Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1908)
- Date
- 1908-03-01
- Page
- Seite 55 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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55 Laufe unserer ganzen Kulturgeschichte von anderen Nationen gelernt und wenn wir einen so hervorragenden Anteil an der Förderung der Weltkultur nehmen durften, so haben wir es jenem Grundsätze zu danken, der' lautet: „Lerne-von jedem Menschen und es sei die Ehrfurcht vor deinem Lehrer ebenso groß wie vor deinem Schöpfer." Diesen Ausspruch haben schon unsere alten Sittenlehrer getan und zwar 16 Jahrhundert vorder Zeit, in der es in Europa als ritterliche Ehre und adeliger Stolz galt von Niemanden etwas zu lernen. Noch im zwölften Jahrhundert Ließen die hohen Schloß- Herrn ihre Unterschrift von den Pferdeknechten besorgen, weil sie es für unwürdig hielten, sich in der Kunst des Schreibens zu üben. Wir haben uns nicht geschämt wie andere zu lernen, wir haben auch nicht in Abrede gestellt das, was wir von aaderey gelernt haben. Ja, wir haben von anderen Völkern viel gelernt und wir lernen noch heute von ihnen was wir nur lernen können, aber wir haben auch hinwiederum Aüderen vieles gegeben und auch den europäischen Nationen viel mehr als man uns zugestehen will. Das lassen sich allerdings große Nationen nicht gerne sagen. Wir brauchen uns aber deshalb nicht einschüchtern zu lassen, uns muß es zur Ehre gereichen und wir können stolz darauf sein, daß wir zu jeder Zeit und in jeder Kulturepoche, die dankbaren gelehrigen Schüler großer Nationen gewesen und die Lehrer noch größere geworden sind. M. /kickse! in seine« Lucke „Cromwell“ über die Zulafung der Juden in Lngiand. Der Gedanke der Rückführung der Juden nach England, welcher Cromwells Teilnahme erregte, gehört in die Geschichte der religiösen Bewegung der Zeit, er entsprang aus den Ideen des Puritanismus. Das Versenken in das alte Testament führte manche Puritaner zu hoher Bewunderung des Volkes Israel in Vergangenheit und Gegenwart. Seit 1642 hört man von der Entstehnng judaistischer Sekten, welche selbst die Beschneidnng ausübten. Einige ihrer Mitglieder bezeichneten sich selbst als Juden, einzelne gingen zurück nach Amsterdam und ließen sich dort in aller Form in die Synagoge aufnehmen. Die einfache Gottesverehrung bei dem Volke des alten Bundes und die Ähnlichkeit seines Messiasgedankens mit den enthusiastischen Hoffnungen des extremen Jndependentismus hatte es ihnen angethan. Mit dem Siege der puritanischen Sache in England nahmen die Schwärmereien die praktische Gestalt einer Agitation an, welche die Aufhebung der alten Gesetze bezweckte, durch die uittev Eduard i die Juden aus England vertrieben