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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-04-01 · Heft 4 (1.4.1908) · p. Seite 95

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 4 (1.4.1908)
Date
1908-04-01
Page
Seite 95 (sequence 25)
Language
German
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95 die Errichtung eines „interkonfessionellen" Kinderspitals gespendet. Dr. Fischer entstammt der rumänischen MillionärsfamiLLe Fischer, deren Mitglieder seit Jahren zum größten Teile in Czernowitz ansässig sind, obzwar rumänische Minister sich wiederholt darum bemühten, sie zur Rückkehr nach Rumänien zu bewegen. Ein Mitglied der Familie Fischer, die man die Getreidekönige von Rumänien nennt, Herr Janen Fischer, hat vor zwei Jahren eine große Geldsumme für einen Zubau zum Franz Josef-Universitäts- Studen^enheim und zur Errichtung einer Mensa academica in Czerüowitz gespendet. In Emden hat gelegentlich der von der vereinigten rechtsstehenden Partei einbernfenen Versammlung Herr A. Gerhard am tt. April folgende beherzigenswerte Worte gesprochen: Ich komme zu meinem letzten Punkt. Der Herr Kandidat gehört bekanntlich zu denjenigen Männern, welche den Einfluß des Judentums auf das ^deutsche Volk bekämpfen wollen. Dies ist ein schwarzer Punkt in der diesmaligen Wahlbewegung! Meine Herren! Im Jahre 18S1 hat.der Teufel eine Giftpflanze in unser nach Einigkeit strebendes Deutschland gepflanzt. Diese Giftpflanze heißt Antisemitismus. Bor ungefähr 20 Jahren versuchten fatsche Apostel den Samen dieses Giftkrauts in Ostfriesland zu säen. Ich bedauere, daß ich damals zwei Redner, darunter den berühmten Ahlwardt, hörte. Jeder anständige, vorurteilsfreie Mensch, aber noch mehr jeder Christ muß diese Giftpflanze im Keime ersticken, denn sie bewirkt Uneinigkeit und Aufreizung zum Klassenhaß! — Wir haben als Menschen, noch weniger als Christen eine Berechtigung, andere ebenfalls von Gott erschaffene Mitmenschen zu unterdrücken, zu beleidigen, zu verfolgen. Ter Inden-Gott ist auch der Christen-Gott. Wir stammen alle von einem Schöpfer, von einem Elternpaar ab, sind den gleichen irdischen Gesetzen unterworfen und haben gleiche Pflichten gegen den Staat! Vom reinmenschlichen Standpunkt ist der Antisemitismus zu verwerfen und auszurotten! Du von Gott gesegnetes Ostfriesland, du Stadt Emden, du hast in früheren Jahrhunderten deine Christenpflicht erfüllt und die um ihres Glaubens willen verfolgten Fremdlinge in deine Mauern ausgenommen, willst du heute deine andersgläubigen Mitmenschen unterdrücken? Versündigen wir uns nicht. Wir Christen stützen uns ja auf die ganze Bibel. Dieselbe warnt uns mit allem Ernst, denn sie sagt mehrmals sotgendes: „Den Fremdling sollst du nicht drücken und bedrängen" [2 Mose 22, 21. 23, 0. 31 Mose 19, 33, Sacharja 7. 10). Noch ernster ermahnt Gott, wenn er sagt: „Verflucht sei, wer das Recht des Fremdlings beuget." 5 Mose 27, 19 Es nutzt alle Bedrückung auch nichts, denn David sagt: „Jehova bewahrt die Fremdlinge." (Ps. 149, Es kommt sogar eine Zeit, wo 10 nichtjüdische Männer einen jüdischen Mann bei seinem Rockzipfel ergreifen und sagen: Wir wollen mit Euch gehen, denn wir hören, daß Gott mit euch ist." (Sach. 8, 23). Haben wir Christen ein Recht, ein Volk zu bedrücken, für das unser Haupt Jesus Christus noch in seiner Todesstunde gebetet hat? Als er betete: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, ums sie tun", da hatte er die Juden, Griechen, Römer und alle Menschen der Erde gemeint. Was haben die Juden verbrochen, daß-

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