Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 27 (1908)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1908)
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Für uns ist der Glaube nicht denkb, li Der Vernunft erkennt das Fudentui r zu, an sie wendet es sich zur Gelter bi hetzt: „Höre. Israel"; „höre", M Die jüdische Lehre stellt sich einstimmung mit der allgemeinen Bern! 4. 6). „Beobachtet meine Ge'ote, in den Augen der Völker". „Diese nicht im Himmel . . es ist nicht du hast es in deinem Munde und r ohne die freie Zustimmung der klaren Erkenntnis, das Recht der Beurteilung und das der Leitung machung seiner höchsten Glaubenssätze, — wie es brauche deine Urteilskraft, erfasse mit deinem Geiste. x als eine, die ihren ganzen Wert aus ihrer Überijuft herleLtet. Wir lesen in der Schrift: (I>msronamwm wird eure Weisheit und euere Vernunft sein Lehre hat nichts Übernatürliches: Dieses Gesetz ist jenseits des Meeres . . . Nein, es ist nahe bei dir, in deinem Herzen, um es beobachten zu können." dri tas (Deuteronomium 30, 11—14). > Wenn der Prophet das Bild des Reichs der Zukunft zeichnet, ruft er aus: .Voll wird die Erde sein von der Erkeuni »is Gottes wie der Meeresgrund von den Wassern, die ihn bedecken." (Jesaias 2.9). Ich will hier von vielen stellen nur das schöne Wort Abraham Jbn Esras hervorheben: „Die Vernunft ist des: Engel zwischen Mensch und Gott". Also immer ist es die Vernunft, die E kenntnis, die Einsicht, die Weisheit, an die man sich wendet und nicht der blinde Glaube, der als solcher das Heil mit sich brächte. Wenn es Systeme gibt, die verlangen, daß man auf das Denken verzichte, um zu glauben, ist es bei uns anders. Wir trennen nicht den Glauben von dem Denken. Wir behaupten also, daß die Grundlehren des Judentums sich auf die Vernunft stützen und sich an sie wenden. Welches sind nun diese Grundlehren? Zunächst die Behauptung, daß es einen lebendigen Gott gibt. Es ist die Verkündigung, daß der Mensch im Ebenbilde Gottes geschaffen ist, modern ausgedriickt: die Hervorhebung der Menschenwürde und es ist dann der Messianismus oder der Glaube an den Fo tschritt durch sittliche Arbeit. Mit anderen Worten, es ist die Religion deren Prinzip, deren Gesetz und deren Endzweck der Geist ist. Der erste wesentliche Lehrsatz ist der, daß die Realität im Grunde Geist ist. Es gibt eine ewige Unmittelbarkeit in der Arbeit des Lebens und Denkens, eine Tätigkeit voll unerschöpflichen Trieblebens, das in jedem Augenblick des Daseins in eine Unendlichkit von Schöpfungen überfließt, das nicht nur Werke wirkt, sondern wie man gesagt hat, Wirkende ivirkt. Diese Schöpfungen erheben sich in der Tat zu einem immer deutlicherem Bewußtsein und gelangen beim Meiischen bis zur Persönlichkeit d. h. zur bewußten Einheit des Besonderen und des Universellen, zur Vorstellung vom Heeren Ich. vom geistigen und sittlichen Ich. Wenn der Geist sich über sich selbst Rechenschaft ablegt und als Zeichen der Wahrheit nur sein eigenes Licht qnnimmt, so verkündet er damit, daß das Höchste in der Welt, die Persönlichkeit ist, und daß je mehr ein Wesen der Vollendung zustrebt, es desto mehr deren Stempel trägt. I Das Genie ist das Vollkommenste-und auch da-