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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-05-04 · Heft 5 (4.5.1908) · p. Seite 110

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 5 (4.5.1908)
Date
1908-05-04
Page
Seite 110 (sequence 16)
Language
German
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— 110 — Pr. Herzls getroffen hat, nachdem wir diesen kolossalen Verlust wenigstens so weit überwunden haben, daß wir sein Werk weiter führen können und der Bestand unserer Bewegung gesichert ist, heute, nachdem in Rußland, wo alle jüdischen Organisationen zerschmettert sind, unsere Organisation als die einzige sich doch noch erhalten hat, heute haben wir derartige kleine Befürchtungen nicht mehr zu hegen, wir dürfen auch öffentlich über unsere Fehler sprechen, ohne Schaden zu nehmelt. - Und noch eines. Ich sprach von dem Segen der Öffentlichkeit. Auch darin sehe ich das Gute, denn ich hoffe, daß, nachdem die Fehler in der Öffentlichkeit gerügt werden, eine rasche Abhilfe nicht lange auf sich warten küssen wird. Mit dem, was der Zionismus bis jetzt geleistet hat, dürfen wir zufrieden sein. Unserer Bewegung ist es zu verdanken, daß jetzt ein ganz anderer Geist über den Juden der ganzen Welt schwebt. 'Die Gegnerschaft gegen den Zionismus ist nicht mehr wie vor 10 und 12 Jahren, heute haben schon alle angefangen, zu begreifen und einzuseheu, daß die Idee doch etwas Gutes in sich birgt. Das jüdische Selbstbewußtsein ist gewachsen und gestiegen, uno mau spricht heute über jüdische Angelegenheiten ganz anders ' als von uns. Allerdings sagen die Leute, daß wir Zionisten inzwischen gescheiter, klüger und ruhiger geworden sind. Ich akzeptiere dieses Kompliment ganz gern und freue mich, es den andern zurückgeben zu können. Gott sei Dank sind jene auch klüger geworden. Daß das Interesse für Palästina in unserer heutigen Zeit so groß und stark ist, wie es noch, niemals zuvor gewesen, ist unser Verdienst und zeigt uns, daß wir auf dem richtigen Wegesind. Mit Befriedigung sehen wir, wie große -Organisationen, die früher, ich will nicht sagen gegen uns gekämpft haben, — aber jedenfalls nicht viel für uns übrig hatten, heute nach Palästina gehen und dort Arbeiten verrichten, die wir. früher gefordert haben und worüber man uns ausgelacht hat. Wenn der deutsche HilfsverZn heute nach Palästina geht und sein Leiter und Führer I)r.'Nathan zurückkommt und mit Begeisterung eine intensive Arbeit für Palästina verlangt und für unsere Schulen daselbst die hebräische Sprache als die beste und geeignetste empfiehlt, wenn, das der Leiter einer deutsch-jüdischen Organisation tut, dann können wir wirklich mit Befriedigung ansrufen: Gelobt sei der, der die Zeiten ändert. Zwölf Jahre friiher würde wahrscheinlich der deutsche Pr. Paul Nathan für die deutsche Sprache in Palästina ebenso gekämpft haben, wie mancher französische Jude früher für die französische gekämpft hat. Heute aber kämpft man für das Hebräische. Das Interesse wächst allgemein, und man sieht allmählich ein, daß der auswandernde Jude, der nach Palästina kommt, dort besser untergebracht ist als irgendwo anders in der Welt. Der Jude in Palästina wird ein echter Jude, aber er sieht schöner aus als die andern, die nicht ganz echt sind. Es war ein Genuß für mich, aus dem Bericht Dr. Nathans zu entnehmen, daß Palästina doch ein ganz ausgezeichnetes Territorium für die Juden zu sein scheine. Und wenn derselbe Pr. Nathan in einem Vortrage in Frankfurt am Main am Schlüsse seiner Rede, nachdem er so

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