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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-06-01 · Heft 6 (1.6.1908) · p. Seite 133

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 6 (1.6.1908)
Date
1908-06-01
Page
Seite 133 (sequence 15)
Language
German
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133 wie anderwärts stattgefunden — ausgenommen die unter Wladimir Monomach 1124 — aber wir finden hier dieselben Beschränkungen und Zurücksetzungen wie anderwärts auch und die durch kein menschliches Gefühl geminderte pathetische Überhebung und semitische Verachtung und von dem Blödsinn der Brunnenvergiftung, der Pesterzeugung, der Hostienschändung, des Kindermordes und des BluttrinkerP ist die slavische Nation heute noch nicht frei. Es ist nicht wahr, daß es eine Zeit gegeben hat, in der es den Juden in Polen erlaubt war ländlichen Grundbesitz zu erwerben und einen Degen an der Seite wie ein Ritter zu tragen, und wenn wir auch Münzen mit hebräischer Inschrift finden, so will das nichts weiter bekunden, als daß das Münzregal wie andere Regalien auch öfters vorübergehend an Juden verpachtet war. Die große Masse der osteuropäischen Judenheit bildete sich aus dem Zusammenflüße zweier Strömungen, von denen die eine aus dem Südosten vordringend vom vierten bis achzehnten Jahrhundert fortgedauert hat. Daraus erklärt sich auch, daß das jüdische Glaubensbekenntnis jedesmal in eine aussichtslose Concurrenz trat, wenn tiefreligiöse Umwandlungen bevorstanden. In dem ersten großbulgarischen Reiche haben jüdische Glaubensboten das Land durchzogen, mildere Sitten, menschliche Liebe, den einzigen unsichtbaren Gott predigend. In großen Schaaren fiel das Volk ihnen zu, weshalb das Patriarchat von Konstantinopel den Angstruf erhob, daß das Bulgarenreich in Gefahr stände dem Judentume anheimzufallen. Im 14. Jahrhundert sah der heilige Theodosius von Tornowo in der starken Ausbreitung des Judentums eine große Gefahr, zumal damals eine Jüdin neben dem Zaren Alexander auf dem bulgarischen Throne saß, deren „reiner Glaube" in den altbulgarischen Denkmälern gepriesen wird und deren „ewiges Andenken" in den Kirchen Bulgariens bis zu den Tagen der Türkenherrschaft besungen wurde. Wie es den Juden im achten Jahrhundert unter dem Zaren Pulan gelungen ist, den Chagan der Chazaren zu ihrem Glauben zu bekehren, ist bekannt und ist an der Authenzität der hierüber zwischen dem Chagan und dem Juden Chasdai gewechselten Briefen nicht zu zweifeln. Es gab bei den Chazaren sieben Richter u. z. zwei für die Mohamedaner, zwei für die Chazaren, die nach dem Gesetze Moses richteten, zwei für die Christen, denen nach dem Evangelium Recht gesprochen wurde und einen für die Slaven, Russen, und andere Heiden, die nach heidnischen Gesetzen gerichtet wurden. Unter den Chazaren erlernte der heilige Kyrillos der Glaubensbote der Slaven die hebräische Sprache- In der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts, als der Geist der Reformation selbst bis zu den Völkern am Altai mid Hindukusch alles Erstarrte und Versumpfte aufwühlend durchdrang, da hob ein Geisteswehen selbst in der verdorrten Russischen Kirche an, und da blickt auch das Judentum mit seinem schwarzumflorten Auge hervor. Dem Judentum wurde in den siebziger Jahren des 15. Jahrhunderts ganze Schaaren von Nowgorod und Pskow nebst ihren Popen zugeführt. Groß muß die Opferwilligkeit für die jüdische Lehre bei den Neophiten gewesen sein, da viele das obrahamitische Bundeszeichen annahmen, obwohl sie an Jahren schon vorgerückt waren.

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