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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-05-04 · Heft 5 (4.5.1908) · p. Seite 107

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 5 (4.5.1908)
Date
1908-05-04
Page
Seite 107 (sequence 13)
Language
German
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107 Das demokratische System bei uns hat den großen Vorteil, daß wir stets in Fühlung mit den Volksmassen stehen, und das Volk selbst weiß am testen, was ihm not tut, wo ihn der Schuh drückt; es hat ferner den großen Vorzug, die Öffentlichkeit für sich zu haben unb der öffentlichen Kontrolle unterstellt zu sein. Bei den andern Hilfsorganisationen arbeitet meistens einer, ein einzelner, von dem die Ideen ausgehen, ein einzelner, der die Arbeiten machen muß, unb manchesmal ist dieser einzelne nur der angestellte Sekretär, der die Richtungslinie vorzeichnet. Bei der zionistischen Organisation jedoch arbeiten alle mit. Wir haben die Kongresse, die die Meinung des Volkes vertreten und die auch die Öffentlichkeit bilden und die öffentliche Kontrolle ausüben. Gewiß gebe ich gern zu, daß wir Juden noch nicht genügend politisch geschult sind, daß die Disziplin bei uns noch nicht so gut ist wie bei andern Völkern, die auf eigener Scholle, int eigenen Lande leben. Ich weiß es am besten, wie es noch bei uns damit hapert, denn ich selbst habe, seitdem ich die Leitung der zionistischen Bewegung übernommen habe, genug darunter zu leiden. Und dennoch, meine verehrten Damen und Herren, ist meine Position noch viel beneidenswerter als die der anderen, die nur von einigen wenigen gewählt worden sind, oder die sich gar selbst zu Vorstehern ernannt haben. Gern nehme ich die Schattenseiten mit in den Kauf, die eine übermäßige Kritik mit sich bringt, denn wir haben dadurch auch den großen Vorteil, daß wir Mitarbeiter haben, die mithelfen und Mitarbeiten und die Verantwortung mit uns teilen. Mit einem kleinen Beispiel möchte ich Ihnen die Sache näher erklären: Vergleichen Sie einmal selbst ein Land, das demokratisch regiert wird, mit einem Land, wo die Autokratie herrscht und beantworten Sie sich selbst die Frage, in welchem Lande besser regiert wird, und wo die Bürger von den niedrigsten bis zu den allerhöchsten es besser haben, zum Beispiel in England oder in Rußland. Und noch eines hat die zionistische Organisation den anderen voraus: Wir Zionisten wissen, was wir wollen und umhin wir wollen. Und wir haben den festen Glauben, daß mit der Erreichung unseres Zieles die Judenfrage im besten Sinne des . Wortes gut und glücklich für alle Teile gelöst sein wird. Nun bleibt die Frage, die .numj 1(1)0« so oft an uns gerichtet hat, zu beantworten. Die Frage: „Ist denn der zionistische Plan durchführbar? Ist denn das, was die Zionisten wollen, möglich? Wird die Türkei, von der ja in erster und letzter Linie alles abhängt, ihre Einwilligung geben?" Auf diese Frage haben wir schon oft die Antwort gegeben, heute aber kann ich mit viel größerer Bestimmtheit als früher darauf mit „ja" antworten. Ja, es ist möglich, wenn ihr wollt. Wenn das jüdische Volk den ernsten Willen dazu und wenn es bereit ist, die Mittel, die dazu notwendig sind herzugeben und welche leicht aufgebracht werden können, wenn es ernstlich will und wenn wir alle zusammen Hand in Hand gehen. Ich habe es bereits verkündet und wiederhole es mit voller Bestimmtheit, daß die türkische Regierung und die maßgebenden Kreise in Konstantinopel immer mehr i

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