Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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mußten fast bis zur Hälfte des vorigen Jahrhunderts Gottes Wort in Jargon anhöreu, damit die Gebildeten davon angeekelt würden.1) Die erste Taufperiode deckt sich mit der Regierungszeit Friedrich Wilhelm nl.. während derer die religiöse Reform von oben herab unterdrückt wurde. Die zweite Taufperiode begann mit der Hochflut der antisemitischen Bewegung und hat ganz andere Grunde als den Liberalismus im Judentum. Möge doch die Orthodoxie, ehe sie" solche erhebt, an ihre Michael Bernaus, Selig Cassel, Frensdorfs und zahllose andere denken!2) ^"Nicht infolge der liberalen Neugestaltung des Judentums, sondern troy ihrer hörten die Taufen nicht auf, weil die Nützlichkeiksmoral bei den Menschen, wie sie nun einmal sind, vielfach über die Sittlichkeitsmoral den Sieg davon trägt. Was das Verhältnis des Liberalismus im Judentum zur Taufe anbetrifft, so möge sich die Orthodoxie von einem christlichen Missionsblatt belehren laffen, in welchem es'heißt, „daß dasBekehrungsgesch ist seit dem Aufkommen des Reformjudentums schlechter geworden sei". * Aus der bitteren Notwendigkeit der Zeit.entstand im vorigen Jahrhundert das liberale Judentum, weit das orthodoxe Judentum feine Kinder j nicht festhalten konnte, weil die Jugend der Orthodoxie und somit, da es nur ein orthodoxes Judentum gab, dem Judentum entlief, so wie sie gebildet geworden war^ Damals kamen die liberalen Rabbiner zusammen und sprachen: So kann es nicht weiter gehen! llud sie schufen für die Tausende, für die Hunderttausende, die sich vom orthodoxen Glauben und Leben nicht festhalten ließen, dss liberale Judentum: schufen es nicht nach Willkür, sondern aus der tiefen wissenschaftlichen Erkenntnis des Wesens des Judentums heraus: schufen kein neues, sondern gruben aus dem Schutt und Geröll der finsteren Jahrhunderte das uralte verschüttete prophetische Judentum in all seiner funkelnden Herrlichkeit heraus, das Judentum, von dem Mv'e sagen konnte: „Es ist eure Weisheit und eure Bedeutung in den Augen der Völker." Dieses liberale Judentum hat bei den Frankfurter Gemeindewahlen gesiegt, und hoffentlich lvird dieser Sieg das Signal sein zu einem neuen Erwachen des liberalen Judentums in Deutschland. l) Vergleiche hierzu und zum folgenden Samter, Judentansen pa<r..29, 30 und 74. ■ “) Und w'e steht es mit dem Judentum in Ländern in denen es offiziell n r ein orthodoxes und kein Reforinjndenrum gibt, m Italien, Frankreich hsw .' Dagegen scha-e man aus das kraftvoll sich entwickelnde amerikanische Judentum!