Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1908)
- Date
- 1908-04-01
- Page
- Seite 94 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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94 wmm Abwehr verdienen vor allem die Bestrebungen des Deutschnationalen Handlungsgehilfen Verbandes, der das Vertrauen zwischen jüdischen Prinzipalen nnd nichtjüdischen Angestellten untergräbt und das Treueverhältnis beeinträchtigt. Aber nicht nur die Pflicht der,Abwehr predigt der Zentralverein, sondern auch die Pflicht der „Einkehr". Tie Juden sind noch nicht allzulange aus denr Ghetto heraus. Eine straffe Erziehung zur Persönlichkeit tut ihnen not, nicht nur in äußerlichen Dingen, mit denen sie oft unnötigen Anstoß erregen, sondern auch in Fragen der Lebensauffassung, zum Beispiel der Überschätzung des Studiüms und des Titels. Manche jüdische Ettern lassen ihre Kinder taufen, um ihnen Unbequemlichkeiten zu ersparen. Statt sich vergeblich zu bemühen, ihnen so die Steine ans dem Wege zu räumen, sollten sie sie Lehren, auch steinige Wege tapfer zu gehen. Nur so werden sie sich im Leben behaupten. Der Redner schloß unter lebhaftem Beifall mit dem mittelalterlichen Leitspruch: in necessariis unitas, in dubiis libertas. in omnibus caritas! das heißt, Einigkeit in der Abwehr unwürdiger Angriffe, Freiheit in allen politischen nnd religiösen Fragen und über alles die Liebe zum Vaterland und zu den übrigen Volksgenossen. Mit Dankesworten an den Redner schloß der Vorsitzende Herr Dr. Ludwig Wertheimer die Versammlung. — In unserer Zeit, wo Übertritte ins Judentum häufig vorzukommen pflegen, ist es interessant, den Wortlaut der Ansprache kennen zu lernen, die Dr. Adolf Jellinek an Proseüsten richtete. „Erhalten Sie sich ein reines Herz und einen freien Geist! ,Ein reines Herz', frei von jedem religiösen Hasse gegen andere nichtjüdische Bekenntnisse und von jeder Berdammungswnt Andersgläubiger und Andersdenkender, Sie .brauchen daher nicht Ihre Verwandten und Bekannten, wenn Sie auch Ihr neuer Glaube vou Ihnen trennt, aus Ihrem Herzen zu verdrängen und . zu verbannen/ Bewahren Sie die alte Liebe, Treue und Pietät, und nähren Sie die Überzeugung, daß Ihre früheren Religionsgenoffen der^ himmlischen Seligkeit einst ebenso teilhaftig werden, wie Ihre neuen Gtaubensbrüder, sobald sie ein heiliges, gottgefälliges Leben führen, die Gebote der Sittlichkeit, beobachten lind die Pflichten der Nächstenliebe erfüllen. Nur einer Lehre wollen Sie Ihr Her,z verschließen, j^ner mürrischen Lehre nämlich, welche alle Seelen vor Gott verdalnmt, lvenn sie nicht durch den Glauben erlöst wurden, welchem Sie früher angehörten. Denn ein reines jüdisches Herz soll jenem herrlichen Tempel gleichen, welchen der Prophet einst geschaut und in welchem alle Völker Raum finden, als Brüder und Kinder des himmlischen Vaters sich fühlen. — Der neunte Bericht des Moritz und Johanna Oppenheimer'schen Kindergartens für Israeliten (Vorsitzender Professor Dr. A. Snlzbach) über die Jahre 1006 und 1907 ist erschienen: verzeichnet in den Einnahmen: Mitgliederbeiträge Mk. 5615 und 5644, Kostgelder Mk. 500 und Mk. 562, Geschenke Mk. 8495 und Mk. 10327 usw. und in den. Ausgaben: Haushaltung Mk. 5959 und 8112, Gehälter und Vergütungen Mk. 3465 und Mk. 4068 usw. — Der Großgrundbesitzer Dr. Hermann Fischer in Czernowitz hat aus Anlaß des 60jährigen Regierungsjubilüums des Kaisers den Betrag von 500000 Kronen für