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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-04-01 · Heft 4 (1.4.1908) · p. Seite 88

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 4 (1.4.1908)
Date
1908-04-01
Page
Seite 88 (sequence 18)
Language
German
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88 als schätzbares Material für eine zukünftige Zeit der Forschung bei Seite geschoben, wie z.,B. die Frage nach der Bewohnbarkeit des Mondes bis , jetzt noch kein Kopfzerbrechen gemacht hat- \ ~ . - Es ist aber Hür den Menschen von scheinbar höchstem Interesse, zu wissen, was mit'ihm nach seinem Tode 'geschehen wird; ganz anders würde er, wie er meint, sein Leben einrichten, wenn er mst dem Tode gänzlich aufhörte, gaüz anders dagegen, wenn diese Welt' nur eine Vorhatte zu jener ist; daher die Kraft des metaphysischen Bedürfnisses, das Noch Stillung sucht. Man muß eine Antwort auf diese Frage erhalten, sei sie theoretisch noch so unhaltbar — das praktische Bedürfnis ist taub den theoretischen Bedenken gegenüber-.'; - .. ' / Und weU dieses metaphysische Bedürfnis das größte ist, wird es auch am leichtesten gestillt, denn.wenn der Durst sehr groß ist, trinkt man jedes Wasser. Fast jedes philosophische System ist eine Zeitlang geeignet, das metaphysische Bedürfnis zu stillen. Denn zeigt sich ein philosophysches System infolge neuer Anschauungen unhaltbar, entsteht gleich darauf ein anderes. Kant beweist die Unzulänglichkeit der menschlichen Vernunft, die drei Probleme zu lösen; seine Nachfolger geben nichts destoweniger eine Lösung. Aber diese neuen Systeme beherrschen nicht lange den Gedankenkreis; die Anschauungen erweitern sich, die Systeme stürzen zusammen, es müssen neue an deren Stelle treten. ' . - * . Nichts überwältigt daher so leicht wie das Geheimnisvolle; darum ist auch nichts so ansteckeüd wie der Mystizismus. Die sich wie auf Kommando wiederholenden Geistererscheinungen, die Furcht vor Gespenstern in unserer Zeit des Spiritismus, was sind sie anders als eine Epidemie, die die Köpfe der erlösungsbedürftigen Menschen erfaßt, die nach Erlösung Ringenden in einen Taumel stürzen, wo die Vernunft gebändigt liegt, die Phantasie zügellos ihr Spiel treibt und Halluzinationen erzeugt. Die Vernunft bedarf einer strengen Zucht um nie zu erliegen und gerade die Zucht und Übung fehlt der großen Menge gänzlich. Nach dem Ungewöhnlichen, dem Geheimnisvollen hascht sie, wie das Kind nach verbotenen Früchten. Die Welt der Wirklichkeit und der Erfahrungen, so dürr, so alltäglich, kann nie den Zauber hervorbringen, den die Sehnsucht nach Höherem, nach Besserem und Glückseligem in das Übernatürliche verlegt. Der Mensch will mehr vermögen, und er wirft sich dem Geheimnisvollen in die Arme,, das ihm die Wirkung des Wunderbaren verheißt. Je unklarer das Band von Ursache und Wirkung, von Grund und Folge ist, desto größeres Verlangen danach wird ihn beherrschen; das ist ihm die ^höhere Offenbarung, die übernatürliche Welt. Der Mystizismus hat noch immer die meisten Anhänger gefunden in jeder Religion, ohne Unterschied. Es. ist em unschätzbarer Vorzug der jüdischen Religion, daß sie den einheitlichen Geist beansprucht und erfaßt, daß sie ihren Erweis und ihre Wirksamkeit in cher Harmonie des Verstandes und des Herzens, des Denkens und des Fühlens findet, daß sie

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