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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-03-01 · Heft 3 (1.3.1908) · p. Seite 67

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 3 (1.3.1908)
Date
1908-03-01
Page
Seite 67 (sequence 21)
Language
German
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67 am 19. Februar statt. — Es dürfte wenig bekannt sein, daß an den großen Entdeckungsfahrten der Portugiesen — die ja gegenwärtig im Mittelpunkte des Interesses stehen und der Spanier auch Juden teilgenommen haben. Der erste Band der im Verlage von Ullstein & Co. erscheinenden „Weltgeschichte" berichtet über diese jüdischen Seefahrer und Kolonisatoren fesselnde Einzelheiten, Als Vasco da Gama in Asien landete, traf er einen Juden aus Posen namens Gaspar. Der Mann war über Jerusalem, Alexandria und Arabien nach Indien an den Hof des Sultans von Goa gekommen und lebte, nachdem er zum Islam übergetreten war, dort seit dreißig Jahren. Cr stellte sich^Gama vor, bat um die Taufe und erwies sich den Portugiesen nützlich, indem er ihnen nicht nur die Bezugsauellen für Spezereien angab, sondern auch Mitteilungen über die politischen Verhältnisse in Indien machte, die für Portugal von großem Werte waren. Gama nahm den neuen Glaubensgenossen mit nach Europa, und Gaspar begleitete dann die späteren Expeditionen wieder als Beirat. Auch Kolumbus hatte auf seiner ersten Fahrt einen Juden an Bord: dieser Mann galt als besonderes Sprachtalent und unterzog sich in Westindien mit Glück der Aufgabe, die Sprachen der Wilden zu studieren und mit den exotischen Völkerschaften eine Verständigung zu suchen. In Livorno machten die Mediceer viele portugiesische Juden ansäßig, und diese Juden trugen zur Entwickelung des Warenhandels von Florenz außerordentlich viel bei. Ganz Besonderes aber leisteten die portugiesischen Juden bei der Besiedelung von Brasilien und beider Einführung des Zuckerrohrbaues in den Antillen. - Die Berliner Hofopernsängerin Emmv Destinn hat in der Zunge ihrer Heimat, in tschechischer Sprache, ein sogenanntes Ghettodrama vollendet. Das dreiaktige Drama betitelt sich „Rache" und spielt im alten Prager Ghetto. - — Im Kaufmännischen Vereine in Frankfurt a. M. hielt der bekannte Pro sessor Dr. Delitzsch aus Charlottenburg einen Vortrag über: Babylonien einst und jetzt. Von dem Wüstenboden, der heute einen großen Teil des alten Babylonien bedeckt, braucht man oft^nur wenig abzuschürfen, um auf Überreste aus früheren Jahr tausenden zu stoßen. In ähnlicher Weise bieten sich bei der Betrachtung des Landes, wie es heute ist, ganz von selbst Erinnerungen an die Vergangenheit dar. Heute noch baut sich die ärmere Bevölkerung um Bagdad Strohhütten, wie sie schon zwei Jahrtausende vor Christus gebaut wurden, heute noch gemahnt der berühmte Schneckenturm in seinen Umrissen an die in Gallerien staffelförmig aufsteigenden Tempeltürme. Das Gebiet des uralten Kulturstaates Babylonien umfaßte kaum mehr als 100 km, eine Fläche, die etwa der von Oberitalien entspricht. Aber durch ein trefflich ausgebautes Kanalnetz gewann man dem Boden zwei- bis dreihundertfältige Frucht ab. Während im Norden des Landes mehr Ackerbau getrieben wurde, stand im Süden die Viezucht in Blüte. Es fand ein lebhafter Austausch statt, zu dessen Erleichterung wohl auch Gold und Silber als Zwischenglieder Verwendung fanden. Die Edelmetalle wurden nach bestimmten Gewichtssätzen zngewogen, nirgends haben die Ausgrabungen einen Anhaltspunkt für den Gebrauch gemünzten Metalles gegeben. Arbeit und Gesetz waren

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