Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1908)
- Date
- 1908-03-01
- Page
- Seite 64 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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64 Last der Glaubensgesetze bedeute, so eulgegne ich: Diese Last war den Juden nie eine Last, denn es gibt kein Gesetz und keine Zeremonie, für die sich nicht ein sittlicher Untergrund finden ließe. Die Gesamtordnung des jüdischen Menschenlebens, des Individuums sowohl wie der Gemeinschaft, sollte durch dikse Normalien gründlich geregelt werden. Und wenn sie sich fragen, ob die jüdische Religion Thesen aufstelle, die mit dem philosophischen Denken zusammenznbringen unmöglich sei, so müssen sie sich selbst mit Rein antworten, Für jedes philosophische Forschen gewähren Thora und Talmud vollständige Freiheit ebenso auch für das historische und naturwissenschaftliche. Denn schon Talmud und Midrasch tragen deutliche Zeichen streng wissenschaftlicher Kritikversuche an sich. Die Thora bleibt Thora, auch wenn sie in hundert Teile zerlegt wird, auch wenn die Forschung beweisen will, daß sie ans spätester Zeit stammt. Sie hat den einzigen Zweck, Hen sittlichen Gottesbegriff festzustellen und Borschriften für ein jüdisch-sittliches Leben zu'geben. Ich bestreite aber, daß der Glaube an Gott einen Angriffspunkt für die freie Forschung bilden muß.' Der einzige freie „Glaube" ist das Judentum." Monatsscha«. Der zweite seitens der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler in Frankfurt a. M. augesetzte Bortrag des Direktors des Kunstgewerbe-Musenms zu Düsseldorf, Frauberger, wurde in der Frankfurt-Loge abgehalten.. Ter Gegenstand dieses durch viele Lichtbilder belebten Bortrags betraf die in den Synagogen verwendeten künstlerisch ausgestatteten Gegenstände. Wir erfuhren, daß die ältesten Thoraschreine tastenartig in der Form eines Kubus waren, im Innern mit Fächern versehen, in die die unbefestigten Thorarollen eingeschoben wurden, zuweilen horizontal lagen, oder, in Schrägstellnng .aufbewahrt worden sind: daß der Thoraschrein dann später in zwei Abteilungen zerfiel, von denen die obere die in Gebrauch befindlichen Thorarollen enthielt. Schon in dieser Zeit lvurden die Thorarollen entweder auf einem, meist auf zwei Stäben .an ihren Enden befestigt und erhielten einen Schmuck, der immer reicher wurde, und der die prächtigsten Ausstattungen in den italienischen Synagogen, namentlich in denen .des ehemaligen Kirchenstaates gefunden hat. Ter Vortragende ging auf die oft in Hochrelief.gestickten Thoravorhänge, auf die kostbaren gestickten oder in Spitzenarbeit hergestellten Wimpel, die als Bänder zum Zusammenbinden der Thorarolle Verwendung finden, aus die oft prunkvollen mit reichster