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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-07-01 · Heft 7 (1.7.1908) · p. Seite 158

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 7 (1.7.1908)
Date
1908-07-01
Page
Seite 158 (sequence 16)
Language
German
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158 ist, an de» Beweis werden die schärfsten Anforderungen gestellt, das Kollegium hatte aus vielen Richtern zu bestehen, das Urteil durfte erst einen Tag nach Schluß der Verhandlungen gesprochen werden. Die merkwürdigste Bestimmung, die aber einen feinen, psychologischen Zug enthält, war die, daß ein Todesurteil nur dann gefällt werden dürfe, wenn mindestens eine Stimme dagegen sei, da nach jüdischer, die Suggestionskraft in Erwägung ziehender Auffassung die völlige Übereinstimmung keine Gewähr dafür biete, daß alles richtig erwogen worden sei. Bon diesen gesetzlichen Bestimmungen wurde nur abgegangen, falls es sich um einen falschen Propheten handelte, wie man dann auch manchmal den richtigen Prozeßgang nicht einhielt. Über den biblischeil» im Rechtsleben fast aller alten Völker anzntreffenden Satz: „Aug um Aug, Zahn um Zahn", setzte nian sich ^vielfach mit der Meinung hinweg, daß Auge und Arm des einen nicht dieselbe Bedeutung wie bei einem andern habe und ließ in humaner Weise Geld als Äquivalent treten. Alles in allem stellt das jüdische Recht ein humanes, sozial angehauchtes Kullurrecht dar, das viele großartige Ideen vorausgcdacht habe, die bei uns erst die Neuzeit! gereift hat. ©r. £dnard Glalrr. München Dr, Eduard Glaser, der Arabienreisende, der seit mehreren Jahren behufs wissenschaftlicher Arbeiten hier seinen Wohnsitz hatte, starb am 3. Mai. Eduard Glaser wurde am 15. März 1855 in Deutsch-Rust in Böhmen geboren. Nach Absolvierung seiner Studien wurde er im Jahre 1878 an der Wiener Sternwarte angestellt. In den Achtziger und Neunziger Jahren hat er wiederholt Arabien bereist, wo er archäologische und topographische Forschungen betrieb. Er richtete sein Augenmerk vörnehmlich auf das Zentralgebiet des alten Sabäerreiches, besonders auf die Hauptstadt Marib, in der er an 400 Inschriften entdeckte. Er hat von diesen Reisen etwa 1800 wichtige südaräbische Inschriften und Altertünier heimgebracht, darunter die weitaus größte aller bisher bekannten semitischen Buchstabeninschriften, nämlich die von Serivah. Die geographischen, topographischen und historischen Erlebnisse seiner Reise hat er in zahlreichen Werken geschildert. Herr Profeffor Dr. Hommel sprach folgende Worte an seinem Grabe: „Was Eduard Glaser seinen Freunden war, das wiffen die am besten, denen er näher stand und die heute trauernd um sein offenes Grab hier versammelt sind; ich. bin zu bewegt, um das hier im einzelnen auszuführen und faste es zusammen in die Worte, die unser großer Dichter und Orientalist Fried- ,

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