Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1908)
- Date
- 1908-03-01
- Page
- Seite 56 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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56 habenden und handelskundigeu könnte, blieb dabei ganz aus diesen ihren Charakter, den sie es kein höheres Staatsinteress Gottes, sollte den worden waren. Ernste Männer wie Edwgrd Nicholas, die gewiß nicht durch jüdische Einflüsse von außen gewonnen waren, traten mit Schriften hervor, in denen sie der Zulassung der Juden das Wort redeten. Äer Nutzen den die Heranziehung der wohl jüdischen Kaufleute für das englische Geschäftsleben haben dem Spiele. Nur aus die Stellung der Juden als des auserwählten Volkes Gottes weist Nicholas hin, durch zahlreiche Bibelstellen belegt er auch zu seiner Zeit noch bewahrt hatten. Und so könne geben als die gute oder üble Behandlung des Volkes Zehen wir doch der Fürsten Günstlinge umworben, mit wieviel mehr Grund öhnen Israels, den Günstlingen Gottes eine höhere Verehrung gezollt werden als es bisher geschah." In einer im Jahre 1949 erschienenen Flugschrift zur Verteidigung der Gewissensfreiheit wird zwar nicht die Zulassung der Inden in England ausdrücklich empfohlen, aber doch in dieser Beziehung auf Frankreich, Holland, Deutsch- ' land und die Schweiz verwiesen, um zu zeigen, daß keine Religion mit irgend einer Staatsverfassung unvereinbar sei, wofern nur gute Gesetze da sind um eine Störnng des Friedens zu hindern-. . Bon hier au kehrt der Gedanke der Rückkehr der Juden in verschiedenen Gestalten wieder. Schon im Jahre- 1H4H wurde die an Fairfax und den Armenrat gerichtete Petition zweier jüdischer Personen aus Amsterdam überreicht, worin die Aufhebung der Verbannung, die Erlaubnis in England zu wohnen und Handel zu treiben nachgesucht wurde. Später tritt die Nachricht aus, daß die Juden von Holland für öÜOOOO Pfund Sterling die Paulskirche zu London zu kaufen wünschen um sie in eine Synagoge zu verwandeln, ja, daß' sie sie für weitere 200 MO Pfund Sterling wirklich erhalten würden. So abenteuerlich das klingt, so ist immerhin daran zu erinnern, daß dieses Angebot in eine Zeit fällt wo die Nlederl^gung und der Verkauf der Kathedrale in England grundsätzlich beschlossen war. Soviel ist gewiß, daß es als Eromwell zur Herrschaft gelangte etwas wie eine Judenfrage in England gab, oder genauer genommen eine Agitation zur Aufhebung der Gesetze, welche 1290 unter Eduard 1. die Austreibung der Juden zur Folge gehabt hatten. Es ist auch sicher, daß der Protektor von Anfang an dieser Agitation sympathisch , gegenüberstand. Eine kleine' .Schaar spanischer und portugiesischer Juden, di.e auch als Marranos die Inquisition noch zu fürchten hatten, lebte schon seit Jahren heimlich in London und war der Regierung nützlich geworden. Überhaupt wird inan ruhig aunehmen dürfen, daß das praktische Interesse, zumal die Rücksicht ans den britischen Handel, für die der Geschäftssinn der Juden ihr Geld, ihre Stellung im Handel mit Ost und Westiudien, mit der Levante, ihre Beziehungen in Hamburg von großem Nutzen zu werden versprachen, daß diese Riicksicht den Protektor ebenso sehr bestimmt habe, wie seine Verehrung für die Nachkommen der Helden des alten Testamentes. Wenn-nun also Erounvell selbst'als die treibende Kraft in der ganzen Sache angesehen ist, so-kam ihm doch auch das eigene Interesse der Juden weit