Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 26 (1906)
- Issue
- Heft 11-12 (1.11.1906)
- Date
- 1906-11-01
- Page
- Seite 255 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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ist lediglich eine Projizierung des deuteronomischen Zentralheiligtums, d. h. des salomonischen Tempels in die mosaische Zeit" (Cornill, Einl. in das A. T., S. 63). Auch die Stellung der Priester ist eine ganz andere geworden. Die in D angebahnte und von Ezechiel fortgesetzte Scheidung zwischen Priestern und Leviten wird in P als etwas ganz Selbstverständliches dargestellt, das bereits von Mose angeordnet ist; der Hohepriester erscheint als das mit fürstlicher Autorität bekleidete Überhaupt der Gottesgemeinde Die in der Vorzeit als königliche Beamte fungierenden Priester sind jetzt die Ersten im Staate geworden. Die weltliche Macht ist durch die geistliche Macht verdrängt. Die Festtage verlieren ihre alte Bedeutung als Erntefeste; sie werden gefeiert, weil Jahwe sie geboten hat. Auch die Opfer erfahren eine Umwandlung; an Stelle der alten Mahlopfer, die jetzt ganz in den Hintergrund treten, erscheinen die Brand- und Sühneopfer; die Versöhnung des Einzelnen und der Gesamtheit mit Jahwe wird durch das Opfer bewirkt. Sogar der Boden ist Jahwe geheiligt, und dieser Gedanke findet in der Feier des Sabbat- und Jubeljahres seinen Ausdruck. So. hat der Priesterkodex den Gottesstaat, die in sich abgeschlossene Religions^gemeinde, das Judentum geschaffen. Er „zieht die Summe aus der Entwicklung, welche die Volksreligivn unter dem Einfluß der Verhältnisse und der Propheten seit der Zerstörung Samariens und seit Jesaias durchgemacht hatte. Er ist das Resultat der prophetischen Regulierung des Kultus, die unter Hiskia und Josia begann, durch das Exil mächtig gefördert wurde, und nach dem Exil zum Siege gelangte. Er geht über Ezechiel auf dys Deuteronomium zurück; er tut den letzten Schritt, jenes den ersten" (Welch., Jsr. u. jüd. Gesch. S. 184). In solcher Weise muß der Charakter von P den Schülern veranschaulicht und das gegebene Bild durch die entsprechenden Schriftstellen belegt werden. Endlich ist auch die dem Priesterkodex eigentümliche Art der Darstellung zu skizzieren, vor allem sein Streben, die Gottheit möglichst abstrakt darzustelley und jede Vermenschlichung fern zu hatten. Jahwe ist zum theologischen Begriff geworden. Und dann rein äußerlich: die Sucht, alles chronologisch genau zu bestimmen, die Aufzählung der zahlreichen Geschlechtsregister, die genaue Angabe von Zahl und Mast usw., lauter Eigentümlichkeiten, die es auch den minder Geübten, ermöglichen, Teile von P in den fünf Büchern Mosis zu erkennen. Endlich muß der Schüler auch darauf hingewiesen werden, daß P erst im babylonischen Exil^ entstanden sein kann, weil die ganze vorexilische Literatur von seiner Existenz keine Ahnung hat (vergl. insbesondere Jer. 7, 22). Es ist geradezu unmöglich, daß die Propheten und Priester ein Werk von so hervorragender Bedeutung hätten übersehen können. So lernen also die Schüler den Priesterkodex als das kennen, was er ist: ein Produkt der Entwicklung vom Deuteronomium bis Esra, geschaffen, um die. Gottesgemeinde vor dem Untergang zu bewahren. Und bei einer solchen Auffassung lernen sie ihn auch würdigen. Sie werden das Urteil Wellhausens zu dem ihrigen machen: „Die prophetischen Ideen ergaben nicht die Mittel zur Gründung einer Gemeinde; im Gegenteil bedurften sie selber einer Verschalung, um nicht der Welt