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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-03-01 · Heft 3 (1.3.1908) · p. Seite 61

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 3 (1.3.1908)
Date
1908-03-01
Page
Seite 61 (sequence 15)
Language
German
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— 61 — Wien ist der. Ansicht, daß der Zionismus durch kräftiges Betonen der Würde der jüdischen Nationalität nur nützen kann. Ein präcises Programm für die Lösung der Judenfrage lasse sich nicht aufstellen. Die Hoffnung aber bleibt, daß die Juden, die so viel überstanden, auch alles weitere Unheil überstehen werden. Dr. Heinrich Lilien sein schreibt: Wenn ein begabtes Volk wie das. jüdische die Kraft in sich hat, national selbständig zll sein, so findet es den Weg dazu aus sich heraus aber aus Kraft und nicht aus theoretischen Erörterungen. Friedrich Adler-Prag meint, der Hebel ist — man mag es in der modernen Zeit noch so sehr leugnen wollen - das alte religiöse Vorurteil, das mit der Kreuzigung Christi zusammenhängt und in allen christlichen Ländern von der ersten Jugend an den Kindern eingeprägt wird. Richtig hebt er hervor, daß man mit dem Hasse keine Dissonanzen löse und stellt die Forderung „Versucht es einmal mit der Gleichberechtigung und dann — nach Jahrzehnten — laßt uns wieder über die Iudenfrage reden." Richard Huldschiners Äußerung gipfelt in dem Satze: Wer an die hervorragende Begabung des Volkes glaubt, dem er angehört, der kann nur in einer Renaissance dieses Volkes im eigenen historischen Lande die Lösung des Problems erblicken. Carl Walter Goldschmidt erscheint die Taufe als Akt der Feigheit, Selbstsucht, Lüge und Heuchelei als ein etwas un Princip durchaus Unsauberes, stolzer und freier Menschen Unwürdiges. Der jüdische Geist und Charakter sei stark und eigenkräftig genug um auch in der Verschmelzung sich zu behaupten, und weiter zu entwickle«. Conxad Alberti erkennt nach dem Stande der heutigen Bibelforschung ebensowenig dem Christentum wie dem Judentum, die von gewaltiger historischer Bedeutung sind, keinen lebendigen Wert mehr zu für die heutige und die künftige Zeit. Er hofft, daß aus den reichen Keimen unserer Zeit eine neue Religion der Zukunft entstehen werde und schließt seine Ausführungen mit den Worten des Psatmisten: „Meine S^ele dürstet nach dem Gotte des Lebens". Der Frankfurter Schriftstellerin Leonie Meherhof (Hildeck) bleibt das höchste Ideal d^r Lösung der Judenfrage, der Gedanke einer so hohen Entwicklung der Menschheit, daß einer den anderen frei walten lasse und sein lasse was er wolle und nur nach seinem Menschensverte frage. Sie schließt ihre Ausführungen mit den Worten; Bereiten wir dem neuen Moses den Weg vielleicht, daß er erscheint und bilden wir uns und andere inzwischen zu Vollmenschen aus, damit jeder von uns durch sein lebendiges Beispiel dem antisemitischen Vorurteil entgegenarbeitet.. . - . ■ - Judentum und freie forfcbung. Ans einem Vertrage, gehalten in der Oesterreichisch-Israelitischen Union in Wien von Rabbiner Dr. Fcuchtwang.! Meine Damen und Herren! Sie iverden begreifen, daß ein Thema von solcher Bedeutung und von solcher Tiefe, wie das hier zur Diskussion gestellte, nicht in 'kurzer Zeit erledigt werden kann.

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