Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1908)
- Date
- 1908-07-01
- Page
- Seite 155 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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155 — betonte der Redner, daß die religiös-liberalen Juden sich in der Treue und Hingebung an ihren angestammten Glauben mit den sogenannten Gesetzestreuen wohl messen können und daß ihnen die innere Wahrheit und das Sittengesetz, welches der jüdischen Lehre innewohnt, mindestens ebenso heilig ist, als der streng gläubigen Richtung. Auch wir wollen nicht niederreißen, so versicherte der Redner, sondern fort entwickeln und dadurch alle diejenigen wieder gewinnen, die bisher teilnamlos beiseite gestanden. Diese positive Arbeit stehe noch höher als der uns aufgezwungene Kampf gegen die Orthodoxie. Er forderte die Anwesenden auf, die Bewegung, die dem Judentum. wieder einen frischen, belebenden Hauch verleihen wird, nach Kräften zu unterstützen, insbesondere mögen die reifere Jugend und die Frauen durch tatkräftige Mitarbeit ihre Anhänglichkeit an das Judentum beweisen. Diese, mit großer Wärme vorgetragenen, hllen Anwesenden aus den Herzen gesprochenen Worte fanden großen Beifall nnd der! Redner wurde von allen Seiten für seine vortrefflichen Ausführungen beglückwünscht. An der anschließenden Debatte beteiligten sich die Herren Kaufmann Josef Aufsefler, Justizrat Dr. Held, Rabbiner Dr. Freudenthal, Kaufmann Philipp Rosenbaum, Rechtsanwalt Dr. Erlanger. Herr Josef Aufsefler forderte in schlichten, zu Herzen gehenden Worten die Anwesenden auf, als Dank für die aufopfernde Tätigkeit der die Bewegung leitenden Herren dem Vereine beizutreten. In ausführlicher Weise beleuchtete Herr Jjustizrat Dr. Held die in Nürnberg und München getroffenen Vereinbarungen der Haüptgemeinde mit den Orthodoxen, wodurch ein friedliches Einvernehmen hergestellt tyerden sollte. Er bedauerte jedoch, daß dieser Friede nur ein scheinbarer sei. wenn die Orthodoxen ihrer Zusage zuwider, immer wieder mit neuen und unerfüllbaren Forderungen an die Gemeinden herantreten und dadurch das Einvernehmen zu stören süchen. Herr Rabbiner zunächst, daß er in Verdächtigungen aus- Dr. Freudenthal, mit lebhaftem Händeklatschen begrüßt, betonte letzterer Zeit den lebhaftesten und unbegründetsten Angriffen und gesetzt sei, daß es aber für einen Rabbiner sich nicht schicke, aitf solche Anfeindungen anders zu antworten als durch seine amtliche Tätigkeit, die am deutlichsten beweise, daß er zu dem, was man ihm andichte, unfähig sei. Sein Bestreben werde nach wie vor sein die Jugend zum treuen Festhalten an den Grundlehren des Judentums zu erziehen, eine solche Erziehung sei aber nur möglich durch eine religiöse Auffassung, die sich nicht hinter blindes Ablehnen wiffenschaftlicher uud^kultureller Fortschritte verschanze, sondern einen Ausgleich zwischen Vergangenheit und Leben gestatte. Herr Ph. Rosenbaum, einer der ältesten Mitglieder der Gemeinde, wie er sich ausdrückte, schop infolge seines hohen Alters auf konservativem aber nicht orthodoxem Boden stehend, begrüßte die ins Leben gerufene Bewegung. Herr Rechtsanwalt Pr. Erlanger fand es unbegreiflich und unverständlich, daß die Orthodoxen die gegenwärtige Politische Cvnstellation, wie sie in Bayern zur Zeit besteht, sich zu Nutze machen und bei Faktoreh Hilfe suchen, die mit dein Judentum nicht das Geringste gemein haben. Lebhafter Betfall wurde allen Rednern zu TeU. Zum Schluffe ergriff noch einmal Herr Schuldirektor Gombrich das