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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-07-01 · Heft 7 (1.7.1908) · p. Seite 150

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 7 (1.7.1908)
Date
1908-07-01
Page
Seite 150 (sequence 8)
Language
German
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WMWWWWWW — 150 — finden, aber es ist durchaus verkehrt, und streitet wider den Geist des Judentums und seiner Geschichte, wenn i diese an sich , der höchsten Anerkennung würdige Kolonisationstätigkeit mit nationalen Bestrebungen verquickt und als die Ginlösung prophetischer Verheißung hingestellt wird. Nein, das ist sie nie undj nimmer. In eine nationale Neugründung kann die Laufbahn des Judentums, welches sich als den Siegelbewahrer der prophetischen, die ganze Menschheit'umfaffenden Verheißungen betrachten darf, nicht nusmünden — dies wäre die blanke Verwirklichung des Horazischen Spottbildes: „Desinit in piscem mulier formose superne." Um zu dieser von den nationalen Juden dem Judentum zugedachten Höhe aufzusteigen, müßte es zuvor tief heruntersteigen, um das nationale Schlagwort zu lernen, müßte es erst alles vergessen, seine Thora, seine Propheten, seine Psalmen, seine Geschichte, die ihm eine ganz andere Zukunft ausmalen, als seine natiolrale Rehabilitation ihm bieten könnte, eine Zukunft, welche zugleich die Zukunft der gesammten Menschheit ist. Denn der wahre Zionismus ist von der Zukunft der Menschheit nicht zu trennen. Man ^braucht, ich will nicht sagen die Propheten, sondern nur das Gebetbuch, zumal Stellen aus der Liturgie des Neujahrs-und Versöhnungstages nachzulesen, und man kann sich ohne Schwierigkeit die Frage beantworten, ob da unsere Zukunft nur als unsere Zukunft, als unsere nationale Restauration in Palästina mit allen Erfordernissen staatlicher Selbständigkeit, oder ob sie nicht im engsten Zusammenhänge mit der sittlichen Vollendung Aller, mit der Verbrüderung der ganzen Menschheit vorgestellt ist. So und nicht anders ist der Zionismus auch von den größten Geistern unserer Vergangenheit verstanden und gepflegt worden. Gewiß, der Eine oder Andere wurde von mächtiger Sehnsucht nach Palästina erfaßt, er küßte den heiligen Boden, den sein Fuß zum ersten Male betrat, dort wollten Viele ihre letzte Ruhestätte finden — und so ist auch heute noch die Verehrung für Ziott nicht aus den Herzen der Juden geschwunden und wird nicht daraus schwinden. Die Besiedlung des heiligen Landes wird immer für eine verdienstliche, fromme, durch die Geschichte gerechtfertigte Übung gelten, worin die Juden den anderen Bekenntnissen nicht nächstehen werden. Aber niemals ist von irgend einer berufenen Seite an die Gesamtheit der Juden der j Aufruf zu einem sozusagen unblutigen Kreuzzug, zur Wiedergewinnung ihrer nationalen Selbständigkeit ergangen. Dies wäre als ein Eingriff in die Führung Gottes erschienen,; in dessen weisem Plane auch die Diaspora ihre vvrbestimmte Stelle einnimmt. Zion j galt und gilt den Juden als das Symbol ihrer eigenen, aber auch der die ganze 'i Menschheit umfassenden/Zukunft. Der Prophet Jeremias schrieb den Exulanten in I Babylon: „Bauet Häuser und bewohnet sie und pflanzet Gärten und effet ihre Früchte.! Mehret euch dort, , und vermindert euch nicht. Und suchet das Wohl der Stadt, dahin 4 ich euch weggeführt habe, und betet um sie zu dem^ Ewigen, denn in ihrem Wohl wird euch wohl sein. /Denn so spricht der Ewige der Heerscharen, der Gott Israels: Daß euch nicht berücken eure Propheten, die in eurer Mitte sind und eure Wahrsager, daß ihr nicht höret äuf eure Träume, die ihr träumet". (Jerem. 29, 7 f). Damit war den Üi

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