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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-07-01 · Heft 7 (1.7.1908) · p. Seite 159

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 7 (1.7.1908)
Date
1908-07-01
Page
Seite 159 (sequence 17)
Language
German
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159 t rich Rückert vor 63 Jahren auf den Tod seines Verlegers gedichtet und den Totenliedern der Hamasa beigegeben hat. Diese Worte kanten mit leiser Aenderung der zwei letzten Zeilen: „Berbleichte Gräberschrift zu lesen müht' ich mich, Als mir die Kunde kam: ein lieber Freund erblich. Noch lebt in meiner Brust dein liebevoller Blick, Doch dich hat hingerafft frühzeitiges Geschick. Trost sei den Deinigen; Dir Friede sonder Schmerzen, Du lebst im Lichte dort und hier in unseren Herzen." Oder, wie es eine südarabische Inschrift poetisch ausdrückt, „den Morgenglanz seines Auges und die Sprache seines Herzens" — sabchat aini-su wa sikir libbi-su — das heißt: sein forjlebendes Andenken befahl er nebst den Seinen der Gottheit. Was aber meine Pflicht ist, an diesem Grabe etwas näher auszuführen, find des Verstorbenen große und unbestrittene Verdienste um die Wiffenschaft. Auch hier sollen arabische! Laute, die Verse eines Beduinendichters, der vom gleichen Rückert so meisterhaft verdeutschien Hamqsa, uns die Stimmung angeben: „Der den Tod. des Freundes euch j ansagt, läßt die Stimm' erschallen laut, indem er ausruft: „Euer Ritter ist gefallen.".! Ja, werte Fachgenoffen, kari8u-kum hawa, Euer Ritter ist gefallen! Der uns voranzog,! indem er hochhielt das Banner der Wiffenschaft, als ein Fürst und Held im Reiche des! Geistes. Seit den letzten fünfzehn Jahren war er der Mittelpunkt der Münchener Semitisten, sowohl der Lehrer als der Schüler, die beide von ihm die reichsten ftn* regungen empfingen; in der Münchener Gelehrtengeschichte würde ein wichttges Blatt, ohne seinen Namen fehlen. Aber über München hinaus ging über die ganze Gelehrten* Welt hin sein Einfluß. Wie er unser Mittelpunkt war, so war, das darf ohne Übertreibung gesagt werden, München durch ihn und seine von ihm begeisterten Fachgenoffen der Mittelpunkt der südarabischen Wiffenschaft in den letzten anderthalb Jahrzehnten! für ganz Deutschland. Glaser war nicht bloß der Sammler von weit über 1000 neuen Inschriften, die er auf vier gefahrvollen Expeditionen teils im Original, teils in getreuen Abklatschen und Kopien, herausgebracht, er war auch ihr genialer Erklärer. Die Bedeutung dieser alten Texte reicht, wie er zum erstenmal nachgewiesen, weit über das engere Gebiet Südarabiens hinaus. Glaser verknüpfte durch seine minäischen Studien die arabische Jnschriftensammlung mit Mose, dem Stifter der mosaischen Religion, dem Hirten aus dem Land Midian, dem späteren Gesetzgeber. Und das gab wieder für andere Forscher den Anlaß zur Verknüpfung dieser Studien mit Hammurabi, der dem Blut und der Abstammung nach sich als Araber erwies. Kein Zweig der weiten semitistischen Studien ist heute ohnt Berücksichtigung der Sabäistik nicht zu betreiben, und: daß das so ist, ist wieder in erstes Linie das Werk Eduard Glasers. Pas Leben dieses! kühnen und darum auch viel angefeindeten Streiters, das den äußeren Erfolgen nach zunächst wie eine Niederlage anmutet, ist in Wirklichkeit ein Sieg.! Was kann man einem Gelehrten Rühmenderes Nachrufen, als daß er der Wiffenschaft neue Bahnen ge-

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