Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 11-12 (1.11.1906)
- Date
- 1906-11-01
- Page
- Seite 256 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 256 — verloren zu gehen. Der gesetzliche Kultus lieferte diese Verschalung, aus ursprünglich heidnischem Material wurde ein Panzer des Monotheismus geschmiedet.'Die Poesie hat gelitten, die Moral aber hat sich befreit und gehoben. Man darf den großartigen Erfolg der Disüplin, der die Juden sich unterwarfen, nicht übersehen. . . . In dem Chaos des Weltreiche, Gesch. S- 189 f. und S. 207). ist der Weg, der zu diesem Zi .werden müssen. Die Schüler das die Anschauungen von P in dem'die Nationen und damit zugleich Religion und Sitte sich auflösten, standen sie fest wie ein Fels im Meer" (Wellh., Jsr. und jüd. Ich glaube, wir dürfen zufrieden sein, wenn auch die chüler aus eigener Anschauung zu einem solchen Urteil gelangen; die Bibelkritik aber le führen muß. Schließlich sei noch bemerkt, daß im Anschluß an P auch die beiden Bücher der Chronik im Religionsunterricht besprochen und besonders charakteristische Stellen mit den parallelen Erzählungen o ns den Büchern Samnelis und der Könige verglichen men dann'in der Chronik ein Geschichtswerk kennen, auf die Vorgänge der früheren Jahrhunderte überträgt und demgemäß den überlieferten Stoff willkürlich umgestaltet. „Die bevorzugten Träger der nationalen Geschichte sind Heilige, und die Geschichte muß durchaus erbaulich sein und namentlich den Pragmatismus eines gerechten göttlichen Waltens zeigen. ..... Was in diesen religiösen Pragmatismus nicht paßt, wird verschwiegen" (Corn., Einl. i. d. A. T., S. 273). Indessen sind die Schüler darauf hinzuweisen, daß diese Art der Geschichtsschreibung noch keine bewußte Fälschung zu sein braucht. Es bleibt vielmehr die Annahme übrig, daß der Chronist aus den von ihm angeführten Queller.den dort bereits tendenziös dargest Men Stoff unverändert entlehnt hat, weil eben der Stoff in dieser Form seinen Anschauungen am meisten entsprach. Freilich, das Eine müssen auch die Schüler erkennen: eine historische Quelle ist das > Werk nicht. Mit der Besprechung der Chronik schließt die kritische Betrachtung der Bibel ab. Der gesamte auf der Oberstufe zu behandelnde Lehrstoff, dessen Umfang ich vorstehend skizziert habe verteilt sich auf drei Jahr,;. Nur in einem solchen Zeitraum und nur, wenn Unter- und Mittelstufe in der von mir angedeuteten Art vorgearbeitet haben, ist es möglich, das gesteckte Ziel zu erreichen Und es i st möglich. Ich selbst erteile schon seit einer Reihe von Jahren den Unterricht in dieser Weise, und mit Genugtuung hebe ich hier hervor: die Ergebnisse dürfen nicht nur als gute, sondern sogar als vortreffliche-bezeichnet werden. Die Schüler haben den dargebotenen Stoff mit Ernst erfaßt und sich mit Verständnis in ihn vertieft. Mir selbst aber ist der Unterricht gerade auf der Oberstufe besonders lieb und wert geworden. Irgend welche schädliche Nebenwirkungen habe ich bis heute nicht bemerkt. * ^4