Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 5 (4.5.1908)
- Date
- 1908-05-04
- Page
- Seite 111 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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J) - m - I . begeistert über Palästina gesprochen hat, folgt: „Aber meine Damen und Herren, Zionismus ist das nicht," nun, auch das will ich gern akzeptieren, denn ich betrachte es als einen großen Segen für uns. Eure Arbeit wird dur^andere Hände getan. Es kann uns wirklich gleich sein, ob nur es machen oder andere, wenn es nur richtig und gut gemacht wird. Wir können zufrieden sein mit dem, was wir bis jetzt geschaffen haben, mit unseren Institutionen, dije den Verhältnissen entsprechend sich ganz gut entwickelt haben. ... Motten wir aber, daß unsere Arbeit güte Früchte trägt, dann müssen nur keine Anstrengung scheuen und unsere Pflicht und Schuldigkeit tun. Als ich in diesem Jahre in einem Massenmeeting in Berlin meine A^ede mit den Worten geschloffen habe: „Wenn wir atte unsere Pflicht tun, dann: hoffe ich, daß wir mit unseren eigenen Augen die Rückkehr nach Zion sehen werden/ wurde mir besonders von einigen jüdischen Zeitungen der Vorwurf gemacht, daß ich unberechtigt Hoffnungen erwecke. Tie Herren Redakteure mögen mir verzeihen, sie scheinen eben gar nicht zu wissen, daß die frommen Juden bis auf den heutigen Tag dasselbe Wort dreimal täglich sagen. Und auch ich werde meine Vortrüge mit diesem Worte schließen und es immer wiederholen, bis wir wirklich mit unseren eigenen Augen die Rückkehr nach Zion sehen werden. > - -^* €3- Der Irojetelaer „Ger". Von Victor Scbönfeld. Einen eigenen Namen hatte er sicherlich auch, wie jeder von uns einen hat. Wahrscheinlich gar zwei. Einen erhielt er bei der Taufe, beim Übertritt zum Judentume vermutlich den zweiten. Mir und allen, die mit ihm während seines wechselvotten Lebens in Berührung gekommen waren, blieb er aber stets der „Kojeteiner Ger". Ein Winterabend des Jahres 1828 — ich war damals ein achtjähriger Knabe — hat sich meinem kindlich empfänglichen Gemüte tief eingeprägt. Heute noch schwebt mir die Geschichte lebhaft vor der Seele. Mein Vater war den ganzen Abend sehr ungeduldig, schaute häufig auf die Uhr, er schien auf etwas zu warten. Wir Kinder wurden früher, als sonst zu Bette gebracht. Das helle Kinderauge wurde bald des Befremdenden in des Vaters Benehmen gewahr, und die ^Wtzierde verscheuchte den Schlaf von meinen Augen. Stundenlang habe ich wach in meinem Bette* gelegen. Alsbald kamen zwei Herren, in denen ich ihrer Stimme nach die Brüder F.