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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-07-01 · Heft 7 (1.7.1908) · p. Seite 153

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 7 (1.7.1908)
Date
1908-07-01
Page
Seite 153 (sequence 11)
Language
German
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153 für den jüdischen Denker beibehalten wurde. Vincenz von Beauvais^ einer der ersten aus dem Orden der Dominikaner hervorgegangenen Theologen eiwähnt in seinem „speculum majus" einer im größten Stile angelegten Encyclopaedie ^ller Wissenschaften Rabbi Moyses und hat aus dem „Führer" manches ausgezogen. Akft seine Vorgänger und alle seine Nachfolger iibertrifft an Kenntnis des jüdischen Schrifttums Albertus Magnus (1193—1280), der gefeiertste Vertreter des Dominikanerordens. Er,.der das im Jahre 1248 erneuerte Verdammungsmittel überden Talmud mit unterzeichnet hat, kennt denselben nur von dem Führer des Maimonides, den er oft benutzt hat. So ist bei den Dominikanern der Einfluß des Maimonides ein großer, während die Franziskaner sich mehr an Gabirol (Avicebron) anschließen, desien Lehren von den! Dominikanern fast durchweg abgelehnt werden. Besonders hat die Schöpfungslehre.des! Maimonides, als eine der hervorragendsten Leistungen auf dem Gebiete der jüdischen Religionsphitosophie die Aufmerksamkeit der christlichen Theologen auf sich gelenkt und mißte besonders den auf dem Boden des kirchlichen Dogmas stehenden Theologen die! Lehre, welche 'mit philosophischen Gründen die Ewigkeit der Welt widerlegte und die zeitliche Schöpfung begründete, besonders willkommen sein. In noch viel größerem Maße macht sich der Einfluß des Maimonides auf Thomas von Aquino, den hervorragendsten Theologen des Dominikanerordens bemerkbar. Als der Schöpfer eines einheitliche r und geschloffenen Lehrgebäudes der christlichen Theologie hat Thomas von Aquino die dem jüdischen Denker entlehnten Lehren nicht nur äußerlich ausgenommen, sondern auch innerlich verarbeitet und sie seinem System als wesentlichen Bestandteil eingefiig^. Noch ablehnender wie Albertus Magnus verhält sich Thomas von Aquino zu der Engellehre des Maimonides. Auch die Ansicht des Maimonides, daß viele prophetische Visionen, besonders diejenigen, in denen die Engel den Menschen in körperliches Gestalt erscheinen, als innere Vorgänge oder als Gebilde der Phantasie zu erklären seie^ verwirft Thomas von Aquino als mit dem Wortlaut der Schrift unvereinbar. Dagegen läßt er seiner Auffassung von der Prophetie Würdigung widerfahren. Johannes Duns Scotus (1266—1308), einer der hervorragendsten Lehrer des Franziskanerordens,* obwohl er die Lehren der Theologen mit denen der Philosophie in Einklang zu bringen nicht ganz anerkennt, weil dadurch beide Wiffenszweige leiden, folgt doch in seiner Abhandlung über Klauben und Wissen im Wesentlichen den Ausführungen Saadias, die auf Maimonides zurückzuführen sind. Als ein enthusiastischer Verehrer der Kabbala mochte Johann Pico von Mirandola (1463—1544) auch Maimonides zu einem Anhänger der jüdischen Geheimlehre stempeln. Einer Benutzung des maimonidischen „Führers" begegnen wir bei dem Spanier Michael Servet, der wegen Bekämpfung der Trinitätslehre 1533 in Genf dem Scheiterhaufen überliefert wurde. Er beruft sich auf Maimo^ nides um seine pantheistische gefärbte Lehre zu stützen, daß Gott iy allen Dingen und alle Dinge in Gott seien. Eine große Wertschätzung für Maimoriides bekundete der berühmte Staatsrechtslehrer Jean Bodin (1530-1596). Auch der berühmte vielseitige

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