Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 11-12 (1.11.1906)
- Date
- 1906-11-01
- Page
- Seite 271 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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So ist auch das Letzte Wort tes Rabbinismus über das Leid im vollem Einklang mit dem prophetischen Bewußtsein vom duldenden Gottesknecht eine Verherrlichung des Heldentums, das stark! bleibt in aller Heimsuchung und mit dem Psalmisten betet in allen Nöten: Gelobt sei j©ott, der nur nicht entzogen hat seine Gnade — mein Gebet?) -»smttskbmi. Der Ausschuß des Verbandes der Synagogen-Gemeinden Westfalens. nahm in einer Sitzung am 14. Oktober, in der er sich eingehend mit dem Rosinschen Gesetzentwürfe beschäftigte, nach längerer Debatte folgende Resolution an: „Die religiösen Gegensätze innerhalb der preußischen Judenheit sind so groß, däß sie die Einheit in der Religiönsübung ausschließen. Der Rosinsche Gesetzentwurf abeb sieht die Schaffung religiöser Oberintzanzen vor, die nach einheitlichen kirchlichen Satzungen die jüdische Religionsverfaffung ausÜauen und die Beobachtung der Religionsgesetze in den unteren Verbänden überwachen sollen. Diese Einrichtungen müssen bei den; ©egen* sätzen notwendig zu Gewissenszwang führen. Der Ausschuß des Verbundes der Synagogengemeinden Westfalens lehnt deshalb den Rosinschen „Entwurf eines Gesetzes über die Organisation der israelitischen Religionsgemeinschaft in Preußen" einstimmig unbedingt ab. Dagegen hält er eine Gesamtorganisation der preußischen Judenheit unter völliger Wahrung der religiösen Autonomie der Synagogen-Gemeinden zur Förderung der gemeinsamen Interessen, insbesondere auf dem Gebiete der Verwaltung und sozialen Fürsorge für erstrebenswert." — Ir der Zeitschrift Hie Christlich^ Welt (N. 40 u. 41) veröffentlicht Paul Fiebig einen Aufsatz „Jüdische Gebete und da^ Vaterunser" im Anschlüsse an die Schrift Eschelbacher's „das Judentum und das Wesen de^ Christentums". Aus seinen Ausführungen bleibt der Schluß beachtenswert: Uns Christen liegt es ganz fern leugnen zu wollen, daß im Judentum genau dasselbe an sittlichen und hohen und Liefen religiösen Gedanken auch mit enthalten ist, wie im Christentum. Auch das ist klar, daß man Jesu Originalität überspannt, wenn man in jefcenjr seiner Worte etwas Neues in jeder Beziehung sucht. Keine einzige der Bitten des Bajerunsers bietet etwas für Juden schlechthin Unverfchwingliches dar. Wir Christen werden, auch viel auf rabbinischem Gebiet lernen müssen, um nicht im Einzelnen fort und fort fehl zu greifen und die Polemik der jüdischen Gelehrten herauszufordern. Die Zusammenhänge der Gedanken und Worte einer großen Persönlichkeit mit den Gedanken und Worten ihrer Volks- und Zeitgenossen hervorzukehren und darzustellen ist eine nicht nur berechtigte, sondern zur Beurteilung der Originalität dieser Persönlichkeit unentbehrliche Aufgabe. Die Erforschung des Urchristentums kränkt noch immer an der mangelhaften Kenntnis ') v 66, 20.