Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1908)
- Date
- 1908-07-01
- Page
- Seite 152 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 152 — mann, bejit folgend hier Einiges hervorgehoben werden soll. Wer mit der Geschichte des Judentums ttttr einigermaßen vertraut ist, weiß, welch weittragende Bedeutung der „Führer" des Maimonides - für das' Geistesleben innerhalb der GLaubensgemeinde des Judentunis gewönnen hat. Von den Einen auf da^ Höchste bewundert, von den Anderen aufs Schsirfste bekämpft, ist er gewissermaßen das Ferment geworden, das den Forschungstrieb stets auf's Neue geweckt und die Denkarbeit der hervorragendsten Geister in Bewegung gesetzt hat. Und wie der „Führer" des Maimonides auch in die dumpfen, von allen geistigen Strömungen der Außenwelt abgeschlossenen Judengassen des späteren Mittelalters feine Lichtstrahlen hineingeworfen und in ihnen den Sinn für wissenschaftliche ErMchtnis niemals ganz hat erlöschen lassen, so ist er für Alle nach innerer Befreiung und nach einer selbständigen Weltauffassung ringende Geister der große Erwecker gewesen, an dem sich der philosophische Trieb in ihnen entzündet hat; er war es, der Männer wie Spinoza, Mendelssohn und Salomon Maimon die erste Anregung zu ihrem wisienschqftlichen Denken gegeben und damit auf die ganze Entwicklung, wenn diese auch später eine andere Richtung einschlug, einen bestimmenden Einfluß ausgeübt hat. In einem Werke über Christliche Theologie dem „Theriak der Geister", des koptischen Geistlichen Raschid Abul Kheir finden sich Zitate aus dem „Führer", die dessen Verbreitung in arabisch sprechenden nichtjüdischen Kreisen bekunden. Josef Caspi, bejr enthusiastische Bewunderer und verdienstvolle Erklärer des Führers, berichtet, daß in Fez und auch anderswo eigene Schulen errichtet wurden, in denen wohamedanische Jünglings unter Leitung jüdischer Gelehrter ln das Studium dieses Maimonidischen Werkes eipgeführt wurden. Eine große Bedeutung hat der Führer des Maimonides für die christliche Theologie des Mittelalters gewonnen. Schon die ersten der neueren Entwicktuugsperiode, der Scholastik angehörenden Lehrsysteme^Ddes Wilhelm von Auvergne" und des Alexander von Hales, standen mehr oder minderVuf dem Boden der arabisch-aristotelischen Philosophie. Die Lehrer der Franziskaner,Xwie die des Dominikanerordens Johannes Duns Scotus und Roger Bacon, wie Albertus Magnus und Themas von Aquino stehen im Wesentlichen auf dem Boden der arabisch-aristo-r telischen iPhilosophie und bauen auf deren Grundlage ihre eigenen Lehrsysteme auf. Wilhelm von Auvergne, Bischof von Paris, war es, der die beiden jüdischen Philosophen Salomo ibn Gabirol (Avicebron) und Moses Maimonides in den Kreis der christlichen Theologie eingeführt hat, unter welchem ersteren er einen unter arabischer Herrschaft lebenden Christen vermutet hat, während er letzteren, weil er ihn als Juden kannte, wohl benutzte, aber nicht erwähnte. So tritt er der Ansicht des Maimonides, daß der ganze Opfercult nur als eine Konzession gegenüber den heidnischen Anschauungen des Altertums zu betrachten sei/entgegen, während er der Begründung, welche'Maimonides von diesem Gesichtspunkte ausgehend vielen auf das Opferwesen bezüglichen Einzelbestimmungen gibt, zustimmt. Alexander von Hales (gest. 1745) erwähnt Maimonides unter dem Namen Rabbi Moyses, der seitdem von den Lehrern der christlichen Theologie