, ist .die Wägen der Straßenbahn sowie dir Oirmibüsse geworfen, ganze Züge von Plakättrügern durchziehen^ Mit' bstütbematten' Aerbeplakateu >,die Straßeü «nd die 'Häusersind iüber und-über mit Aufrufen und^^ öergleicheü bedeckt. Die Blätter befassen sich mit den 'morgigen Wahlen,' heben deren besondere WichtigSeit für dir Zukunft Deutschlands hervor «nd treten je nach' Parteirichtnng für ihre Kandidaten ein. Für heute -rmchmittags und abends find-von allen Parteien in den verschiedenen Stadtteilen, große ZLähler-versammku-ngex einberufen, in dänenführerrde Persönlichkeiten der Frak-/ tiouen das Wort ergreifen werden. # Hdsmd«ftrsLLsnerr in Bripzig. LeLpZrK, 17.. Jänner. Als Demonstration gegen die Borgänge, die zum Morde an Liebknecht und Rosa Luxemburg geführt haben, traten herüe vvrmittags die Arbeiter'Zahlreicher Fabriken i n b t 5üi 511 a n b. Der Straßenbahnbetrieb war infolge LohnstremgLeiten vollkommen eingestellt. Es . bildeten sich DemonsLrationsmuZüge, die durch die Stadt zogen. Sämtliche bürgerlichen Zeitungen wurden am Erscheinen verhindert und Flugblätter der demokratischen und der deutschnatiynalen Volkspartei auf öffentlichen Plätzen verbrannt. Die Menge war sehr erregt. Der SLreiL irr O-erschLeften. KsttorVr^,/ 18, Januar. Heute sind 15 weitere Gruben ausständig geworden. Zu terroristischen Ausschreitrmgen' ist es bisher nicht gekomnren. Die Zahl oet 'AusstäMgen dürste sich auf etwa 25,000 beziffern. . Auch in.der heutigen Verhandlung zwischen den Aröeitgebem Und Arbeitnehmern der oberschlesischen Gruben sowie des Derghüttenmännischen Vereins und Minister Hirsch über die von den Arbeitern. geforderte EnLschuldungsPrlage von 800 Mark wurde dieses Verlangen, da er in keiner Weise begründet sei, «&- gelehnt. ’ > > ' Pole». Die. MßlünÄer bt Lem-srK. Lemberg, 17. Januar. (Meldung der polnischen T^egraphenagentur.) Hier ist eine rn g l i s ch e Mission mit dem Obersten Wade «n der Spitze eingettoffen. Die Stadt ist festlich beflaggt. Um 1 Uhr mittags begannen die Ukrainer die Stadt mit Granaten zu belegen. Zu dieser Zeit waren die Mitglieder der englischen Mission auf b'er Straße. •/ Rekv«Lierrms irr PsLe». Wsrschs«, 17. Januar. (Meldmrg der poln. Tel.-Ag.) Das Amtsblatt veröffentlicht ein Dekret über eine teilweise Rekrutierung. Er wird eine obligatorische, teilweise reguläre Rekrutierung des I shrganges 1396.angeordnet. Die Dienstzeit wurde nnt einem Jahre bemessen. Die Festsetzung der normalen DieustzeiL wurde dem gesetzgebenden Landtag Vorbehalten. PSlmsche RezieruuKV-rsArLM«. Wsrfchvu, 17. Januar. (Meldung der PslniMu T-rlegraphenage::strr.) -!H«uL-e 'ist das Programm der neuen Regierung veröffentlicht worben. Als ihre erste Aufgabe Le zeichnet sie dis, Durchführung der Wahlen zum gesetzgebenden Landtag, der am 9. Februar zur ersten Sitzung zusamnieutreten solk. Ferner tverden unter de» wichtigsten Arbeiten der neuen Regierung aufgezählt: Verteidigung der bedrohten Landesgvenzrn, sofortig« Abhilfe für die «vtleidende» Volksmvffen, insbesondere für die Arbeiter, Wiederauftüu der Arbeitswerkstätten, Einführung einer rationelle» Finanzpolitik durch Aufnahme äußerer »« innerer Anleihe» und durch' de» Aufbau eines gerechten Steuersystems. Zwecks Realisierung aller dieser Pläne sei es unbedingt notwendig, daß das Verhältnis Polens zu den siegreiche» Äntendestaatie« geregelt werbe, «nd zwar im Wege einer feierliche« GrNArung,. daß dis pslnifchs Republik ei» DundeT Arno sie der Entente fei, (Dieses NegieMnMrogrsMM ist ««WM. Mrr ^bei vollster. Ruhe MT(\ «W»«gg?aK._. im Innern durchführbar. Es setzt also Arrabe in der! Judenfrage die vollste Objektivität der Regierung? voraus. Aum. d. Nad.) ' Die zrvnWsHe« Wefteit« a«S 3UmHtt noch Kmkmtz «KrfShvt. . j. Krake«. Die LemberFrr zionistischen Führer- Dr. Reich, Dr. Ringel, Dr. Hausmann und Redakteur Tenenblatt, welche vor etwa vier Woche« \ von de» Polen verhaftet und als Geisel» „$ac Siche-', rung der Äufrechterhaltmig der Ruhe und Ordnung? seitens ihrer Organisationen" iu Dsransw' interniert? wordeü find, wurden »ach Krakütt überführt, wo sie! unter strenger Polizeiaufsicht -»halten werde«. Der widerrechtliche Ue^rgrisf, be» sich di« Pslen durch die gänzlich ungerechtfertigte Berhastung dieser Geiseln erlaubt haben, hat