Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 11-12 (1.11.1906)
- Date
- 1906-11-01
- Page
- Seite 269 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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269 des 17. Psalms vernehmen: „In mich beim Erwachen an deinem Bewußtseinsinhalte, welche den Frommen als durch die Prophetie gesichert feststanden. Sie haben ihre Stellung schon früt er im Gebetsleben, der wertvollsten Äußerung des religiösen Geistes, behauptet, so he tzt es am Schlüsse des 16. Psalms^ „Du lehrst mich kennen den Pfad des Lebens, die Fülle der Freuden in deinem Antlitz, die Holdseligkeit deiner Rechten, Sela." Die ein Kommentar dazu läßt sich der Schlußakkord Nerechtigkeit schaue ich dann dein Antlitz, sättige Bilde." Der Spruchdichter hat bereits den philosophischen Ausdruck Almawet *) Unsterblichkeit geprägt und preist den Frommen wegen seiner Furchtlosigkeit in der Todesstunde?) In der späteren prophetischen Predigt wird der Auferstehungsglaube vorausgesetzt, so daß die Auferstehung als Bild der Volksverjüngung gebraucht wird?) In der Zeit vor den hellenischen Wirren«) ist der Auferstehungsglaube klar in seinem Zusammenhang mit dem Be:geltungsglauken erfaßt worden. In diesem letzteren Moment hat der Unsterblichkeitsgedanke seine kräftigste Wurzel. Das ist die Iranscendente Lösung der Theodicee: Der Ausgleich zwischen Tugend und Geschick findet in jener Welt statt. Das war auch die psychologische Nötigung der Propheten, immer wieder ans einen nahen Gerichtstag hinzuweisen. Sah man in der Gegenwart den Widerstreit zwischen Tugend und Glück, so mußte gewiß und wahrhaftig die Zukunft den Triumph des Guten und die Niederlage des Bösen bringen, denn Gottes Gerechtigkeit kann nicht zu Schanden werden. Es ist interessant zu sehen, wie seit dem Auftreten der schriftstellernden Propheten immer klarer und schärfer sich der Gedanke des kommenden Gerichtstages ausspricht. Bei Nahe ist des Ewigen Tag. Amos') droht: Für- Joel 7) malt ihn als den furchtbaren und großen Tag ils den Tag des Gottes der Heerschaaren wider Äi sieht so lebhaft die Schrecken des nahenden Gerichtes, daß er ausruft: Klaget übw den Tag, und bei Zephanja ist er der Tag des Grimmes.") An zwei Stellen ist mit bewundernswerter Prägnanz und Konsequenz auf die Antwort hingewiesen, die das Dogma des Gerichtstages auf die Bedenken gegen die Gerechtigkeit Gottes gibt. Der Dichter Habakuk") klagt über Unrecht und Gewalttat, die ihm täglich vor die Augen treten und die Gott scheinbar stillschweigend mitansieht. Darauf ") zeigt er den Ausweg, das Weltgericht wird die göttliche Gerechtigkeit in ihrem vollen Strahlenglanze offenbaren. Genau dieselbe Dialektik wendet Maleachi an. Den Skeptikern, die da am Gotte der Gerechtigkeit irre geworden sind, die da sagen?») wer böses tut, scheint wohlgefällig in d m Augen Gottes und fragen: Wo ist der Herr des Rechts, ruft er drohenh zu: Ich bringe Euch zum Gerichte!") Obadja*) heißt es ganz allgemein : wahr Finsternis ist des Ewigen Tag des Herrn, Jesaias^) schildert ihn alles Hohe und Stolze. Ezechiel ') Spr. 12, 18. . |2) Spr. 14, 4) Dan. 12, 2 u. Jes. 06 Schluß. °) 1, 15. ») 1, 2, 4, if a 1Ä) 32. 3) Jes. 26, 9 27, 6. vgl. dazu die Cmt. u. Ez. 37. *) v. 15. «) 5, 20. 7) 3,9. *) 2, 13. •) 30, 2. 2, 1-4. l3) 2, 17. ") 3, 5