Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 7 (1.7.1908)
- Date
- 1908-07-01
- Page
- Seite 151 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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151 Juden in Babylon gedeutet worden, sich in allen Stücken, bis aus ihren Glauben, als Babylonier zu betrachten, und an diese Weisung haben sich die Juden in der Diaspora immer gehalten. Die in Spanien nannten sich Spanier (Sefaradim), die in Frankreich Fronzosen (Zarfatim), die in Deutschland Deutsche (Aschkenasim). Aber nationale Juden sich zu nennen, fiel ihnen nicht im Traume ein. Warum sollte es heute anders sein? Warum sollten sich die deutschen Juden nicht wie bisher als Deutsche, die französischen Juden nicht als Franzosen u. s. w. betrachten? Weil die Anderen sie nicht so betrachten? Wenn wir die Anderen gefragt hätten, wären .wir längst keine Juden mehr. Jeder Mann muß wiffen, was seine Pflicht und was sein Recht ift. Wird ihm das letztere verwehrt, so muß er es erkämpfen, erstreiten. Das gilt auch für die Juden. Das Judentum, das so vieles überstanden und überdauert hat, ist in sich selbst stark genug, auch die Unbilden der Gegenwart zu überwinden, und die armen Juden, denen die nationale Bewegung zu Hülfe kommen will, sind gerade die stärksten und dauerhaftesten, die dieser Hülfe, selbst wenn sie eine wäre, am allerwenigsten bedürften. Seien wir nur selbst keine Anderen? Lasten wir uns nicht das Kuckucksei der Nationalität in unser Rest legen, es wird nichts Gutes davon ausgebrütet. Wie sagt doch Grillparzer? „Bon Humanität — durch Nationalität — zur Bestialität." Diesen Entwicklungsgang können die Juden durch ihre Erfahrungen während der letzten Jahrzehnte am besten bestätigen, und sie sind davor gewarnt, ihn selber mitzumachen. Es gibt für sie nur eine Richtschnur, daß sie an ihrem Glauben festhalten und nicht um den zweifelhaften Preis, wieder eine Nation zu werden, auf das Verdienst verzichten, überall auf Erden Zeugnis abzulegen von der Wahrheit des Prophetenwortes, das noch seiner Erfüllung harrt, mit welcher das Judentum, die Menschheit und Zion zugleich zu ihrem Rechte kommen werden. „Es wird der Ewige König sein über die ganze Erde, an jenem Tage wird der Ewige einzig und sein Name einzig sein." (Sacharja 14, 9.) Liuiges über den Liullutz der Aahmidifcbeii Obilolopbie auf das cbriMkbe Abei|dla*d. In dem Werke. Moses Ben Maimon sein Leben, seine Werke und sein Einfluß, das von der Gesellschaft zur Förderung der Wistenschast des Judentums (Leipzig Buchhandlung Gustav Fock 1903) herausgegeben wurde, befindet sich auch ein Aufsatz über den Einfluß Maimonidischer Philosophie auf das christliche Abendland von Jakob Gutt-