Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 3 (1.3.1908)
- Date
- 1908-03-01
- Page
- Seite 51 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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51 alte Testament diesen Begriff stets umschreiben muß und zwar nicht blos ans euphemistischen Gründen. Ein wesentlicher Unterschied gibt sich ferner zwischen Nordnnd Südsemiten in Bezug auf mythologische Vorstellungen kund. Die Nordsemiten haben eine weitverzweigte Mythologie und führt die griechische Mythologie auf die Assyrisch-Babylonische zurück. Im Zusammenhänge damit besitzen die Nordsemiten eine ausgebildete Baukunst und Plastik. Phönicier erbauten den Salomonischen Tempel und die Paläste von Zion und Jerusalem. Dagegen hatten weder die Araber noch die Hebräer eine Mythologie und als verfehlt sind die Versuche zu betrachten die Bibel vom Gesichtspunkte eines babylonischen Astralsystems zu erklären und beispielsweise in Abraham einen Mondheros, in Josef einen Sonnengott, in König Saul den wandelnden Mond und in David und Salomo die auf- und absteigende Sonne zu erblicken. Nicht wie die Nordsemiten bauten die Araber und Israeliten Gott große Tempel sondern nur Zelte, von dem Gedanken ausgehend: „Der Himmel ist mein Thron und die Erde meiner Füße Schemel, welches Haus könnt ihr mir bauen, welchen Ort mir als Ruhestätte anweisen, da doch meine Hand das alles geschaffen". Die Nordsemiten haben Gott wohl Tempel erbaut aber der israelitische Geist hat den Glauben an die Einheit Gottes in's Leben gerufen. Eine bildliche Darstellung Gottes duldeten die Propheten nicht, darum gab es auch keine plastische Kunst bei den Israeliten, denn nicht das Bild, das Wort nur konnte sie begeistern. „Wie glühendes Feuer ist mein Wort, spricht Jahve, wie ein Hammer, der die Felsen zerschmettert" und nicht Menschenwerke sondern die lebendigen Werke Gottes in der Natur erregten Israels Bewunderung. In Kanaan haben die Israeliten lange Zeit den nordsemitischen Gottheiten geopfert aber schließlich hat doch der Monotheismus gesiegt. Auch in Arabien drang der Monotheismus zur siegenden Macht durch und es fehlte nicht viel dazu, daß die Araber das Judentum annahmen. Die Geschichte vom jüdisch-himjarischen König Du Nuwas ist historisch und das jüdisch-himjarische Reich (6 Jahrh. v. Chr.) hätte sich über ganz Arabien verbreitet wenn es der äthiopisch-christlichen Übermacht nicht erlegen wäre. So hat sich denn auch der Monotheismus im Islam zu einer Reinheit entwickelt, die das Christentum selbst nach der Reformation nicht erreicht hat. Im Islam ist wie im Judentum der Monotheismus eine moralische Forderung. Während das Judentum und der Islam Helden und Märtyrer aufweisen, zeigen sie beide doch in der Verfolgung anderer Konfessionen keinen solchen Fanatismus wie das Christentlun. Wenn auch die Bibel und der Koran auch strenge Vorschriften gegen die Heiden aufweisen, enthalten sie hinwiederum als Gegengewicht viele humane Gebote gegen die Feinde. Der Fanatismus bei den Juden im Mittelaller und in christlichen Ländern ist keine semitische Erbschaft sondern stammt aus den Verfolgungen und war durch die feindliche Umgebung bedingt und hervorgerufen. Der Islam kennt keine Inquisition, kein Autodafe und keine Ritualmordlüge und die Juden müffen die Kämpfe und den Heroismus ihrer Väter fortsetzen für einen Glauben deffen Reinheit noch keine andere