Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 5 (4.5.1908)
- Date
- 1908-05-04
- Page
- Seite 109 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2969669-2970027-2970032--8290-2979002- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
if- — 109 — und Platz für alle Richtungen und alle Parteien. Die Leute haben tatsächlich ein volles Recht dazu, sich auf Herzl zu berufen und anzugeben, daß sie alle im Sinne Herzls arbeiten. Aber, meine verehrten Damen und Herren, sich auf Herzl berufen und sein Werk zu zerstören suchen, wie man das in Eingang bringen kann, das weiß ich nicht! Was Di. Herzl Praktisches geschaffen hat, was vr. Herzl uns Praktisches hinterlassen hat, das ist die zionistische Organisation, das sind die mannigfachen zionistischen Institutionen, das ist der Zionistenkongreß. Wer aus der Organisation ausscheidet, der schädigt unsere Organisation; wer unsere Institutionen nicht unterstützt oder sie gar bekäinpft, der sucht uns Schaden zuzufügen; wer dem Kongresse fernbleibt oder die Beschlüffe des Kongresses nicht respektiert, der schädigt unsere Bewegung. Es nutzt nichts, wenn man den Spieß umdreht und sagt: „Ihr macht es ja verkehrt; das, was ihr tut, ist nicht im Sinne Herzls. Ihr seid es, die die Bewegung schädigt." Nein, meine Damen und Herren, die Erbschaft Herzls haben wir, der offizielle Zionismus, angetreten und kein anderer. Die legitimen Erben Herzls sind wir und kein anderer. Allerdings gibt es auch kleine illegitime Ideen, die Herzl momentan und vorübergehend ausgesprochen, — diese können die illegitimen Erben für sich in Anspruch nehmen, — für den Zionismus, den Herzl geschaffen, sind wir die wirklichen Erben. .! Wenn wir aber die Erbschaft mit allen Rechten angetreten haben, dann sind uns aber auch große Pflichten daraus erwachsen, denn Rechte ohne Pflichten gibt es nicht. Unsere Pflicht ist es nun, das, was Herzl geschaffen hat, fortzuführen und auszubauen, und nun möchte ich die Frage an unsere Führer richten, ob sie bis jetzt ihre übernommenen Pflichten erfüllt haben, ob sie nicht durch Nichtigkeiten und Kleinigkeiten, durch Streitigkeiten und durch persönliche Dinge, die hineingetragen wurden, die Organisation geschädigt haben? Meine Damen und Herren. Wenn die zionistische Organisation ihre Aufgaben erfüllen soll, wenn wir das leisten sollen, was von uns erwartet wird, so kann das nur sein, tvenn wir das demokratische Prinzip heilig halten und alle Mitarbeiten. Einige oder wenige können das nicht leisten. Meine Damen und Herren! In früheren Jahren hat man es als eine große Duulmheit betrachtet und es für ein Unrecht gehalten, wenn mir über unsere eigenen Fehler, über die Nachlässigkeiten, die wir begehen, über unsere kleinen Sünden öffentlich gesprochen haben,, weil man fürchtete, dadurch unserer Bewegung zu schaden. Heute aber haben wir es Gott sei Dank nicht mehr nötig. Wir können heute auch öffentlich über unsere eigenen Fehler sprechen, heute, nachdem mir die Feuerprobe schon bestanden haben, nachdem wir aus dem Kampf mit unseren eigenen Brüdern — mit den anderen Parteien — siegreich hervorgegangen sind, heute, nachdem wir schon etwas geleistet haben, nachdem wir das große Unglück, das unsere Bewegung mit dem jähen Tod