Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 5 (4.5.1908)
- Date
- 1908-05-04
- Page
- Seite 103 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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J lüiwqu^ yi.li, t. .U »L.1»WJV" Wr [^-u>' -LM W WWWWWW — 103 — stets ihre Kleidung und den Stil ihrer Bauten in aller Eile und ohne nachzudenken von ihren momentanen Nachbarn übernommen und dachten nur daran, wie sie als Volk fortbestehen konnten. Auch sie haben rastlos Waffen geschmiedet, aber nicht aus Eisen wie die Russen, sondern aus Gold, dem einzigen Material, das für diejenigen, die keinen Boden besitzen, in Betracht kommen kann. Wenn man von den einzelnen Versuchen, die von den spanischen Juden unternommen wurden, absieht, so haben sie sich nicht einmal für das geistige Leben und für die kulturelle Entwicklung ihrer Nachbarn interessiert. Und doch kann rjran nicht leugnen, daß die Juden durch diese ganze Zeit von einem überaus intensiven geistigen Leben erfüllt waren. Diese geistige Tätigkeit war aber nicht auf die Vervollkommnung des Individuums, sondern auf die Erhaltung und Festigung der nationalen Einheit gerichtet. Solange es sich um den Profit, um die Erhaltung eines einzelnen Daseins handelte, war der Jude feig, sklavisch und lächerlich. So oft aber die Erhaltung der nationalen Einheit und die Religion, mit der sich die Juden wie Bergbesteiger mit einem Seil verbunden hatten, bedroht war, erwachte in dem kleinlichen Krämer ein Held und ein Märtyrer. - Unsere Dichter, die oft die Rolle des Juden innerhalb der russischen Wirklichkeit schildern wollten, begingen stets den Fehler, daß sie den Russen und den Juden unter zwei verschiedenen Gesichtswinkeln betrachteten. So schildert z. B. Gogol den heldenmütigen Taras Bulba, wie er gerade als 'ein Kämpfer für das bedrohte Reich und den gefährdeten Glauben auftritt. Der Jude Jankel, dem er erst soeben das Leben gerettet hatte, hat inzwischen seinen elenden Verkaüfsstand wieder eröffnet und handelt mit Munition und sonstigen Sachen, die im Kriege, nötig sind. Bei dieser Gegenüberstellung erscheint der Taras selbstverständlich als Held und der Jude als ein elendes und lächerliches Wesen. Wenn sich aber Gogol den Juden zum Vorbild genommen hätte nicht in dem Moment, da er um sein persönliches Dasein besorgt war, sondern in einem Augenblick, da es sich um das ge-' samte jüdische Volk handeln würde, so wäre dieser Jankel als der gleiche bewundernswerte Held wie Taras Bulba erschienen. Gogol hätte es leicht gehabt, sich das Modell zu einem solchen heldenmütigen Jankel zu verschaffen. Um die gleiche Zeit wie der Taras kämpfte in Kleinrußland ein ähnlicher Bolksheld namens Krivonos, und dieser umzingelte einmal mit seinen Kosaken bei der Stadt Tultschin einige Tausend Juden nebst Frauen und Kindern und stellte ihnen die Wahl frei, ob sie sich sofort alle auf der Stelle taufen lassen wollen, oder den Tod vorziehen. Und da beschloffen einige Tausend Juden einstimmig, ihr Leben für den Glauben zu opfern, und sie alle f fielen als Helden für ihre nationale Einheit. Die Feindschaft unter Juden und Ruffen, die sich in den zahlreichen blutigen Progroms geäußert hat, beruht hauptsächlich darauf, daß beide Nationalitäten bisher >, nur mit ihren am meisten voneinander abweichenden und rein negativen Eigenschaften | miteinander in Berührung gekommen sind; also Faulheit und Habgier, Grausamkeit