Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1908)
- Date
- 1908-04-01
- Page
- Seite 87 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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buches wurde gern in Empfang genommen. Zum Schluß dankte A. H. Rechtsanwalt Ad. Levinsky allen, die zum Gelingen des Festes beigetragen haben. Den Ball leitete ein von 6 Bereinsschwestern aufgeführter Tanz ein, dem ein vom A. H. Zahnarzt Dallmann verfaßter Prolog voraufging, der die Hoffnung, den Frohsinn und die Wiffenschaft im A. I. G. V. poetisch verklärte. Ein Exbummel am Sonntag Nachmittag nach dem Grunewald schloß die festlichen Veranstaltungen, die jedem Teilnehmer dauernd in schöner Erinnerung bleiben werden. ->©<• •Religiöses ©enhen und fühlen. Von vr. Zeligkowitz-Cöthen. Wir Menschen sind nicht bloß körperlich, sondern auch seelisch Toppelwesen. Wie jeder Mensch eigentlich ans zwei Hälften zusammengesetzt ist, wie er eine rechte und eine linke Gehirnhemisphäre sein eigen nennt und die wichtigsten Organe, wie Hände und Füße, Augen und Ohren u. s. w. doppelt besitzt,- so wohnen auch zwei Seelen in seiner Brust. Damit soll keineswegs auf das fragwürdige psychologische Problem des sogenannten „Doppel-Jchs" angespiett werden, daß Vernunft und Gefühl jene Doppetseelen sind, die seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte um den Vorrang streiten. Wie bei einzelnen Menschen, w ist bei ganzen Geschlechtern bald die Vernunft, bald das Gefühl im Übergewicht. Was uns die Märchen von guten und bösen Geistern, von Engel und Teufel, von Licht und Finsternis als Weltprinzipien zuraunen, das alles wohnt in unserer eigenen Brust. Die eine Seele lebt in der Welt der logischen oder historischen Beweisführung. die andere im traumhaften Zwielicht des dämmernden Ahnens. So gibt esnun logisch gerichtete Naturen, die sich nur in der Welt des streng exakten Beweises heimisch fühlen, und mystisch gestimmte, die nicht überzeugt, sondern überredet, nicht belehrt, sondern erbaut sein wollen. Und so ganze Generationen. Das schließt natürlich nicht aus, daß die gegensätzlichen Stimmungen im gleichen Individuum platzgreifen können. Denn in jedem Menschen ist ein metaphysisches Bedürfnis rege, jeder will über das Vorzeitliche und Nachzeitliche möglichst viel erfahren. Diesem metaphysischen Bedürfnis entspringen Philosophie und Religion. Beide sollen alle jenen Fragen beantworten, die der menschliche Geist in drei Probleme untergebracht hat: Gott, Seele, Welt. Wären diese Fragen minder wichtig als sie es sind, so hätten die Menschen sie