in der gesamten jüdischen! Oeffentlichkeit und darüber hinaus in der zivilisierten- Wrhk heftige Empörung hervvrgerufen. Die Pole»/ . wsllte« durch diefs Verhaftung, zu der gar kein Anlaß , - vorlag, den Anschein Hervorrufe», als ob von jüdischer Seite feindselige Akte gegen die Polen erfolgt wären., die für die Zukunft v^rhmdert tverden sollten. Aus. diese, plumpe Manier sollte der Lemberger Pogrom nachträglich gerechtfertigt werden. I» Wirklichkeit stellt die Berhastung ein grobes Unrecht mrd erne ge-' sührliche Bedrohung dar, gegen die das Judrntrrrn. stnd^:iusbefonder>r die zionistische Weliorganisatlvn energischen Protest i eingelegt hat. Die oben gemewete Maßregel 'bedeutet wohl eine Besserung des Loses bür - , Aseylgenyk,.' es muß jedoch von zuständiger Stelle i gefordert werden, duß , dem ganzen grausamen Spiels . sofort ein Tube gemacht und die Perüafteieu in Freiheit 'gesetzt werden. / / ' Frankreich. DtNrmszenen in dev Pariser Kelm-ner'. WMZ. Genf, 18. Janusr. Die frünZönsche Kümnrer hatte gestern eine außerordentlich stürmische Sitz'ung, 'über welche von der Agenre Havas nur ein kurzer Bericht ausgegeben wurde. Auf die' st,^.'.lliftischr Interpellation bezüglich der Fr(edensv, . ^Handlungen gab Clsmeneeau dir Erklarmlg? ab, er könne eine Debatte niä)t 'zu-affen.' Die Regierung Könne über dir Arbeiten der Friedens-! koirferenz erst 'später Aufklärung geben. Es dürfe nicht' fein, daß eine Negierung gegen dir ändere gehetzt werde. Es sei notwendig, daß der neue'Geist der Versöhnung auch in Frankreich einziehe. (Großer Lärrn.) Dep. Dalbiez: Jene, welche Eaillaux in/' de« Kerker geschleppt haben, haben nicht das Recht,-! fs zu sprechen, (Großer Lär« rechts, Beifall links.) Dep. D o n b e n s zur Rechten: Niederträchtige Kriegsgzwinner! l Dep. Renaudel (Soz.) wendet sich sehr scharf gegen Wmenceau und verlangt, daß das Parlament über die Vorgänge bei den Friedensverhändlungen' informiert werde. Wir protestieren gegen die Politik des Schreibens. Ich verstehe das ironische Lächeln des Ministerpräsidenten nicht. Gerade er war es, der seinen Vorgänger »egen einer ähnlichen Angelegenheit aus das/schärfste angegriffen hat. Der Friede kann »ohl ges6)loffen «erden inmittm des Schweigens der Regienmgen, aber nicht inmitten des Schweigens, der Völker. (Großer Beifall links). Hüten Sie sich! (Lärm rechts, Protest in der Mitte.) Wir wollen alles wissen, da wir fühlen, daß es große Schlvierigkeiten gibt! , Die japanische Regierung für den ItoniSMns. H«rg. Wie dem Nvrr.-Bureau telegraphisch berich^Ll wird, vrröfsentlichtr der japauische Gtsänbtt i« London namens seiner Regierung -folgende Erklärung: „Die japanische Nrg«rü»g ninnut mit Befriedigung Kenntnis vonfern Bestrebungen des jüdischen Volkes «uf Erlangung eines nationalen Heimes in Palästina und sieht der VerwirKichung dieser Würische entsprechend de» projektierte« Borschlägen mit wohlwoNentzem Interesse entgegen." Eine gleiche Erklärung ließ die japanische Regierung der zionistifche-.r Organisation in Shanghai zugrhe». ' ch ‘ ' ' Mit dieser Erklärung ist unS' auch die letzte Sröstmacht der prozivnistischen Erklärungen der Entente bei» getiten. Bekanntlich hat als erste. Macht Großbritannien in einem offiziellen Schreiben des Außenministers. M. Balfsur an die Leitung der zi»nistifchen Organisation in LTngland vom 2 .November 1917 erklärt,^ daß die englische Regierung alles tun werde, ivaS iü ihren Kräften steht, um die Schaffung einer NÄtionale« Heimstätte für d«S jüdische Volk in Palästina zu bervirstrn. Dieser Erklärung von historischer Bedeutung! sind dann ähnlich lautende, wenn auch nicht nt gleich ftirrlicher Weise erfolgte Erklärungen seitens des fran-' zäsischen Außenministers Pich»», des italienische» Rini-' sterS Gonnin» gefolgt. Präsident Wils»« hat in eimnh Handschreiben an den amerikanischen Kionistenführer. Stephan Wise sein volles Einverständnis mit der ertglischen Deklaration ausgesprochen und die weit-! gehende UeSereinstimmung zwischen England und« Kmerika auch dadurch angedeutet, daß er die Avrt^ aus der Deklaration Bvlfom» wörtlich hevübsrgenom*' «e» hat. Dds-Liche« hasten auch mehrere kLinere. NchchLZ, KUK MMl Me.rWU« K.chAe.'chych. n.s w.j! je

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