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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-03-01 · Heft 3 (1.3.1908) · p. Seite 66

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 3 (1.3.1908)
Date
1908-03-01
Page
Seite 66 (sequence 20)
Language
German
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66 absolviert , bei ihrer Entlassung vom Seminar das Nabbinats - Diplom. Namens der neuen Rabbiner richtete Or-. Herman Schreiber an die Dozenten herzliche Worte des Dankes und des Abschiedes. Zur Bewerbung um den Joseph Lehmauuschen Preis war im laufenden Studienjahre zum zweiten Male die Aufgabe gestellt worben: „Untersuchung des Targnm Schein zu Esther auf seine Quellen". Der einzigen eingegangenen Arbeit, verfaßt voll dem Hörer der Anstalt, Religionslehrer O». Julius Wolfsohn, wurde der Preis znerkannt. Der Festakt wurde mit Gesang eines unter Leitung des Kantors Kochanowski stehenden Chors eröffnet unb geschlossen. -- Eilte hervorragende Persönlichkeit hatte mit Leo Tolstoi in JaßnajaPoljana eine Unterredung über die Judenfrage und teilt nun in dem Blatte „Tulskija Wjednmosti" die Worte mit. die der greise Dichter geäußert hat., Tolstoi sagte wörtlich: „Eine spezielle „jüdische Frage" darf es gar nicht geben. Alle Menschen sind Brüder. Die Hetzereien und Aufreizungen der antisemitischen Presse" werden auf anständige Leute keine wie inuner geartete Wirkung haben. Was nun die Frage der ^Gleichberechtigung betrifft, so dürfen die Juden als Menschen von dieser Gleichberechtigung nicht ausgeschlossen werden. Sie sind in humanitärem Sinne Brüder aller andern Nationalitäten und keine Einschränkung ihrer Menschenrechte darf geduldet werden. Meiner Ansicht nach liegt auch keine Notwendigkeit vor, die Assimilation der Juden mit den christlichen Völkern anzustreben, denn sehen Sie i Tolstoi machte dabei mit einem Stäbchen einige Zeichen), hier stehen Juden, hier Christen, aber über den Inden mld Christen erhebt sich das allgemeine Menschheitsideal. Diesem Ideal müssen Inden und Christen in gleicher Weise zustreben und dann wird die Assimilation von selbst kommen. Worin besteht dieses Ideal? In der Selbstvervollkommnung, im Wohltun nach Kräften unb in lebensfreudigem Sinn des wahrhaften Glaubens, der das Leben erneuert. Dieser Glaube muß nun von den Wucherungen befreit werden, die verschiedene Irrlehren der Juden und Christen erzeugt haben." Anl 18: Februar fand im Beisein des Herzogspaares die Einweihung der neuen Synagoge in Dessau statt. Das prächtige romanische Bauwerk ist aus der Baronin von Cohn Oppenheim-Stiftung errichtet. Auf dem neuen Friedhöfe für alle Bekenntnisse in Gießen wurde unter Gegenwart des Oberblirgermeisters und derisraelitischen Gemeinde jüngst die erste jüdische Leiche gebettet. Tie israelitische Gemeinde hat ein voll einem Weg umgrenztes Terrain und eine besondere Leichenhalle: auch beansprucht von ihr die Stadt das Recht der Wiederbelegnng der Grabstätten erst nach 90 Jahren ' bei den Andersgläubigen nach H0 Jahren >. — In Köln a. R h., fand die feierliche Eröffnung des Schwesternheims am 10. Februar statt. In Köln-Ehrenfeld, an der Ottostraße, auf weitem Terrain, durch Gartenanlagen mit dein Asyl für Kranke und Altersschwache verbrrnden, befindet sich dasselbe. Empfangszimmer, Speisesaal, Musikzimmer, Lesesaat und die Schtafräume > alles zeugt rwn einer liebevollen behaglichen Ausstattung, die Anerkennung für das aufopferungsvolle Wirken der Schwestern atmet. Dir Einweihung des 170 Betten fassenden Asyls für Kranke und Altersschwache fand

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