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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-02-01 · Heft 2 (1.2.1908) · p. Seite 27

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 2 (1.2.1908)
Date
1908-02-01
Page
Seite 27 (sequence 5)
Language
German
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27 zum Vorbild dienen kann, so müssen wir meint Delitzsch auch sonst noch die Kirchentiiien und -Fenster aufmachen um eine Menge von Stand, der sich im Laufe der Zeiten an das goldene Gefäß des Gottesglaubens, angesetzt hat, abzustoßen und zu beseitigen und haben alle veralteten Volksvorstellungen und Phantasieprodukhe mythologischer Tenk- und Anschauungstveise innerhalb unserer geklärten religiösen Gedankenwelt nicht länger Platz. Wir müssen alles Irdische, Irrige ans dem Inhalt unseres religiösen Denkens ansschatten. Wir sotten ferner kein Ärgernis geben mit der zwaygsweisen Durchsetzung unverständlicher dogmatischer lehren, sondern wir sotten die auf lebendige Herzensfrendigkeit hinzielende Lehre vom Gottesreich ohne Falsch und Heuchelei zu Ausdruck bringen. Biele unrichtige Gedankenvorstettungen haben sich in der Religion fortgeerbt durch die üblichen Bezeichnungen: Davidssohn, Menschensohn, Gottessohn, welche für den Messias int Gebrauch waren. Delitzsch geht in seinen Vorträgen kritisch an die Dogmen im Christentum heran und beleuchtet sie im Geiste unb nach dem Stande der heutigen theologisch - historischen Wissenschaft: Cr weist darauf hiil^ daß die falsche Übersetzung des hebräischen Wortes rrinmlr mit „Jungfrau" in der vielgenannten Stelle i Jesaja 7, 14), zu einem Dogma Veranlassung gewesen, das der Menschengeist nie und nimmer anerkennen kann. Schon die Znrückführung der Abstammung von Joseph auf König David in den Evattgeliett Matthäus und Lukkas weist dctrauf hin, daß er als leiblicher Vater des Jestt vott Nazareth galt. Durch die Entdeckung einer Palimpsest Handschrift auf dem Sinai durch die Forscherin Mrs. Lewis, welche die vier Evangelien in syrischer Fassung enthält, deren Text nach den Ergebnissen der) Wiffenschaft um 2un Jahre älter ist, als die griechischem Evangelien, die unserem Bibelßexte zu Grunde liegen, ist es klar, daß Joseph der Sohn des Jakob dem die Jungfraü Maria verlobt war Jesum zeugte, der Messias genannt wurK l Matth. 1, 161. Es gilt in Bezug auf das Dogma diesen ursprünglichen Bibelworten klar ins Auge zu sehen und, die Conseauenzen aus denselben zu ziehen. Die Erzählung von der jungfräulichen Gebyrt Jesu, die mit der mißverstandenen Schriftstette aus dem Propheten Jesaja zusammenhängt ist in das Gebiet. der neutestamentlichen Legende zu verweisen, die schlechterdings Mit einer inneren geläuterten Gottesanschauung unvereinbar ist. „Wenn Luther" so schließt Delitzsch seinen ersten Vortrag „die Erkenntnisse der von ihm begründeten theologischen Wisienschaft jetzt überschaute, .er würde seine Weiterbildung der Religion, sein Reformationswerk von neuem wieder aufnehmen." Seinen zweiten Bortrag beginnt Delitzschmit dem Hincheis darauf, daß die Evaltgelisteil unb Apostel das alttestnmentliche Wort oft mißverstanden haben, denn nicht der Urtext der Schrift sondern die griechische Übersetzung ^SeptuLMnta" war die Bibel der griechischen Diaspora und die der christlichen Urgemeinde. Es, ist zu beklagen, daß Dogmatik schon frühzeitig die Vorstellung der Christenheit auf Ahwege ntythologischen Aberglaubens geführt hat und daß der kaum erst überwundene heidnische Polytheismus unter anderer Gestalt seinen Einzug in die Kirche hielt, die sich doch endlich darauf

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