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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1908-01-01 · Heft 1 (1.1.1908) · p. Seite 5

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
27 (1908)
Issue
Heft 1 (1.1.1908)
Date
1908-01-01
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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5 Ja, noch mehr^ was ist denn die Wissenschaft anders, als die Verherrlichung des Geistes selbst? Sie ist der Geist, der sich gleichzeitig in der Ordnung der Dinge und im Bewußtsein des Menschen wiederfindet. Wie wäre die methodische beglaubigte Erkenntnis, welche die Wissenschaft ist, möglich, ohne die drei Begriffe des Gedankens in der Welt, des Gedankens in uns und der engsten Verwandschaft zwischen leiden. Aber da dies Sache der Erfahrung ist, so ist es offenbar, daß eine einzige und gleiche geistige Kraft es ist, die sich in der Unendlichkeit der Erscheinungen offenbart. Je mehr wir in das Innere der Natur und in's Innere des Bewußtseins eindringen, in dem Maße wie unter unseren geblendeten Augen die Hüllen fallen, die Verbindungen und Harmonien sich auflösen, die wunderbaren Berechnungen sich unterscheiden laffen, welche das geringste Natursystem zur Voraussetzung hat, in dem Maße wie der Reichtum der verwirrenden Erscheinungen zu Tage tritt, den die erhabene Einfachheit der Gesetze gebietet und Zusammenwirken läßt, enthüllt sich mehr und mehr die schöpferische und ordnende Kraft des Geistes, in solchem Grade, daß wir sagen können daß die Wissenschaft, welche bei ihrem ersten Schritte ein Gebet an den Geist war, schließlich zum glänzendsten Lobgesang desselben wird — des Geistes, der der lebendige Gott ist. Und das ist nicht Alles. Diese Vernunft, auf die Ihr so stolz seid, diese Vernunft, die die Oberherrschaft für sich in Anspruch nimmt, die sich sell st lenkt und schützt, woher nimmt sie diese Zuversicht ihrer Ül erlegenheit? Woher ninuut sie die Kühnheit und das Recht, sich ihre unvergleichliche Stellung zuzuweisen? Woher kommt es ferner, daß je mehr ein Mensch sich vernunftgemäß verhält, er desto mehr sich seines Adels bewußt wird? Und dennoch bist Du es nicht, Eintagswesen, so klein, so schwach, so ohnmächtig, Du bist es nicht, der aus eigner Machtvollkommenheit eines aus physischchemischen Elementen zusammengesetzten Wesens irgend einer Deiner Fähigkeiten ihren hervorragenden Wert mitteilen kann! — Nein, Ihr fühlet wohl, daß da etwas vorhanden ist, das unendlich überlegen ist EurerJndioidualität, allen Individualitäten, wie allen Gesamtheiten, Ihr fühlet, daß da etwas vorhanden ist, das an der ewigen Wettordnung teilnimmt. Allein die oberste Realität trägt in sich ihre Rechtfertigung, die Gewißheit ihrer Gesetzmäßigkeit und ihrer selbstherrlichen Rechtsprechung. Was heißt dies anders, als daß die Vernunft, indem sie ihre Vorherrschaft im Reiche der Erkenntnis, behauptet, auch gleichzeitig die Existenz eines ewig und universell ordnenden und gesetzgebenden Prinzips behauptet. Also am Ende aller Wege zur Natur und zum Gedanken, wofern mir uns nicht unterwegs aufhalten, und uns auf Seitenpfaden verlieren, stoßen wir auf den lebendigen, persönlichen Gott — Geist, der die Hauptlehre des Judentums ist. Einige werden uns vielleicht zurufen; Geht nicht zu schnell, und namentlich geht nicht zu weit! Wir geben Euch gerne zu, daß es etwas gibt, das über unser Begriffsvermögen geht, ein Höchstes, das für unsere Mittel der Erkenntnis unauflösbar ist; aber gestehet, daß Ihr das Ganze dieser Realität nicht kennt und nennt sie mit uns das Unerkennbare. — Nein! Wir können uns nicht mit dieser einfachen Feststellung

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