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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-06-01 · Heft 6 (1.6.1908) · p. Seite 132

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 6 (1.6.1908)
Date
1908-06-01
Page
Seite 132 (sequence 14)
Language
German
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132 - Ooluikbe luden. In den Vorträgen des geistvollen Historikers Jakob Caro, die aus seinem Nachlasse herausgegeben wurden, findet sich auch einer, über „Polnische Juden", der darum von großer Wichtigkeit ist, weil er die Gesichtspunkte enthält, von denen man bei Behandlung dieses überaus schwierigen Capitels der jüdischen Geschichte auszugehen hat, das sich über ein Ländergebiet erstreckt, dessen jüdische Bevölkerung an Kopfzahl der gesamten übrigen in der ganzen Welt zerstreuten Jndenheit beinahe gleichkommt,, oder sie gar übersteigt. Es herrscht allgemein die Ansicht, daß die namentlich aus Deutschland zur Zeit der Kreuzzüge und späterhin erfolgte Massenauswanderung der Juden in slavische Länder mit der Duldsamkeit und Gutmütigkeit seiner Bewohner in Zusammenhang stehe, die sich günstig von der germanischen Herzenshärte abheben. Bei näherer Betrachtung aber erweist sich diese Anschauung als nicht der Wahrheit entsprechend. Zwar zeigt Man heute noch jedem Fremden mit einer gewissen Genugtuung in der Nähe von Ärakau den himmelanragenden Efterkaberg und die Stätte des Esterkagrabes, Denkmäler einer schönen jüdischen Frau die einst dem Könige Kasimir heiße Liebe geweckt, Söhne und Töchter geschenkt und ihm unermeßliche Vorrechte für ihre Stammesgenossen abzugewinnen verstanden hätte. Jedoch zeitgenössische Schriftsteller und der Reichskanzler des Landes wissen nichts von diesen Vorgängen nnd wir vernnssen in den Quellen Berichte über die unermeßlichen Vorrechte, welche die Liebesgabe des Königs an Esterka gewesen sein sollen. Wohl hat König Kasimir 1334 ein. Judenstatut erlassen. — 20 Jahre vor seiner Judenliebschaft — welches aber nur einige Grundzüge des Rechtsschutzes enthielt durch den sie notdürftig vor Mord und Totschlag geschützt wurden. Und auch diese Verleihung war nur eine Nachahmung des Privilegiums Friedrichs'des Streitbaren von Österreich, Königs Bela von Ungarn und anderer Fürsten und ist auf Artikel 7 Buch III des Sachsenspiegels zurückzuführen. Zu diesen sagenhaften Erzählungen *• * gehört auch die vom polnischen Reichstag 1572 (oder 1586) in welchem Herr Radziwyl vor die stürmisch bewegten Massen, die sich über einen König nicht einigen konnten, hingetreten sein soll mit den Worten: „Friede, Friede, da wir uns um keinen Thronbewerber einen können, so laßt uns hier den Juden Saul zum König machen und wär's auch nur für eine Nacht, d^nn über Nacht kommt Rat". Saul soll die Krone die Nacht über getragen haben, um sie am Morgen wieder abzulegen und fortab den Namen . „Wahl" im bürgerlichen Leben zu führen, von welchem Nachtkönige Gabriel Rießer in gerader Linie abstammen soll. Aber ebensowenig als aus diesem Märchen, läßt sich aus der beglaubigten Geschichte auch nur der mindeste Anhaltspunkt für eine unter _ den Slaven geübte größere Duldsamkeit gegen die Juden erkennen. Es fehlt in Polen kein Stück des großen Verfolgungsapparates, der überall gegen die Juden ausgesonnen und gehandhabt wurde. Wohl haben in Polen keine Massenaustreibungen ' . '

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