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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-03-01 · Heft 3 (1.3.1908) · p. Seite 62

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 3 (1.3.1908)
Date
1908-03-01
Page
Seite 62 (sequence 16)
Language
German
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Ich beabsichtige daher nur, Jhneil die Meinung einiger großer Männer über diese Frage und auch meine bescheidene Meinung zu geben, und bitte Sie, meine Ausführungen von dem Gesichtspunkte zu betrachten, daß ich hier kein Amt, sondern eine Meinung habe. , Bevor wir auf das Thema näher eingehen, müssen wir uns vor allem darüber klar werden : Was ist das Judentum? Auf diese Frage werden Sie die verschiedenstell Antworten erhalten: die einen behaupten, das Judentum sei heute nicht mehr das, was "es war, es sei nur mehr eine auf dieselbe Abstammung zurückgehende Volksmenge: andere bezeichnen es als Religionsgesettschaft, wieder andere als Nation. Biele auch sind der Ansicht, daß diese beiden Begriffe sich beim Judenrum teils decken, teils er ganze». So sagt Rießer: Unsere nationale Existenz ist, was bei anderen Nationen des Altertumes nicht der Fall war, die äußere Form, die Trägerill eines religiösen Daseins gewesen: dieses ist als der unvergängliche Inhalt aus der zerschlagenen Form hervorgegangeu: die Religion hat, urie der unsterbliche Geist, den sterblichen Geist, den sterblichen Leib des Volkstums überdauert. Als Nation würden sich unter zivilisierten Völkern Europas ebenso wenig Juden finden, wie sich Gothen und Hunnen unter ihnen finden: aber die Juden haben sich unter ihnen erhalten als Religionsgesettschaft." Gregorovius meint; „Das älteste, kosmopolitische Volk der Erde ist das hebräische. Zeine rätselhafte Tat, lange vor Sokrates, Seneea, Epiket, vor Alexander, Paulus und Mare Aurel war die Entdeckung der Einheit physischen und moralischen Kosmos, mit einem Worte des Monotheismus." Das Judentum hat nur dann eine Lebensberechtigung, wenn es nachtveisen föuiio, daß sein historisches Charakteristikon noch fortbestehe; dies könne aber nur die Religion und niemals die Nationalität attein sein, da diese letztere niemals das allein zusammenhaltende Element im Judentum gewesen sei. Für mich ist also bei der Relation „Judentum" lediglich das Judentum als Religionsgemeinschaft verstanden. Das ist übrigens auch selbstverständlich: denn , es wäre absurd, von einer Nation als solcher zu behaupten, daß sie der Wissenschaft und der Freiheit ihrer Lehre feindlich sei. Wenn wir nun das Judentum als Religion erklärt haben, so kommen wir zu der Frage: Wo setzt sich diese Religion in Widerspruch mit der freien Forschung, was ist in ihrer Grundlehre, der Bibel, der freien Forschung hinderlich? Wir können da vom Standpunkte des orthodoxen Juden absehen, für den es gar keine Frage ist, daß Gott es ist, der die Gesetze, der die Tora gegeben hat, usw. Diese Seite des Judentums hat nicht die Pflicht, noch auch das Streben sich mit den Ergebnissen der freien Forschung auseinanderzttsetzen.' Wir müssen aber auch für diejenigen, die die unbedingte Wahrheit dieser Dinge nicht anerkennen, eine Lösung finden. Ich behaupte nun, daß das Judentum jeder freien Forschung die Türe öffnet. Der Glaube an einen Gott ist das einzige, was das Judentum als Religion voraussetzt. Es gibt sonst keilt einziges Gesetz, noch weniger ein Dogma, das mit gleicher Unbedingtheit zur Religion

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