Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1908)
- Date
- 1908-07-01
- Page
- Seite 166 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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166 einmal nach hem anderen bei der Berufung übergangen; ganz junge unbekannte Herren wurden ihm vorgezogen, die vielleicht noch die Schulbank drückten, als Adler bereits ein anerkannt hervorragender wissenschaftlicher Vertreter seines Faches war. Adler war ein Schüler von Professor Lexis, der in Freiburg i. Br. den Lehrstuhl der Nationalökonomie innehatte; dort habilitierte sich Adler im Jahre 1886 mit einer Schrift über die nationalökonomischett Lehren des Karl Marx, in der er eine Widerlegung der marxistischen Lehre zu geben suchte. Man schätzte vor 20 Jahren solche kritische Leistungen in akademischen und in Regierungskreisen viel höher ein als die Erweiterung unsere^ positiven Erkenntnis. Den Anregungen von Lexis folgend schrieb ^ddänn im Jahre 1888 Georg Adler über internationalen Arbeiterschutz eine Schrift, in welcher er gegenüber den reiueu Nationalisten des Arbeiterschutzes in richtiger Voraussicht die Chancen des internationalen'Arbeiterschutzes verteidigte. In Basel hat Adler als Lehrer an den handelswissenschaftlichen Kursen Erfolg gehabt, während seine Vorträge über Sozialismus oder über den Zukunftsstaat nicht mehr jenes Interesse fanden, das seinem Vorgänger Alphons Thrm zuteil geworden war. Erst im Jahre 1900 gelang es ihm, in Kiel als außerordentlicher. Professor wieder Fuß zu fassen. Der jetzt viel genannte Professor Bernhard — ebenfalls Nationalökonom und ebenfalls Dozent in Kiel vwar, obwohl viel jünger an Jahren und weit weniger bekannt als Adler, bereits ordentlicher Professor, während Adler noch immer Extraordinarius war. In den in Kiel erschienenen Schriften trat er für Mittelstandspolitik und Pensionsversicherung der Gewerbetreibenden ein, ohne dadurch etwa mehr Anerkennung zu finden, als durch seine frühere kritische Tätigkeit. Neue Männer, unbeschriebenere Blätter fanden mehr Gnade bei jenen, die üher das Borwärtskommen eines'Akademikers zu entscheiden haben. „Ein'Herz läßt sich nicht kränken, das rechter Meinung ist," sagt Ulrich von Hutten. Georg Adler aber, ein streitbares und reizbares Temperament, scheint im Bewußtsein erlittener Kränkung dahingeschieden zu sein. Berlin. Der 26. Bericht der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums enthält den Jahresbericht des Kuratoriums, ferner eine Darstellung der Einweihungsfeierlichkeiten bei der Eröffnung des neuen Heims, endlich die Trauerrede, die Rabbiner Dr. Warschauer auf den Kurator der Anstalt, Professor Dr. Öppert, am 19. März d. I. gehalten hat. Aus dem Jahresbericht ist der erfreuliche Eindruck zu konstatieren, daß die Anstalt sich in fortschreitender, gedeihlicher Entwicklung befindet. Zwei neue Stiftungen wurden von Herrn Sanitätsrat Neumänn und Professor Dr. Maybaum für die Wissenschaft des Judentums gemacht. Die Zahl der Hörer betrug im Wintersemester 38, darunter waren nur acht Ausländer. Mit dem Sommersemester ist ein neuer Dozent, Dr. Max_Schlössiger, für jüdische Geschichte und Literaturgeschichte in das Lehrerkollegium eingetreten und ein zweiter Bibliothekar, Dr. M. Friedländer, angestellt worden. , Berlin. Bon Schalom Asch, dem Verfaffer des Dramas „Der Gott dex Rache", ist bei S. Fischer, Verlag hier, eine neue Tragödie unter dem Titel „Sabbatai Zewi" erschienen.!