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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-07-01 · Heft 7 (1.7.1908) · p. Seite 149

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 7 (1.7.1908)
Date
1908-07-01
Page
Seite 149 (sequence 7)
Language
German
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149 seine auf das Allgemeine gerichtete Bestimmung aus.den Augen verloren. Begünstigt wurde diese Anschauung insbesonder.e im Mittelalter dadurch, daß auch die Staaten ihrerseits durch vexatorische Behandlung und Einschließung im Ghetto die Juden zur Jsolirung zwangen. Was aber zuerst Zwang war, gestaltete sich nach und nach zu einer lieb gewordenen Gewohnheit. Mit Umkehrung eines bekannten Dichterwortes kann man sagen: Unsinn ward Vernunft, Plage Wohltat. Indessen hat die Jsoliruugsdoktrin, soweit die Juden selbst ihr huldigten, vor dem Richterstuhl der Geschichte sich nicht behaupten können, sie läuft nur als eine Neben- oder Unterströmung in der Geschichte der Juden einher. Die Hauptabschnitte der Diaspora werden durch die Namen Philo, Maimonides, Mendelssohn bezeichnet. Diese Männer aber waren nicht bloß hervorragende Bannerträger des Judentums, sondern sie glänzen auch in der Kulturgeschichte ihrer Zeitalter. Wenn also die heutigen Nationaljuden über die Assimilationsbestrebungen der Juden während der jüngsten Vergangenheit und in der Gegenwart den Stab brechen, so beweisen sie ein kurzes Gedächtnis, oder üben eine ungleiche Gerechtigkeit, d-nn sie strafen an den Enkeln, was an den Großvätern zu rühmen ist. Mendelssohn hat nicht anders gehandelt, als Maimonides, und Maimonides nicht anders als Philo. Es geht aber nicht wohl an, eine Handlungsweise zu verdammen, welche durch die führenden Geister des Judentums vertreten ist. Die Assimilation kann nur durch Übertreibung, welche einer Selbstaufgebung des Judentums und seiner Prineipien gleichkommt, gerechten Tadel auf sich ziehen. Aber so wenig man das Schwimmen deshalb untersagen wird, weit man dabei ertrinken kann, so wenig darf man wegen der Gefahr der Übertreibung das Judentum davon abhalten, nach dem Beispiel der angeführten Vorbilder seine assimilatorische Tätigkeit, durch welche zudem die Erkenntnis seines Lehrinhaltes weiten Kreisen vermittelt wird, fortzusetzen. Übrigens fällt dieser Tadel auf das Nationäljudentum selbst zurück. Es ist selbst ein Produkt zu weit gehender Assimilation, insofern es den nationalen Chauvinismus der Gegenwart auf das Judentum überträgt. Wenn aber das Judentum in irgend einem Punkte Ursache hat, die biblische Warnung vor der Aneignung fremder Gewohnheiten und Anschauungen zu befolgen, so ist es hier der Fall. Das Judentum käme bei seiner etwaigen nationalen Restauration erst recht zwischen den Stühlen der übrigen Völker auf der Erde zu sitzen, und es müßte weit mehr noch als während seiner verlorenen Selbständigkeit die Einbuße der wiedererlangten besorgen. Denn mit welchen Mitteln selbst mächtige Staaten sich behaupten, lehren die alle Steuerkraft erschöpfenden Militärbudgets. Ein Judentum aber mit Kanonen und Bajonetten würde die Rolle Davids mit der Goliaths vertauschen , und eine Travestie seiner selbst sein. Wenn man denjenigen Juden, welchen in ihrer bisherigen Heimat der Kampf ums Dasein allzusehr erschwert wird, Gelegenheit bietet, sich anderwärts anzusiedeln, so ist dies im hohen Grade löblich und verdienstlich. Man kann nur wünschen und hoffen, daß die jüdischen Kolonien, wo immer solche bereits bestehen oder künftig angelegt werden, sei es nun im heiligen Lande, oder anderwärts, ihr gedeihliches Fortkommen

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