Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1908)
- Date
- 1908-06-01
- Page
- Seite 140 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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H MMUHWWMWqWWMW, — 140 — Di« alt« Szasgsge i« Lgrr. •' ' '■ .Bon Leopold Schwarz. „Die großen Erinnerungen machen die großen Nationen." Auf welche noch .lebende Nation in Europa könnte dieses höchst geistreiche und wahre Wort besser angeweydet werden, als auf die jüdische Nation? Wir sind das „Volk des Buches und der Geschichte" und werden wahrlich gerade so lange nicht vergehen, als wir das „Buch der Bücher", dieses erhabenste Buch der Menschheitsgeschichte, gebührend in Ehren halten und auch unsere jüngere Geschichte eisrigst Pflegen werden. Als ein Beispiel von vielen hierfür sei durch diese Zeilen gerade jetzt, da die . unvermutete Auffindung der alten Budweiser Synagoge durch die Presse ging, ans die jüdische Gemeinde in Eger hingewiesen, beziehungsweise auf die alte Synagoge in der altberühmten Reichsstadt, an deren Namen sich für immer Wakensteins großer Name knüpft In Eger wurde der „Friedländer" ermordet, und Mord, der große „Judenmord" von 1350, hatte auch der alt-ehrwürdigen Judengemeinde daselbst ein gewalttätiges und früzeitiges Ende bereitet, wie dies mit so vielen anderen Gemeinden des Mittelalters leider nur allzuhäufig der Fall war. Das Schicksal der alten Synagoge in Eger aber ist so überaus lehrreich und dabei in weiteren Kreisen so wenig bekannt, daß eine kurze Mitteilung hierüber, im Anschlüsse an Budweis, um so angebrachter sein dürfte, als sich bekanntlich in Eger, der vor Kurzem noch Schönererschen Domäne „alldeutschen" Judenhasses, in unseren Tagen wieder eine schöne Synagoge erhebt, gerade wie in Budweis, als beredtes Zeugnis der noch ungebrochenen Lebenskraft unseres vielverfolgten und viel gelästerten Volkes, wogegen der grimme Drachentöter Schönerer, der einstige Ehrenbürger und Diktator von Eger, schon zn den politisch Toten gehört. „Die Juden haben keinen Kunstsinn und darum auch keine Kunstgeschichte", wie oft hört man diesen ganz ungerechtfertigten Gemeinplatz! Und welches Unrecht begehen die gelesensten Handbücher der Bangeschichte, indem sie von jüdischen Gotteshäusern gar so wenig oder fast nichts zu berichten wissen. Feierlich erhaben, hoch und mächtig oder kunstvoll zierlich, ragen die alten Dome der Christenheit aus den steinernen Häusermeeren der Städte empor. Wo aber, wenn wir von der hochberühmten „Altneusynagoge" in Prag und der noch älteren „Raschi-Kapelle" in Worms und noch einigen wenigen Ausnahmen absehen, wo aber bleiben die jüdischen Tempel-Kunstbauten des .Mittelalters? Wo? Im Schutt barbarischer Zerstörung und Verwüstung oder tiefer, die Erinnerung begrabender Vergessenheit, welche nicht bloß wilder Religions- und Rassen- Haß, sondern in vielleicht noch höherem Maße rasenste Habgier schonungslos über die heiligen Stätten brachte! Die bittere Wahrheit dieser traurigen Tatsache hat wieder der Budweiser Fund ans Tageslicht gebracht, welcher aber glücklicherweise eine Wiedergewinnung und Wiederherstellung des alten Kunstbauwerkes bedeutet. Viel bitterer und \