Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 11-12 (1.11.1906)
- Date
- 1906-11-01
- Page
- Seite 261 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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261 Auf seiner Weiterreise über daselbst mit Juden zusammen. einer bis nach Sibirien! — 261 — lei war mir unerträglich; ich fogjte immer nur, was ich dachte, ob ich gleich nicht alles sagte, was ich dachte. Das heilige Palladium der Menschennatur sind die Gedanken unter der Ägide der Vernunft; ^rnd es wird hoffentlich niemals jemand gelingen, es zu zerstören." Er gab ias Studium der Theologie auf, verließ Leipzig, um schweren Kämpfen entgegen zu geben, die seiner harrten. Er beschäftigte sich von nun an, soweit es die Zeit ihm erlaub e, mit Klassischer Philologie und Philosophie. Im Anfänge des vorigen Jahrhundert':s, 180ll trat er von Dresden aus seine berühmte Fußreise nach. Sicilien an, welche er selbst in seinem „Spaziergang nach Syrakus" beschrieben. Aus diesem Werke, das den edl^n Charakter Seumes, seine Gerechtigkeitsliebe, seine Humanität, seine Überzeu zungstre^e offenbart, wollen wir einiges hervorheben, was für uns Juden besonders In eresse hqt. Im Dezember 1801 kam er nach Budin a. d. Eger, suchte hier einen Juden, namens tLazar Taußig auf, und borgte sich aus dessen Bibliothek ein Werk des Philosophen ^ant. Seume erzählte hierüber: „In Budin, einem Orte, wo allgemeine Ver assenheit! zu sein scheint, traf ich bei dem Juden Lazar Taußig eine kleine Sammlung guter Bücher an, und ließ mir von ihm, da er Lessings Nathan einem Freunde geliehen ha te, auf dejn Abend Kants Beweisgrund zur einzig möglichen Demonstration über das Dase n Gottes geben." Diese Bemerkung ist kulturhistorisch sehr interessant. In Budin, einem iveltvergessenen Orte Böhmens, sehen wir bereits im Anfänge unseres Jahrhvndertes pie Juden teilnehmen an moderner Wissenschaft und sich mit Dichtern und Pfilosopheijl beschäftigen. Prag nach Deutschbrod trifft er in einem Wirtshause „Es erschienen nach uns, so berichtet Seume, eine Menge Juden, Glashän! >ler, Tahuletkrämer und Kastenträger aller Art, von denen an den Jenisei zu handeln vorgab. Die Gesellschaft trank, sang und zankte sehr hoch, ohne sich um meine Ästhetik einen Pfifferling zu bekümmern; und zur Nacht schichtete man uns mit den Hebräern so enge auf das Stroh, daß ich auf dem britischen Transport nach Columbia kaum gedrückter eingelegt war." Kein Wort des Unmutes entfahrt darob Seumes Lippen, vielmehr erklärt er : Solche Abende und Nächte mußten schm mit Ungerechnet werden, als wir zuhause den Reisesack schnallten.* Nebenbei möge hier! gleich erwähnt sein, daß Seume bei seiner späteren Reise nach Rußland mit Juden, Welche, wie er in „Mein Sommer 1805" erzählt, als die besten Fuhrleute bekannt sind, von Grodno nach Kovno fuhr. In Kovno traten wiederum andere jüdisch! Fuhrleute an deren Stelle. Seume erzählt hierüber: ' „Es ist nirgend mehr das plpierne Jahrhundert als in Rußland. Als ich mit den 9 jüdischen Fuhrleuten in Mau abschloß, ließ der Gorodnitsche oder kaiserliche Stadtpfleger, der die Stadt pflegt oder sich von ihr pflegen läßt, sogleich einen schriftlichen Kontrakt aufsetzen, wofür ich einun silbernen Rubel zahlen mußte. Ich und die Juden wären ohne einen Buchstqben Tinte in Einigkeit zusammen bis nach Jrkutzk gezogen."