Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 6 (1.6.1908)
- Date
- 1908-06-01
- Page
- Seite 141 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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lehrreicher ist jedoch die Geschichte der alten Synagoge in Eger, von welcher wir überdies auch genauere Kunde haben, und zwar durch nachstehende Mitteilung im 1. Jahrgang de^ „Mitteilungen der k. k. Zentralkommission zur Erforschuug utzd Erhaltung der Baudenk^male" (Wien 1856, Maiheft S. 89 90), welche hiermit wörtlich wiedergegeben sei, untex bloßer Kürzung einer längeren Anmerkung bezüglich des Bücherschatzes der Synagoge. Die Mitteilung lautet:! „Die Ruinen der ehemaligen Judensynagoge zu Eget." Die -Juden hatten eine sehr ansehnliche Synagoge in der Stadt Eger. Die Zeit der Erbauung derselbe^ ist noch nicht sicher gestellt; doch geht aus den in Prag befindlichen jüdischen ko st barten Büchern hervor, haß die Gemeinde schon im Jahre 135(1 reich war, und die Chronik von Eger bestätigt, daß die Synagoge neben jener von Krakau die bedeutenste ihrer Zeit gewesen ist. Die Synagoge war aus Bruchsteinen iip Viereck erbaut, hatte eine Länge von 8* 2°, eine Breite von 74«° unb eine Höhe voh 5°. Sie besaß eine kunstvoll sternartig geformte gothische Wölbung, die auf einkr in der Mitte stehender l Granitsäule ruhte. Ein in Gestalt eines Dreieckes geführtes Anbau und mit abgesonderten Eingängen war für das weibliche Geschlecht zu seinen iAndachtsübungeu bestimm!. Zwei Opfersteine waren an der nördlichen Hauptwand ssingemauert, alle inneren Mauerflächen mit hebräischen Bibelsprüchen beschrieben und die Gewölbungen bemalt. Nach dem Judenmorde im Jahre 1350 wurden die erwähnten Gesetz- und andere jüdische Bücher nach Prag geschafft. Nach der Abschaffung der Juden in Eger wurde die Synagoge auf Anordnung des Kaisers Sigismund im Jahre 1430 zum katholischen Gottesdienste geweiht und hat die Bezeichnung „Maria Heimsuchung- Kirche" bekommen. Im Jahre 1468 wurde zu dem Zwecke eine Sakristei angebaut, 2 Altäre und ein Musikchor errichtet, mrd ein Turm mit 2 Glocken aufgesetzt. In den Jahren 1688 und 1689 war für notwendig erachtet worden, eine Renovation vorzunehmen, und im Jahre 1817 wegen Baufälligkeit das Dach abzutragen. Als dann im Jahre 1837 wegen unterlassener Eindockung die so schön ausgeführte Einwölbung einstürzte, ging auch mit ihr die mittlere Säule zu Grunde. Im Jahre 1854 wurde der Verkauf dieses Platzes mit dem bestehenden Meßnerhause von der Regierung genehmigt; nur hat das Prager Konsistorium angeordnet, daß auf dem Platze, wo die Kirche stand, ein Kreuz, auf einer Platte stehend, errichtet werden soll." Das also war das Ende, der alten Synagoge in Eger, das Ende eines kunstvollen geweihten Baudenkmals! Aus der längeren Anmerkung bezüglich des kostbaren Bücherschatzes der Egener Synagoge sei nur folgende Hauptstette mitgeteilt: „Unter den Handschriften der kaiserlichen Bibliothek zu Prag werden zwei überaus große und schwere Pergamentbücher bewahrt, von denen das eine den Pentateuch, das andere die gottesdienstlichen Gebete und Gesänge der Juden in hebräischer Sprache enthält (Machsor). Nur eine ansehnliche Gemeinde konnte sich solche kostbare Bücher verschaffen. Jeder der Bände dürfte wohl einen Zentner schwer sein."