Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1908)
- Date
- 1908-02-01
- Page
- Seite 29 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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29 bewegen kann die einer Wiederlegnng nicht bedürfen. Hat ja Herr Prof. Delitzsch es sogar selbst in diesen seinen Vorträgen mit besonderer Befriedigung hervorgehoben, daß das zu erhoffende jüdisch messianische Reich in. jüdischen Kreisen jals die Zeit definiert wird: „wo die wahre Erkenntnis und Verehrung des einzigen Gottes so verbreitet sein wird auf Erden, daß alle Volker einmütig den Allvater verherrlichen, einander brüderlich lieben, und durch Bruderliebe, Gottesfurcht und Tugend beglücken werden". Solche Ideale für die Zukunft wachsen nur ans Idealen der Vergangenheit. •>e<? Ori«zipie«trr»e. Von Rabbiner I>r. Tanzet. Göppingen. Gottes Mühten mahlen bekanntlich langsam, aber sicher. Und wenn auch in jiidiichen Angelegenheiten besonders langsam, doch mahlen sie immerhin, und keinerlei dem Judentume zugefügter Schaden entgeht ihnen, komme er von böswilliger Feiudes- oder gutmeinender Frellndesseite. Das Judentum hat ja von jeher nicht nur Feinde, sondern auch Freunde gehabt, gegen die es Gottes Hilfe anzurufen hatte. Man mag über Parteiprinzipien denken, wie man will, oder auch nicht denken, wie es zumeist der Fall ist; jedenfalls aber nötigt das Prinzip auch dessen Gegner Achtung ab, bildet Prinzipientreue die erste Tugend jedweder Partei. Einer Partei, die um ein Prinzip sich schart, dieses mit Konseguenz und Offenheit vertritt, wird auch der Gegner Achtung zollen, auch wenn er, ebenso offen und kottseguent, das Prinzip und seine Berechtigung bekämpft. Verlustig dieser Achtung aber wird und muß jene Partei gehen, deren Prinzip eben in ihrer Prinzipienlosigkeit, deren Programm darin besteht, keines zu haben. Eine Partei ohne klares Prinzip hat überhaupt keine Daseinsberechtigung und ist keineswegs befugt da mitzureden, wo des Lebens ernste Fragen erwogen und von prinzipientreuen Gegnern über ernste und edle Ideale entschieden werden soll. Eine solche Partei ist auch niemals um ihrer selbst willen da. Sie wird vielmehr erzeugt und erhalten durch die schroffe Gegnerschaft zweier anderer Parteien, zwischen denen sie vermitteln will. Vermitteln, das hört und liest sich so angenehm, Friedensschalmeien umsäuseln das Ohr, in der Vorstellung sieht man schon die erbittertesten Gegner sich freundschaftlich umarmen, alle Streitäxte sind begraben und die ehemalige Prinzipientreue steht als Leichenstein über den Gräbern.