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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-02-01 · Heft 2 (1.2.1908) · p. Seite 39

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 2 (1.2.1908)
Date
1908-02-01
Page
Seite 39 (sequence 17)
Language
German
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mäunev, deren literarischer Niederschlag die Bibel ist. Beide Offenbarungen ergänzen einander: Auch die Natur ist Gottes Buch, Doch ohne Gottes Offenbarung Mißlingt der Leseversuch Den anstellt menschliche Erfahrung. Und von dem Offenbarungswert der Bibel bekennt selbst das Weltkind Goethe: Je höher die Jahrhunderte steigen desto mehr wird die Bibel znm Teil als Fundament, zum Teil als Werkzeug der Erziehung, freilich nicht von naseweisen aber von wahrhaft weisen Menschen benutzt werden. Was die Propheten als ..Daat Adonaj in die Herzen pflanzen ist nicht eine bloße Theorie von Gott, keine blasse Doktrin über die himmlischen Dinge, sondern ein innerliches Durchdrungen- und Erfüllt sein vom Göttlichen in Geist und Gemüt: Gemeinschaft mit Gott. Tie Propheten und andere Gottesmänner leben uns diese Gemeinschaft vor. Sie verkörpern das jüdische Lebensideal. An ihnen sott der Zögling es anschauen und es in seinen eigenen Witten anfnehmen. Möglichst frühe schon muß das kindliche Gemüt solchen Eindrücken und Einflüssen erschlossen werden. Nie wird Religion, sagt Herbart, den ruhigen Platz in der Tiefe des Herzens einnehmen, der ihr gebürt, wenn ihr Grund gedanke nicht zu den ältesten gehört, wozu die Erinnerung aufsteigt. So früh wir können, sotten wir die Kinder ins Heiligtum der Religion führen. Wenn ihr Geistesleben erwacht ist, müssen wir ihnen auch attgemach den Zusammenhang mit Gott sichern. Das geschieht in der Schule durch Vorbilder in Geschichte und Leben. Anschaulichkeit und Lebendigkeit ist die oberste Forderung. Nichts Papiernes, nichts Doktrinäres, nichts Theologisches! Wieder und wieder müssen wir sie in Verkehr mit den lebendigen Frommen der Vorzeit bringen. Bezieht sich doch auch die Offenbarung Gottes auf lebendige Persönlichkeiten, nicht auf Schriften. Wenn ich meine Bibel lese, so finde ich darin wohl: Der Ewige sprach zu Mose, nie aber: Diese Schrift ist von Anfang bis zu Ende wie sie dir jetzt vorliegt von Gott geoffenbart. Nur Menschen, nicht Schriften werden' inspiriert, d. h. vom Gottes-Geiste angeweht. Der Iiuach hakkodeseh der heilige Geist ruht nur in dem Sinn auf Büchern, daß sie von geistgesatbten Menschen geschrieben sind. Der jüdische Retigionslehrer sott den Zammenhang mit Gott seinen Zöglingen Vorleben. Gewiß sott er ein moderner Mensch sein, er sott in der Gegenwart wurzeln und erschlossen sein für ihr Ringen und Suchen und Fragen und Verlangen. Von dem Wettengang der allgemeinen Zeitströmung luirb auch der Religionsunterricht be rührt werden. Aber eines darf er nicht vergessen, was Fechner so ausgedrückt hat. Alles Allgemeinste, Höchste, Tiefste, Leute, Feinste, Fernste ist seiner Natur nach G l a u b e n s s a ch e! Der Retigionslehrer muß überzeugter Jude sein, das Feuer das er anfachen will muß in ihm leuchten. Er muß erfahren und erlebt haben, was durch sein Wort das

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