Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 5 (4.5.1908)
- Date
- 1908-05-04
- Page
- Seite 113 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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I ^WMM.'VM.M^ZMiMSWWWW^x-' 113 >. , i der Gedanke gekommen wäre, einen anderen Berns, als den in der Familie erblichen landwirtschaftlichen zu wählen. Geistliche, Nießner, Schulmeister waren natürlich stets ans der Fremde geholt worden. In friedlicher Ereignislosigkeit zogen die Jahre dahin, bis ein plötzliches Ereignis die ruhigen Gemüter in Bewegung versetzte. Die frommen Landleute warteten an einem trüben Wintermorgen vergebens auf den Morgenglocken- * klang der sie aus der kleinen Dorfkirche zur Andacht p rufen pflegte. Man suchte den alten Fingerlieb. den achtzigjährigen Meßner in seiner Wohmpg und fand ihn mit starren Gliedern kalt in seinem Bette liegen. Woher einen Meßner nehmen? Es war ja keiner da, der selbst bei der Bestattung des alten Fingerlieb dieses Amt bekleidet hätte. Ein Zufall half der besorgten Gemeinde aus der Not. Am Abend sitzen die „Gescheiten" des Ortes im Dorswirtshanse bei ihrem „Gläserl". Fingerlieb und seine verwaiste Meßnerstelle ist natürlich Gegenstand ihres Gesprächs. In der Ecke sitzt ein hagerer ärmlich gekleideter Fremder, tief in Gedanken versunken. Sein Weib mit einem Kinde im Schoße neben ihm. Zwei Tage stecken sie schon hier mit ihrem Karren, auf dem sie ihre armselige Habe führen. Weitergehen in dem elenden Wetter kany man mit dem zarten Kinde nicht. Das Geld ist verzehrt, der Hunger nagt, keine Aussicht auf Verdienst, keine Hoffnung auf eine günstige Wendüng. Die Verzweiflung ist nahe. Wie der vom Elend gequälte so mit der Verzweiflung ringt, fühlt er plötzlich eine kräftige Hand auf seiner Schulter. Einer der Gäste war es. Der Ortsrichter: „Se scheina' ka reicher Mann zu sein", sagte er, „und in der Kält'n is' des'Herumfahren a net des angenehmste Geschäft. Möcht'ns net zu uns für an Meßner kommen? Zehn Scheffel Weitzen jed's Jahr, an Acker, des Häuserl vom alten Fingerlieb und noch ein paar Groschens wenn sich's trifft, war' die Bezahlung." — Verblüfft schaute ihn der Angesprochene an. Er vermochte vor innerer Erregung kaum zu antworten. Morgen früh — sagte er — werde ich Ihnen Antwort sagen. „Na se können's i'hna halt überlegen. Morgen früh komm' i' die Antwort holen". Er kam. Und der Handel wurde abgeschlossen. Welche Kämpfe in der Seele des Fremden dieser Einwilligung vorangegangen waren, konnte der schlichte Dorfrichter freilich nicht ahnen. Ter Meßner bezog darauf seine Wohnung, ließ sich vom Pfarrer einige, sein Amt betreffenden Instruktionen erteilen, und wieder floß das Leben in F . . . jahrelang in ruhiger Einförmigkeit dahin. Jsak — so nannte man den neuen Meßner in T ... — verlor nach zehnjährigem Aufenthalte sein treues Weib. Nach Jahren warf eine tückische Krankheit auch ihn ins Bett. Er fühlte, daß er es kaum mehr lebendig verlassen werde. An einem Nachmittag saß sein Sohn, der schon zu einem Jüngling herangewachsen war neben seinem Krankenlager. Des Vaters Hand hielt er in der seinigen, als wollte er ihm einen