Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 4 (1.4.1908)
- Date
- 1908-04-01
- Page
- Seite 75 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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großen Freude sagen kann, mit der gleichen Freundschaft wie in früheren Zeiten gegenül>erstehen. Sodann begrüße ich die Vertreter des Hörervereins an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums und des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, ferner dit Herren, die ein oder mehrmals das Interesse für unseren Verein durch die freundliche Übernahme eines Vortrages bekundet haben. Und ferner alle, alle, die heute hier erschienen sind, und mit unserm Grüß entbiete ich zugleich unfern innigsten Dank für die uns erwiesene Ehre. Mögen Sie alle das eine aus dem heutigen Festestreiben entnehmen, daß wir noch.wie unsere Gründer von derselben Begeisterung für unsere Wissenschaft durchdrungen sind, daß aber auch der studentische Frohsinn die ihm gebührende Beachtung und Pflege bei uns findet. Als Willkommengruß für unsere hochverehrten Gäste wollen wir A. I. G. B er einen urkräftigen Salamander reiben auf das Wohl der hier so zahlreich Erschienenen. Nach dem zweiten Liede gruppierten sich die Chargierten auf der Bühne im Halbkreis, worauf a. H. Or. phil. B. Kellermann folgende Festrede hielt. Hochverehrte Corona! Liebe Vereinsbrüder! Liebe Vereinsschwestern! Wenn ich die Ehre habe, in dieser bedeutungsvollen Stunde die Gedanken zu mustern, die nunmehr seit fünfundzwanzig Jahren das Leitmotiv des A. I. G. V. bilden, so darf ich wohl zum Ausgangspunkt meiner Betrachtungen das Farbenspiel wählen, da^die Ziele unseres Vereins in symbolischer Weise enthüllt. Grün, Rot, Weiß Hoffnung, Frohsiml, Wissenschaft diese Aufgaben künden unsere Farben. ' . Ohne Hoffnung, ohne Zukunft kein Frohsinn, keine Freude' an der Gegemvart, ohne Freude an dem Rechte der Gegenwart kkin Verständnis fi^r die Vergangenheit, für die Kenntnis der Vergangenheit, für die Geschichte. j Mit anderen Worten: Ohne Zukunft keine Gegenwart, chne Gegenwart keine Vergangenheit. Es ist eine sonderbare Parole, die sich in diesem Wahlsprüche kundgibt. Steht sie doch zu den Devisen aller modernen Kulturgebilde im schroffsten Widerspruch. Behauptet sich doch bis heute auf allen Gebieten der entgegengesetzte Spruch: Ohne Vergangenheit keine Gegenwart, ohne Gegenwart keine Zukunft. Aus der Vergangenheit sollen wir Kraft und Mut schöpfen für die Kämpfe der Gegenwart, für die Kämpfe der Zukunft. Der Blick auf die Vorbilder soll uns stählen und stärken für die Lösung aller Probleme. Und nun soll gerade das Gegenteil, die entgegengesetzte Meinung das Ziel unserer Bestrebungen markieren! Wie läßt sich eine solche Paradoxie erklären? Wie läßt sie sich auflösen und beseitigen?