Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 11-12 (1.11.1906)
- Date
- 1906-11-01
- Page
- Seite 260 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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260 er am Schlüsse seiner Vorrede zu „Mein Sommer 1805": „Was auch mein Los sein mag, ich bleibe fest in meiner Überzeugung: Es gibt nur eine Tugend, und diese Tugend ist Gerechtigkeit. Gebe der Himmel, oder vielmehr, hälfen die Menschen, daß sie in Zukunft nicht rnehr so rft entweiht werde, als es bis jetzt die Geschichte zeigt." Solche Männer sind selbst heute selten zu finden und verdienen daher, daß ihnen ein Blatt der Erinnerung gewidm werde. Auch findet sich manches in seinen Schriften, was für uns. Juden besonderes Interesse hat, jedoch meines Wissens bisher unbeachtet geblieben ist. Seume, geboren 1763 als Kind armer Eltern, wurde frühzeitig in die Bibel eingeführt. Schon im Alter von 14 Jahren besaß er eine gründliche Bibelkenntnis. Seume schreibt hierüber in seines Selbstbiographie „Mein Leben": „Damals gewann ich eine solche Festigkeit und Gewandtheit in der Bibel, daß ich nur selten einen Spruch nicht angeben und hersagen konnte, der verlangt wurde. Ich wußte sehr viele Psalmen und fast alle Evangelien auswendig." Aber nicht btos in der Luther'schen Übersetzung kannte Seume die Bibel, sondern perstand auch das hebräische Original zu lesen. Die Anfangsgründe im Hebräischer lernte er beim Rektor Korbinsky in Borna, betrieb es aber besonders eifrig an der geben hatte, run Theologie zu Universität zu Leipzig, wohin er sich, 17 Jahre alt, bestudieren. Seumes eigene Worte hierüber lauten: „Des Hebräischen hörte ich bei Datye sehr viel und sehr fleißig; und ich erinnere mich, daß ich damals Dutzende Psalmen wußte". ... . Jedermann, würde wenigstens der zweite und ganze Kapitel aus den anderen Büchern auswendig der mich so hebräisch treiben sah, mußte glauben, ich Michaelis werden, oder gar ein neues eigenes morgenländisches Licht." Doch gab Seume bald das, Studium der Theologie auf. Den Grund hiefür gibt er selbst mit den Worten an: „Ich glaubte nur, was ich begriff: und ich begriff von den Kirchendogme l nur sehr wenige." Den Vorwurf, der ihm damals gemacht wurde, über einige Dogmen profan gesprochen zu haben, weist Seume zurück, indem er erklärt: „Daß ich \m über kirchliche Artikel sollte gesprochen haben, ist wohl möglich; aber gewiß nicht profan; ausgenommen, insofern frei und profan eins ist; denn mir ist jeder Volksglaube heilig, der einem ehrlichen Manne Beruhigung gewährt, und sollte er der Philosoph e noch so empfindliche Nasenstüber geben. Wer einem leidenden Wanderer seinen allen Mantel nimmt, unter dem Vorwände, er sei übel gemacht und durchlöchert, ist 7 in Unmensch auf alle Weise. Ich fordere alle auf, mit Berühruüg gekommen bin, ob ich über irgend etwas gespottet habe, was einem anderen ehrwürdig und heilig war." Das Thema seiner ersten Rede ivar rein moralischer Natur, und man konnte nach Seumes eigenen Worten ihr nur den Vorwurf machen, daß „sie auch für Juden, Türken und Heiden passe." Es fing in Seume immermehr zu gehren an. „Ich begriff, schreibt er, daß ich als ehrlicher Mann nicht auf dem Wege fortwandeln konnte ...... Ich verehrte die Bibel.ich verehrte Moses, Christum, abrr nach meiner Weise und nicht nach dem System. Heuche-