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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-03-01 · Heft 3 (1.3.1908) · p. Seite 57

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 3 (1.3.1908)
Date
1908-03-01
Page
Seite 57 (sequence 11)
Language
German
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entgegen, denn ihnen konnten ja die Vorteile und Aussichten nicht entgehen, die sich für geschäftskundige, kapitalkräftige und unternehmende Kaufleute auf dem Boden des so mächtig emporstrebenden englischen Freistaates, bieten mutzten, der soeben über die erste Seemacht der Zeit den Sieg davongetragen hqt. Im- Oktober 1655 kam Menasseh ben Israel nach London, einer jener holländischest Rabbiner, deren Züge uns durch Rembrandts Gemälde und Radierungen vertraut geworden sind. Er wollte für seine Glaubensgenossen eine neue Heimstätte unter der Herrschaft des Mannes suchen in dessen Person manche Juden die alte Messiasprophezeiung verwirklicht glaubten und dessen Stammbaum wie es heißt schon auf seinen Davidscheü Ursprung untersucht wurde. Wenige Tage nach seiner Ankunft veröffentlichte Menasseh seine Humble Adresses an den Protektor, worin er zun die Zulassung der Juden in England zu fördern in zwei Hauptstücken. ihre Nützlichkeit und ihre Treue zu betuetfeit sucht. Auch will er sie von den überall wiederholten drei hauptsächlichen Vorwürfen reinigen, dem des Wuchers, des Ritualmordes und der versuchten Christenbekehrung. Die öffentliche Meinung stand damals dem Plane einer Zulassung der Juden weit ungünstiger gegenüber, als vor einigen Jahren. Die Regierung aber ging sehr ernsthaft auf die Sache ein. Im Staatsrat wurde die Berufung einer Konferenz beschlossen, sie bestand aus den angesehensten Mitgliedern des Itaatsrates selbst, darunter Henry Lawrence, der Präsident. Auch mehrere Kaufleute, vor allem aber die bersthmtesten Theologen des Landes, darunter die besten Männer von Oxford und Cambridge waren zur Teilnahme herangezogen worden. Den Vorsitz führte der Protektor in Person. In den folgenden Verhandlungen war zunächst der grundsätzliche Beschluß gefaßt, daß der Zulassung der Juden ein gesetzliches Hindernis nicht im Wege stehe. Diese Zulassung selbst aber wurde mit nichtbn beschlossen. Den Geistlichen schien die Freigebung des jüdischen Kultus nach verschiedenen Seiten hin anstößig, die judaistischen Sekten meinten sie würden in der Synagoge einen Sammelpunkt erhalten. Ein Redner sah schon im Geiste die zum Judentum bekehrten Engländer gemeinsam mit den neuen Ankömmlingen dem Moloch Christenkinderzum Opfer bringen. Noch aufgeregter wurden die Verhandlungen, als man den Zutritt der Juden in den Handelsbetrieb des englischen Volkes diskutierte. Die Kaufmannschaft fürchtete die Konkurrenz der jüdischen Geschäftsleute. Einstimmig betonten die zur Kon fereuz gehörigen, sonne die fremd hereingekommeuen Kaufleute, die unsittlichen Grundsätze und Praktiken der Juden, um endlich zu dem Vorschläge zu gelangen, dieselben nur iu unbedeutenden Plätzen und Häfen zuzntassen und ihre Waren mit doppelten Zöllen zu belegen. Jetzt schritt Cromwell ein. Mit der Annahme eines solchen Vorschlages, wäre der Hauptnutzen, den er sich von der Zulassung der Juden versprach, die Erweiterung des britischen Handels illusorisch geworden. .Könnt ihr wirklich", rief er den ängstlichen Herren von der City zu, „euch fürchten, daß dieses verächtliche und verachtete Volk fähig sein sollte im Handel und Kredit die Kaufleute von England zu überflügeln, d. h. die vornehmsten und gewiegtesten Kansleute der ganzen Welt?"

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