Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1908)
- Date
- 1908-07-01
- Page
- Seite 165 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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165 seiner Braut Judith abzulassen. Der folgende Akt .stellt die schauerlichen Progromszenen dar, in denen die Juden ausgeplttndert, beraubt und gemordet werden. Samuel eilt mit seinen Truppen den bedrängten Juden zu Hilfe, wird von Hooligans schwer verwundet und stellt schließlich die Ordnung wieder her. Im letzten Akt erfolgt dann Reue Samuels und seine Versöhnung mit der Familie, deren Glauben er wieder annimmt. Schließlich wandert dann die ganze Familie nach Amerika aus. Oldenburg. Ueber die Juden in Deutschland hielt Herr Dr.Klee aus Berlin hier einen Vortrag. Zuerst sprach der Redner von den politischen Aufgaben der Juden in der Gegenwart und wies darauf hin, daß die Juden die Verpflichtung haben, sich so zu benehmen, daß man weiß, das sind Menschen, Männer und Frauen, aus dem ältesten Adel der. Welt, die keine Veranlassung haben, vor irgend einem die Augen niederzuschlagen. Die Gleichberechtigung und Achtung wird mehr und mehr kommen, wenn unser Leben mehr im vollen Licht der Oeffentlichkeit verläuft. Redner streifte ferner die jüdische Missionstätigkeil. Es gäbe versprengte Reste des jüdischen Volkes, die sich mit der Bitte an die Glaubensgenossen gewandt hätten: „Gebt uns unser Judentum!" So lebe z. B. im Hochland Abessynien, seit tausend Jahren von der jüdischen Gemeinschaft getrennt, ein dunkelgebräunter Bergstamm, der sein Judentum bewahrt habe. Es sei eine eminente Gegenwartsaufgabe, die „Falaschas", die von Mohammedanern und koptischen Christen gedrängt wurden, wieder mit dem alten Israel zu verbinden. Ferner gebe es noch in China, in Afghanistan, in Deinen versprengte Reste israelitischer Bevölkerung. Auch da sei Missionsarbeit zu leisten. L u b l i n i tz. Am Eingang des Dorfes Czieschowa erhebt sich ein großes, hohes Gebäude aus Holz, welches älter als die Dorfkirche ist. Es war dies ftüher die einzige Synagoge für die in den Kreisen Tarnowitz, Lublinitz und Rosenberg zerstreut lebenden Juden. Der bisherige Kultusbeamte der Synagoge war wiederum der einzige Jude im Dorfe und führte mit seiner Frau im Rabbinerhause ein wahres Eremitenleben. Vor zwei Jahren wurde die Synagoge aus Mangel an Gemeindemitgliedern geschlossen und kürzlich mit Genehmigung der königlichen Regierung zu Oppeln in einem Bersteigerungstermine öffentlich verkauft. Der Zuschlag bei einem Gebot von nur 1250 Mk. wurde dem Pfarrer Urban in Sodow, zu dessen Parochie Czieschowa gehört, unter Vorbehalt der Genehmigung der Regierung erteilt. Pfarrer Urban hat die Synagoge mit dem Rabbinerhause nicht zu Geschäftszwecken erworben, sondern um beide Gebäude möglichst lange als Baudenkmäler zu erhalten. Durch einen Hügel vom Dorfe getrennt, liegt der zur Synagoge gehörige große Friedhof, der eine Menge alter Grabdenkmäler mit hebräischen Inschriften enthält. Kiel. Das plötzliche Ableben des Nationalökonomen Georg Adler wird in akademischen Kreisen mit einer tiefen seelischen Depression des hervorragenden Gelehrten wegen konstan^ Zurücksetzung, bei der das konfessionelle Moment die Hauptrolle gespielt haben soll, in Verbindung gebracht. Adler, der Sohn eines Rabbiners, wurde